Hier wird Bruchköbels Tegaday Ramos-Nuez (Zweiter von rechts) noch durch Niklas Friedrich und Tim Ackermann am Torerfolg gehindert. Später sollte er dann aber doch noch für Ekstase bei den SGB-Fans sorgen. Foto: Kalle

Bruchköbel

Bruchköbeler Last-Minute-Sieg lässt alle Dämme brechen

Handball. Mit einem Treffer buchstäblich in letzter Sekunde hat Tegaday Ramos-Nuez den Traum der SG Bruchköbel vom Klassenerhalt in der 3. Liga Ost am Leben erhalten - und bei den Fans in der Dreispitzhalle alle Dämme brechen lassen.

Das Last-Minute-Tor war der Siegtreffer zum 26:25 (15:11) der Bruchköbeler über den SV Anhalt Bernburg und die Fahrkarte in Richtung Nichtabstiegsränge, denn die SGB kletterte durch den Heimsieg auf den zwölften Tabellenplatz.

Während die Trommler auf den Rängen von Beginn an für Alarm sorgten, ließen sich die Teams auf dem Spielfeld zunächst etwas Zeit, denn die guten Abwehrreihen auf beiden Seiten dominierten in den ersten Spielminuten. Nachdem jeweils ein Siebenmeter für Gäste wie Hausherren für die ersten Treffer gesorgt hatte, entwickelte sich allerdings ein munterer Schlagabtausch. Die Defensive der Hausherren stand dabei etwas sicherer und zwang Bernburg immer wieder ins Zeitspiel und damit zu ungenauen Abschlüssen, wodurch sich das Team von Tim Beckmann nach knapp zehn Minuten erstmals etwas absetzen konnte.

Brechstange ZourekDa die Gastgeber im Angriff zwar strukturiert spielten, sich hier und da aber immer wieder technische Fehler leisten und insbesondere bei den Strafwürfen Nerven zeigten, blieben die Bernburger jedoch dran und glichen nach einer Viertelstunde zum 7:7 aus. Mit der Brechstange in Form von Daniel Zourek ging die SGB dann aber erneut in Führung, denn der Rückraumhüne traf zweimal in Folge und legte damit den Grundstein für die 15:11-Pausenführung seiner Mannschaft.

Für Erheiterung auf den Rängen sorgte in der ersten Hälfte der Zusammenstoß eines Außenspielers der Gäste mit einem der Schiedsrichter, bei dem der Unparteiische die größere Standfestigkeit bewies und auf den Beinen blieb, während sein unfreiwilliger Konkurrent zu Boden ging; der Zusammenstoß blieb glücklicherweise für beide ohne ernstere Folgen.

Fehlpässe, Stürmerfouls und schwache AbschlüsseNach Wiederanpfiff spielten die von den unermüdlichen Trommlern pausenlos angefeuerten Hausherren zunächst weiter wie im ersten Durchgang, hier und da schlichen sich bei der SGB aber Unaufmerksamkeiten ein. Zunächst betraf das die Abwehr, wo Bernburg nun immer häufiger erfolgreich über den Kreis zu Toren kam, dann stieg auch im Offensivspiel die Fehlerquote der Bruchköbeler. Fehlpässe, Stürmerfouls und schwache Abschlüsse sorgten dafür, dass die Gäste Mitte der zweiten Hälfte auf zwei Tore Rückstand verkürzen konnten.

Im Angriff konnten sich die Gastgeber mit zunehmender Spieldauer kaum noch durchsetzen, wirkten mehr und mehr ideenlos und mussten zwischenzeitlich den Ausgleich hinnehmen, doch dann setzten zwei junge Spieler wichtige Impulse: Der inzwischen eingewechselte Mike Bätz zeigte mehrere starke Paraden und vereitelte unter anderem einen gegnerischen Tempo-Gegenstoß, Linksaußen Jonas Heuer verwandelte die Tempo-Gegenstöße auf der Gegenseite sicher und brachte sein Team gut drei Minuten vor Schluss mit 25:23 in Führung.

Auf den Rängen kein Halten mehrBernburg glich durch zwei Treffer von Torjäger Steffen Cieszynski innerhalb einer Minute aber aus, und dann vergab der mit einem dick mit Tape umwickelten Finger spielende Milos Kreckovic 80 Sekunden vor Schluss den möglicherweise entscheidenden Siebenmeter. Die Gäste konnten aus diesem Fehlwurf aber kein Kapital schlagen und hämmerten ihren nächsten Wurf in den Bruchköbeler Abwehrblock, sodass die SGB nochmal in Ballbesitz kam und genug Zeit für einen letzten strukturierten Angriff hatte.

Dann überschlugen sich die Ereignisse: Die Bruchköbeler setzten Zourek in Szene, dessen Gewaltwurf von den Fingerspitzen eines Verteidigers abgelenkt an den Pfosten prallte und von dort aus ins Toraus trudelte. Die fällige Ecke Sekunden vor dem Abpfiff führten die Bruchköbeler schnell aus, und dann nahm sich Tegaday Ramos-Nuez ein Herz und hämmerte den Ball per Schlagwurf in die Maschen - ganze drei Sekunden vor dem Abpfiff, woraufhin es auf den Rängen kein Halten mehr gab.

Dank an die Fans"Dieser Wurf war einfach der Wahnsinn", zeigte sich SGB-Coach Tim Beckmann nach Spielende begeistert, bevor er nüchtern ergänzte: "Insgesamt war das - gerade in der zweiten Halbzeit - kein gutes Spiel von uns, wir sind immer nervöser geworden. Aber die Fans haben uns bis zum Ende unterstützt und dadurch mit dafür gesorgt, dass der entscheidende Wurf dann reingegangen ist."

Die Bernburger ärgerten sich hingegen darüber, "dass wir in der Abwehr nicht den richtigen Zugriff hatten und dadurch auch nicht in unser Tempospiel gekommen sind. In der zweiten Hälfte waren wir dann zwar besser, aber in Summe haben wir einfach zu viele gute Chancen nicht genutzt."

SG Bruchköbel: Mike Bätz, Marius Sulzbach; Jonas Heuer (6), Jannik Hoffmann (1), Milos Kreckovic (4/2), Edi Pjanic, Tegaday Ramos-Nuez (4/1), Jonas Ulshöfer (2), Yannik Woiwod (1), Daniel Zourek (4), Sergej Zutic (4/1). Schiedsrichter:Dux/FollmertSiebenmeter:SGB 7/4, SVAB 4/4Zeitstrafen: SGB 2, SVAB 3Zuschauer:625.

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