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Blackout bei Hassia-Ruderin Celina Grunwald: Erinnerungen an Silberlauf dank Livestream

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Von: Julia Meiss

Jubel im deutschen U19-Achter, der bei der U19-Weltmeisterschaft zu Silber hinter den USA gerudert ist. Die Kilianstädterin Celina Grundwald ist dabei über ihre Grenzen gegangen.
Jubel im deutschen U19-Achter, der bei der U19-Weltmeisterschaft zu Silber hinter den USA gerudert ist. Die Kilianstädterin Celina Grundwald ist dabei über ihre Grenzen gegangen. © DRV/Detlev Seyb

Celina Grunwalds Erinnerungen an das Finalrennen der U19-Weltmeisterschaft im bulgarischen Plovdiv, bei dem sie mit ihren Teamkameradinnen des deutschen Juniorinnen-Achters Silber geholt hat, stammen ausnahmslos von der Aufzeichnung des Livestreams. Die 16-Jährige hat sich im Finale in den Dienst der Mannschaft gestellt und ist über ihre Grenzen hinaus gegangen:

Hanau/Schöneck – „Nach dem Finale ging es mir schlecht und ich weiß nichts mehr vom Finale, das ist alles weg. Ich war völlig fertig und vielleicht war ich auch kurz weg.“ Die Anstrengung und die Hitze haben der jungen Sportlerin zugesetzt, aufgeben ist Celina Grunwald aber nicht in den Sinn gekommen. Stattdessen hat sie bei der famosen Aufholjagd des deutschen Achters voll mitgezogen und am Ende des Silberlaufs den Tribut zahlen müssen. Das beweisen auch Bilder vom Finale.

Während die Teamkameradinnen der Kilianstädterin nach dem Überqueren der Ziellinie zwar auch erschöpft sind, aber jubeln, liegt die 16-Jährige flach auf dem Rücken und benötigt Hilfe beim Aussteigen aus dem Boot. „Wir sind dann direkt zur Siegerehrung gegangen. Als wir im Schatten gewartet haben, ging es mir schon wieder besser. Die Siegerehrung war in der prallen Sonne, da ging es mir wieder nicht so gut“, erzählt die Senkrechtstarterin des Hanauer Ruderclubs Hassia. Die Sanitäter vor Ort hätten sich gut um die junge Sportlerin gekümmert, indem sie „mir einfach Eiswasser übergeschüttet haben. Das hat geholfen“, erzählt die Schülerin der Hanauer Karl-Rehbein-Schule und gibt am späten Dienstagabend sogleich Entwarnung: „Mir geht es gut.“

Deutsches Boot musste erst den Rhythmus finden

Nicht so gut ist das Bahnverteilungsrennen bei der Junioren-Weltmeisterschaft für den Achter um Celina Grunwald gelaufen. „Wir sollten Vollgas fahren, aber es lief noch nicht so gut“, analysiert die 16-Jährige. Das Team hat Probleme mit der Hitze gehabt und die deutsche Schlagfrau sei völlig kaputt gewesen, sodass der Rhythmus einfach nicht stimmte. Das deutsche Boot ist als Vierter angekommen, in Schlagdistanz zu den Medaillenrängen. Und das ist auch das Ziel für das Finale gewesen: „Wir wollten eine Medaille holen. Die USA war im Bahnverteilungsrennen schon sehr stark und ist vorneweg gefahren. Da dachten wir uns schon, dass Gold sehr schwer wird. Aber die beiden anderen Nationen, die noch vor uns waren, wollten wir einholen.“ Das ist dem deutschen Boot auch gelungen – dank eines starken Finishs.

Celina Grunwald
Celina Grunwald © -

Nach 500 Metern liegt das Boot des Deutschen Ruderverbands zunächst auf dem dritten Rang und hat einen Platz gutgemacht. Auf dem zweiten Streckenviertel ist das deutsche Boot allerdings bis auf den fünften Platz zurückgefallen, bevor eine furiose zweite Streckenhälfte aus deutscher Sicht beginnt. Mit der zweitschnellsten Zeit des Feldes sind die dritten 500 Meter absolviert worden, sodass die junge Crew bereits bei 1500 Metern hauchdünn auf Silberkurs liegt. Ein famoser Endspurt sichert die Silbermedaille ab und schiebt den deutschen Bugball mit der schnellsten Zeit aller Finalisten auf den letzten 500 Metern wieder an die US-Amerikanerinnen heran. Die USA gewinnt Gold mit einer Zeit von 6:34,51 Minuten vor Deutschland (6:38,20) und Rumänien (6:39.89).

Mittlerweile ist Celina Grunwald zurück in Deutschland und gönnt sich ein paar Tage Pause. Der Grund dafür ist aber nicht der kräftezehrende Silberlauf in der bulgarischen Hitze, sondern ihre zweite Corona-Impfung. Dass ihre Vereinskameraden vom Hanauer Ruderclub Hassia die WM-Silbermedaillengewinnerin nicht ohne einen entsprechenden Empfang davon kommen lassen, vermutet die 16-Jährige, weiß aber nichts Genaues. Schließlich ist der Gewinn von WM-Silber schon ein großer Erfolg und ein Grund zum Feiern. Celina Grunwalds sportlicher Werdegang hebt ihre Leistung aber besonders hervor.

Ihr Fokus liegt nun auf kleineren Regatten

Sie ist ein Paradebeispiel für eine Senkrechtstarterin: Die Kilianstädterin hat erst vor zwei Jahren mit dem Rudern beim Hanauer Ruderclub Hassia begonnen, am Sonntag hat sie ihre noch junge Karriere mit WM-Silber gekrönt. Wer jetzt denkt, dass die 16-Jährige noch höher hinaus will, liegt aber völlig falsch. „Ich will recht schnell wieder mit dem Training anfangen, um in diesem Jahr noch so viele kleinere Regatten erleben zu können, wie möglich.“

Nicht größer, sondern kleiner lautet das nächste Ziel der jungen Ruderin. Der Grund dafür ist einleuchtend: Celina Grunwald hat nicht klein angefangen, sondern ist recht schnell auf nationaler und internationaler Ebene gerudert. Das besondere Feeling kleinerer Regatten will die Rehbein-Schüler nun also nachholen. „Ich glaube, man hat viel Spaß bei kleineren Regatten“, so Celina Grunwald, die bei der WM voll und ganz auf ihre Läufe konzentriert war. Vom Drumherum haben die Sportler nicht viel mitbekommen. Das will sie nun nachholen – mit allen Tugenden einer erfolgreichen Sportlerin, die über ihre körperlichen Grenzen hinaus gehen kann. (Von Julia Meiss)

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