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„Bin kein Feuerwehrmann“: Belaajel bringt Spieler mit und soll Türk Gücüs Abstieg verhindern

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Zurück in der Gruppenliga: Nach seinem Ausstieg in Steinheim vor gut einem Jahr legte Raduan Belaajel eine Fußballpause ein.
Zurück in der Gruppenliga: Nach seinem Ausstieg in Steinheim vor gut einem Jahr legte Raduan Belaajel eine Fußballpause ein. © Scheiber

„Die Gruppenliga Frankfurt Ost ist wie eine Art Familie“, sagt Raduan Belaajel. Seit wenigen Tagen ist der erfahrene Übungsleiter wieder mittendrin in der Punktspielhatz der in dieser Spielzeit 20 Vereine umfassenden Liga. Gut ein Jahr nach seinem Abschied als Coach des SVG Steinheim hat der 45-Jährige eine heikle Mission übernommen: Belaajel soll Türk Gücü Hanau zum Klassenerhalt führen.

Hanau –Der gebürtige Marokkaner ist nach Bayram Tunc und Cengiz Avan bereits der dritte Trainer des Gruppenligisten, der vor dem Gastspiel am Sonntag beim FC Gelnhausen (18 Uhr) auf dem besten der sechs Abstiegsplätze rangiert. Mit einem 2:1-Sieg zum Start gegen die SG Nieder-Roden - immerhin ein Team aus dem vorderen Tabellendrittel - ist der Einstand von Belaajel geglückt. Vereinsverantwortliche wie Pressesprecher Adem Arslan sprechen vom frischen Wind nach dem Trainerwechsel.

Belaajel hatte mit seiner Zusage gezögert: „Eigentlich sehe ich mich nicht als Feuerwehrmann.“ Die Gespräche mit dem Verein hätten von Beginn an auf ein mögliches Engagement in der kommenden Saison gezielt. In Anbetracht wachsender Abstiegsgefahr haben sich die Verantwortlichen von Türk Gücü dazu entschieden, noch einmal die Karte Trainerwechsel zu spielen und Belaajel gebeten, sofort das Ruder zu übernehmen. „Ich kenne viele Vorstandsmitglieder des Vereins wie Bünyamin Kilinc schon sehr lange und habe schließlich zugesagt“, erzählt der frühere Offensivspieler.

Die guten Kontakte zu ehemaligen Spielern hat sich Belaajel sofort zunutze gemacht und nicht nur seinen alten Kumpel Domenico Di Rosa überredet, seine Fußballschuhe für Türk Gücü zu schnüren. Der 40 Jahre alte Stürmer, der einst mit Belaajel bei KV Mühlheim zusammenarbeitete, holte sich das Okay seiner Frau und hilft nun mit seiner Erfahrung beim Unternehmen Ligaverbleib mit. Auch der talentierte Salvatore Ercole, der sich bei Spitzenreiter Sportfreunde Seligenstadt nicht durchsetzen konnte, sowie Mittelfeldspieler Ismail Amallah (zuletzt TSG Neu-Isenburg) kommen aufgrund ihrer mehr als sechsmonatigen Spielpausen als Soforthilfen. Dazu wurde Mostafa El Aadmi reaktiviert.

Der Kader des Abstiegskandidaten ist jedoch nur minimal breiter geworden, da Matthias Kurt und Volkan Ertugrul dem Verein nach der Trennung von Avan nicht mehr zur Verfügung stehen.

Der Kampf um den Klassenerhalt, für den in der Endabrechnung wohl über 45 Punkte benötigt werden, ist für Belaajel in erster Linie Kopfsache. „Ich habe in den ersten Tagen viele Einzelgespräche geführt. Auf dem Trainingsplatz ist zu dieser Phase der Saison der Einfluss eines Trainers überschaubar. Jetzt kann ich niemanden mehr fitter oder schneller machen“, erläutert der neue Mann. Ob Belaajel über das Saisonende hinaus an der Rudi-Völler-Sportanlage das sportliche Zepter schwingen wird, ist offen. „Wir lernen uns jetzt kennen und schauen, wie es läuft“, sagt der Mühlheimer. Von der künftigen Spielklasse macht er eine Zusage für die Spielzeit 2022/23 nicht abhängig. (Von Frank Schneider)

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