+
Das Ende einer Erfolgsstory: Kim Plitzko (am Ball) und die Thekenelfen der HSG Hanau melden in der kommenden Saison keine Mannschaft mehr.

Vier Meisterschaften in fünf Jahren

Thekenelfen sagen Tschüss: Nach dem Rückzug soll es ein Abschiedsspiel geben

  • schließen

Mit den Thekenelfen der HSG Hanau verabschiedet sich eine der erfolgreichsten heimischen Frauenmannschaften von der Handball-Landkarte. Leise, still und heimlich von der Bildfläche verschwinden ist aber nicht das Ziel der Thekenelfen, und so soll es noch ein Abschiedsspiel geben.

Irgendwann. „Es wird auch definitiv eine Abschiedsparty geben. Wann und wie das möglich sein wird, muss man schauen. Außerdem wollen wir noch einmal gemeinsam auf dem Feld stehen, da müssen wir aber mit der HSG Hanau reden. Das ist im Moment alles nicht so einfach“, sagt Kim Plitzko, Sprecherin der Thekenelfen.

Corona-Pandemie sorgt für verfrühtes Ende der Thekenelfen

Damit, dass das letzte gemeinsame Spiel jenes vom 8. März gegen die HSG Obertshausen/Heusenstamm (23:23) gewesen sein soll, können sich die Spielerinnen so gar nicht anfreunden. „Da hatte ja niemand damit gerechnet, dass das unser letztes gemeinsames Spiel sein wird“, sagt die 33-jährige Bruchköbelerin. Bereits Anfang des Jahres hätten ein paar Spielerinnen der Mannschaft mitgeteilt, dass sie nach der laufenden Runde die Handballschuhe an den Nagel hängen wollen.

Die verbliebenen neun Spielerinnen haben daraufhin versucht, für die kommende Spielzeit eine Mannschaft aufzubauen, und andere Spielerinnen angesprochen. Unterstützung haben die Thekenelfen dabei von Reiner Kegelmann, dem Sportlichen Leiter der HSG Hanau, erhalten. Die Bemühungen waren aber vergeblich, sodass sich die verbliebenen Elfen nach und nach mit dem Gedanken auseinandersetzen mussten, in der neuen Saison keine Mannschaft mehr zu melden.

Kein Nachwuchs: Zeit der Damen-Handballmannschaft war begrenzt

Dass dieses Schicksal das Team irgendwann erwartet, war von Anfang an allen Beteiligten bewusst. „Als wir uns vor fünf Jahren in einem Brief an die HSG Hanau gewandt haben, war klar, dass die Zeit irgendwann auslaufen wird, immerhin hat die HSG keinen Unterbau im Mädchenhandball“, sagt Kim Plitzko.

Vor der Saison 2014/15 suchten die Thekenelfen nämlich eine neue sportliche Heimat und fanden diese unter dem Dach der HSG Hanau. Dass auf diesen Brief aber dann eine derart „geile Zeit“ folgte, machte die finale Entscheidung umso schwerer. „Die Entscheidung ist erst am vergangenen Samstag gefallen. Wir mussten einsehen, dass die Bemühungen um neue Spielerinnen nichts bringen“, sagt die 33-Jährige.

Zwei Videochats mit den neun Spielerinnen, die weitergespielt hätten, zig WhatsApp-Nachrichten und Telefonate mit Reiner Kegelmann waren dem vorausgegangen. Letztlich haben die Thekenelfen die Entscheidung nicht länger rausgezögert und sie „schweren Herzens“ getroffen. Eine Auswirkung auf die neue Saison wird der Rückzug nicht haben, wie Spielleiter Lutz Holzmann sagt: „Wir spielen dann im normalen 12-Raster weiter. Es wird nicht mehr Aufsteiger aus der A-Liga geben.“

Pape wird Spielertrainerin beim TV Altenhaßlau

Wie es nun für die Spielerinnen der HSG Hanau weitergeht, wissen die meisten noch nicht. Manche beenden nun ihre Karrieren, hätten nur noch für die Thekenelfen eine Saison drangehängt. Andere wie Vanessa Pape haben bereits eine andere sportliche Heimat gefunden. Die flinke Spielerin wechselt zum ehemaligen Ligarivalen TV Altenhaßlau und wird dort in die Rolle der Spielertrainerin schlüpfen, gemeinsam mit Ex-Juniorennationalspielerin Nadja Raksch.

Dass Pape die Thekenelfen verlassen wird, stand schon vor dem Rückzug fest. Für die neun verbliebenen Thekenelfen habe sich laut Plitzko während des Entscheidungsprozesses die Frage nach einem neuen Verein gar nicht gestellt: „Woanders spielen stand nicht zur Diskussion.“

Vereinssuche während der Corona-Pandemie schwierig

Nun ist es ein Thema, und ein ziemlich kompliziertes noch dazu. Die Suche nach einem neuen Verein gestaltet sich nämlich während der Corona-Pandemie schwierig. Kim Plitzko möchte die Mannschaft, der sie sich eventuell anschließt, vorher kennenlernen. Da das im Moment nicht möglich ist, ist die Außenspielerin selbst noch ratlos, wie es weitergehen soll.

Der Kontakt zu den anderen Thekenelfen soll auf keinen Fall abreißen: „Wir haben beschlossen, dass wir uns, wenn es wieder möglich ist, einmal pro Woche treffen wollen. In welcher Form ist noch offen.“ Keine der Thekenelfen will loslassen, dafür seien die vergangenen fünf Jahre einfach „zu geil gewesen.“

Kein Landesliga-Aufstieg trotz zweier Meisterschaften

Die Mannschaft feierte Meisterschaften in der Bezirksliga B, A und zweimal in der Bezirksoberliga, sah von einem Aufstieg in die Landesliga aber ab. „Egal ob es die Fahrt nach Malle war, abends gemeinsam weggehen oder die Meisterschaften. Es waren einfach fünf tolle Jahre, in denen was zusammengewachsen ist“, schwelgt Kim Plitzko in Erinnerungen.

Dass auch die HSG Hanau ihren Anteil an dem Erfolgsmodell hat, vergisst die Bruchköbelerin dabei nicht: „Das ist der strukturierteste Verein, den ich je kennengelernt habe. Wir haben uns super ergänzt und voneinander profitiert.“ Ein Erfolgskonzept, das nun endet.

Das könnte Sie auch interessieren