Der SV Wolfgang ist seine Heimat: Björn Heinzinger sorgt mit der zweiten Mannschaft des Vereins in der Kreisliga C für Furore.
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Der SV Wolfgang ist seine Heimat: Björn Heinzinger sorgt mit der zweiten Mannschaft des Vereins in der Kreisliga C für Furore.

Amateurfußball

Björn Heinzinger lebt Vereinstreue: Nach 19 Jahren in Klein-Auheim schon acht Saisons in Wolfgang

  • vonLennart Nickel
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Auf- und Abstiege, Verletzungsmiseren und Siegesserien – während andere Amateurfußballer jeder Phase einen Verein zuordnen können, setzt Björn Heinzinger auf Konstanz. Von 1993 bis 2012 blieb er seinem Heimatverein Alemannia Klein-Auheim treu, um sich dann dem SV Wolfgang anzuschließen, mit dessen zweiter Mannschaft er diese Saison die Kreisliga C dominiert.

Hanau – Auch im Amateurfußball ist es zunehmend gängiger, von Verein zu Verein zu ziehen. Wie kommt es, dass jemand in 27 Jahren nur ein Mal unter der Rubrik Zu- und Abgänge zu finden ist? Trotz einiger Anfragen habe er nie eine große Motivation verspürt, zu wechseln, erzählt der im zentralen Mittelfeld positionierte Heinzinger.

Identifikation mit Verein

Was oberflächlich wie ein Ausdruck einer gewissen Gleichgültigkeit erscheint, basiert vielmehr auf einer persönlichen Überzeugung des 33-Jährigen, die der Schnelllebigkeit der Zeit zuwiderläuft. „Ich kann keinem Spieler böse sein, der von Verein zu Verein tingelt“, betont Heinzinger und ergänzt, dass es zur Realität des Amateurfußballs gehöre, dass Spieler auch mit finanziellen Mitteln zum Vereinswechsel gelockt würden.

Nur: „Ich bin halt nicht der Typ dafür“, sagt er. Für ihn seien die Identifikation mit und eine gute Atmosphäre in einem Verein ausschlaggebender als schneller sportlicher Erfolg, dessen Nachhaltigkeit ungewiss ist.

Der SV Wolfgang scheint diesen Kriterien seit 2012 zu entsprechen: „In Wolfgang passt eigentlich fast alles,“ meint der Mittelfeldspieler und zählt die „solide Truppe“ und deren gute Gemeinschaft, die verantwortungsvolle Klubführung und die guten Gegebenheiten „In den Tannen“ auf.

Vom Tor ins Mittelfeld

Heinzingers Laufbahn begann bei der Alemannia kurzzeitig als Torwart. Nach einem ersten F-Jugend-Spiel, in dem er zwölfmal hinter sich greifen musste, entschied er sich, lieber Feldspieler zu sein. Mit der gefestigten Verbundenheit aus zwölf Jahren als Jugendfußballer bei der Alemannia erlebte Heinzinger 2004 als A-Jugendlicher die Euphorie rund um den Aufstieg der Herrenmannschaft in die damalige Bezirksliga Offenbach. Sein Debüt bei den Aktiven folgte wenige Tage nach seinem 18. Geburtstag.

Den einzigen Vereinswechsel vollzog Heinzinger 2012 – und ein bisschen ärgert er sich darüber: „Retrospektiv würde ich 2006 nach Wolfgang wechseln“, gesteht er. Der Verein sei schon immer top gewesen und kämpfte in der Saison 2006/07 um den Aufstieg in die Gruppenliga, zudem kickten bereits damals viele seiner Freunde dort. Freundschaften, die auch außerhalb des Platzes halten, sind für ihn ein Pfeiler seiner Vereinstreue.

Auch Heinzingers nunmehr achtjährige Ära beim SVW beinhaltet eigentlich alles, was ein Fußballer erleben kann – oder muss. Auf der positiven Seite die Meisterschaft der von Heinzinger angeführten ersten Mannschaft in der Kreisliga A Hanau im Jahr 2014, auf der negativen Seite sein in der Abstiegssaison 2016/17 erlittener Totalschaden im Knie, der ihn für ein Jahr hinter die Seitenlinie verbannte. „Auch wenn es wirklich eine Scheißzeit war – von einer Verletzung lasse ich mir nicht die ‘Karriere’ kaputtmachen“, schließt der 33-Jährige dieses Kapitel ab.

Weiterer Aufstieg?

Seine Karriere könnte diese Saison mit einem weiteren Aufstieg geschmückt werden. Neun Siege in neun Spielen des SVW II sprechen eine deutliche Sprache. Drei Tore hat der quasi beidfüßige Mittelfeldstratege selbst beigesteuert. Nichtsdestotrotz, „richtig schöne Vorlagen bereiten, ist mir weitaus wichtiger“, sagt er.

Damit die aufgrund der Pandemie besonders lange Winterpause einem SVW-Aufstieg nicht in die Quere kommt, motiviert Teamkollege Thorsten King mit Fitness-Challenges per WhatsApp organisiertem Wettbewerb die Mannschaft, die aktuelle Form zu halten. Eine Mitteilung, die King angesichts der Vita von Wolfgangs Nummer 21 mitnichten befürchten muss: „Björn Heinzinger hat die Gruppe verlassen.“

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