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„Besser hätte man es nicht schreiben können“: Endet das Drehbuch mit einem Happy End?

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Von: Jörn Polzin

„Wer mehr kämpft, gewinnt“: Während die White Wings um Kapitän Philip Hecker (links) gegen Gießen um Platz acht spielen, werden die Frankfurter mit Philipp Hadenfeld den Gang in die Play-downs antreten müssen.
„Wer mehr kämpft, gewinnt“: Während die White Wings um Kapitän Philip Hecker (links) gegen Gießen um Platz acht spielen, werden die Frankfurter mit Philipp Hadenfeld den Gang in die Play-downs antreten müssen. © scheiber

Wie sich die Gefühlslage doch verändern kann. Vor zweieinhalb Wochen regierte noch der große Frust bei den Hanau White Wings. Die zwölfte Niederlage im 19. Spiel hatte das Fass zum Überlaufen gebracht. Die Spieler ließen die Köpfe hängen, der Trainer wirkte ratlos (und musste gehen), der Geschäftsführer ernüchtert. Der Gang in die Play-downs? Nicht mehr abzuwenden. Zwei unerwartete Siege später sieht die Welt ganz anders aus beim Basketball-Drittligisten aus der Pro B, auch beim Geschäftsführer. Sebastian Lübeck versprüht Vorfreude und Zuversicht, untermalt mit den Worten: „Es ist alles angerichtet.“

Hanau – Angerichtet für das „Endspiel“ am Samstag (16 Uhr) gegen die Gießen 46ers Rackelos, an dessen Ende der Einzug in die Play-offs stehen soll – gleichbedeutend mit dem Klassenerhalt. Angerichtet für eine lautstarke Kulisse in der Main-Kinzig-Halle. „Besser hätte man das Drehbuch wirklich nicht schreiben können“, betont Lübeck.

Ob es für die Hanauer ein Happy End bereithält oder sie weiter zittern müssen, haben sie selbst in der Hand. Mit einem Sieg würden die White Wings (18 Punkte) auf Platz acht springen, was auch für die punktgleichen Gießener gilt. Kuriose Konstellation: Die derzeit achtplatzierten Frankfurt Skyliners Juniors (20) müssen bereits für die Abstiegsrunde planen, weil sie im Dreiervergleich mit Coburg (20) und Hanau/Gießen schlechter abschneiden.

„Für die Frankfurter ist das natürlich bitter, nachdem sie über weite Strecken der Saison über dem Strich standen“, sagt Lübeck. Das Leid des Lokalrivalen könnte zum Hanauer Glück werden. „Wir wollen die Sensation perfekt machen.“

Obwohl die White Wings im Hinspiel unglücklich mit 72:73 unterlegen waren, stuft Lübeck die Chancen in diesem Spiel „ohne taktische Zwänge“ bei 60:40 ein – aus mehreren Gründen. Da wäre die aktuelle Formkurve. Die Siege gegen die Topteams aus Koblenz und Ulm haben Selbstvertrauen, Motivation und Überzeugung zurückgebracht. Selbst in kniffligen Momenten kämpfte sich die Mannschaft aus der Krise.

Auch die Gießener verbuchten zuletzt zwei Siege, mussten aber erst am Dienstagabend beim Schlusslicht in München (88:83) ran und taten sich überraschend schwer. „Das Spiel hat sicher mehr Kraft gekostet, als sie erwartet hatten, das kann ein kleiner Vorteil für uns sein“, meint Lübeck.

Aber auch grundsätzlich seien die Vorzeichen mit denen aus dem Hinspiel nicht zu vergleichen. Während auf Hanauer Seite Dion Braimoh fehlte und sich der zuletzt besser eingebundene Center Victor Demetrio früh verletzte, traten die Gießener noch ohne Montrael Scott an. Der US-Guard bringt es auf 18 Punkte im Schnitt, ist drittbester Werfer hinter den Routiniers Johannes Lischka (20) und Tim Uhlemann (19).

„Natürlich kommt da viel Qualität auf uns zu, aber auch bei uns haben einige zugelegt“, betont der Hanauer Geschäftsführer und zählt neben Demetrio auch Matthias Fichtner, Niklas Krause und Philip Hecker auf. Kapitän Hecker ist zuversichtlich: „Wenn wir unser Spiel durchziehen und zusammenhalten, haben wir eine gute Chance. Letztlich gewinnt das Team, das es mehr will.“ Das wollen die Hanauer sein.

An Unterstützung wird es am Samstag nicht mangeln. Die 500 Tickets (3G-Modell) waren binnen 48 Stunden vergriffen. „Wir wurden von den Anfragen überrannt. Auch aus Gießen gab es einige“, erzählt Lübeck.

Die Zuschauer werden dabei auch Zeugen einer besonderen Benefizaktion: Unter dem Motto #FarbeSpieltKeineRolle werden beide Mannschaften in der Main-Kinzig-Halle in den Clubfarben des Gegners auflaufen, um so im Rahmen der internationalen Wochen gegen Rassismus ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit zu setzen (siehe Infobox).

Wer es nicht in die Halle schafft, kann am kostenlosen Livestream mitfiebern. Es ist also wirklich alles angerichtet.

Aktion: Hanau und Gießen tauschen für mehr Toleranz die Trikotfarben

Am Samstagabend setzen die beiden Basketball-Teams der White Wings Hanau und die Gießen 46ers Rackelos ein starkes Zeichen gegen Rassismus und für mehr Toleranz. Ursprünglich war das Spiel auf den 19. Februar, den zweiten Jahrestag des Hanauer Attentats terminiert worden, es musste jedoch aufgrund von Covid-Infektionen verlegt werden.

Als Hanaus Basketballer 2020 ihr erstes Spiel nach den Anschlägen absolvierten, waren auch die Gießener der Gegner. Beide Vereine wollen dem Spiel am Samstag im Rahmen der internationalen Wochen gegen Rassismus eine noch größere Symbolik verleihen. Laut Pressemitteilung brechen beide Klubs für diese Aktion zum ersten Mal ihre Statuten und Traditionen. Hanau und Gießen tauschen am Samstag die Farben ihrer Trikots und werden in den Vereinsfarben des Gegners spielen. „Ganz im Zeichen des geschaffenen Mottos, das groß auf den Sondertrikots zu lesen sein wird: #FarbeSpieltKeineRolle“, verkünden die White Wings. Initiiert wird die Aktion von Peak Sport, dem Ausrüster der White Wings. tj

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