HA-Volontär Michael Bellack verbringt die Zeit seit Sonntagabend auf dem heimischen Sofa. Heute wird er operiert. Der Hobbyfußballer hat sich die Achillessehne gerissen. Foto: Privat

Bruchköbel

Bellack kämpft sich zurück, Teil 1: Die Verletzung

Der HA-Volontär Michael Bellack berichtet in unserer Serie über seine Verletzung, die OP und den Weg zum Comeback.

Von Michael Bellack

Fußball. Ein hörbarer Knall, ein starker Schmerz über der rechten Ferse. Nur einen Schritt nach vorne habe ich gemacht, um bei einem gegnerischen Einwurf näher beim Gegenspieler zu stehen. Doch während mein ganzer Körper den Bewegungsablauf mitmacht, bleibt mein rechter Fuß einfach auf dem Boden. Als ob jemand von hinten auf meinem Fuß steht. Blöd nur, dass da gar kein Gegenspieler ist.

Ich liege auf dem regennassen Kunstrasen in Langenselbold. Kreisliga B, 65 Minuten gespielt. 2:2 steht es zwischen meiner Mannschaft, Eintracht Oberissigheim II, und der gastgebenden Reserve der Spvgg. Langenselbold. Letztes Spiel vor der Winterpause. Der Ball wird schnell ins Aus gespielt. Mitspieler und Trainer eilen herbei, fragen, was passiert ist, wo es weh tut.

Es muss etwas Stabiles sein, was da gerade in mir kaputtgegangen ist. Für einen Faserriss, eine Zerrung oder eine Dehnung sind die Schmerzen zu stark. Und sonst gibt's da unten an der Ferse ja recht wenig, was einfach so reißen kann. Da bleibt eigentlich nur eins: die Achillessehne.

Amateurfußballer sind oft verkannte Mediziner. So wird schnell ein Muskelriss diagnostiziert, wo nur eine Zerrung ist. Der vermeintliche Schienbeinbruch stellt sich als Prellung heraus. Der im Mittelkreis diagnostizierte Kreuzbandriss ist zum Glück nur ein verdrehtes Knie. Und so ist auch meine erste Hobby-Diagnose, ausgestellt auf dem Sportplatz, erstmal das Horrorszenario: Achillessehne gerissen. Leider liege ich damit aber richtig.

Auftreten probiere ich erst gar nicht. Immerhin kann ich den Fuß ein bisschen bewegen. Immerhin etwas. Ins Vereinsheim werde ich getragen, Erstversorgung durch den Notarzt. Könnte auch ein Muskelriss sein. Oder kaputte Bänder. Immerhin ist es noch nicht dick. Vielleicht hab ich Glück. Die erste Sorge wird mir schnell genommen: „Sterben werden Sie daran nicht“, sagt der Notarzt.

Auch ich flüchte mich in solchen Situationen oft in Galgenhumor. Ändern kann man ja eh nichts. An diesem Sonntag, dem ersten Advent, überwiegen aber Wut und Schmerz. Vor allem deshalb, weil ich eigentlich schon weiß, dass ich sehr lange nicht mehr auf dem Fußballplatz stehen werde.

Notaufnahme im Krankenhaus, sonntags das Herrschaftsgebiet der Fußballer. Erst röntgen, dann Ultraschall, ein paar Tests zur Beweglichkeit. Mein linker Fuß macht brav, was ich ihm befehle. Mein rechter Fuß hört in etwa so sehr auf mich wie ein pubertierender Teenie auf seine Eltern. Gar nicht. Hauptverbindung gekappt. Was ich befürchtet habe, wird wahr: Ruptur der Achillessehne.

Heute steht die Operation an. Vollnarkose, 45 Minuten, ein zehn Zentimeter langer Schnitt. Dann wird das irgendwie wieder zusammengeflickt. Mir egal, wie, Hauptsache, es funktioniert später wieder. Da es nicht meine erste Operation ist, nicht mein erstes körperliches Opfer für König Fußball, mache ich mir recht wenig Gedanken über den Eingriff. Vorfreude sieht anders aus, das ist klar. Nikolaus im Krankenhaus. Gibt Schöneres.

Vor den kommenden Wochen und Monaten graut es mir aber wirklich. Die werden hart, darauf kann ich mich einstellen. In der Notaufnahme hat die Krankenschwester es mir schon prophezeit: „Die Achillessehne verzeiht sehr langsam.“

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