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Beim Heimspiel fehlt die Spielpraxis: Hanauerin Pia Gassner hatte sich bei Deutschen Meisterschaften der AK 30 mehr erhofft

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Von: Thorsten Jung

Pia Gassner musste sich auf dem Grün des GC Hanau-Wilhelmsbad mit Rang 16 begnügen. „Vor 25 Jahre habe ich hier meine Platzreife gemacht, wenn man auf einem Platz so viel gespielt hat, fühlt sich das wie zu Hause an.“
Pia Gassner musste sich auf dem Grün des GC Hanau-Wilhelmsbad mit Rang 16 begnügen. „Vor 25 Jahre habe ich hier meine Platzreife gemacht, wenn man auf einem Platz so viel gespielt hat, fühlt sich das wie zu Hause an.“ © Scheiber

Die Lokalmatadorin war nicht zufrieden. Pia Gassner belegte am Ende den 16. Platz. Erhofft hatte sich die Wahl-Münchnerin mehr. „Es war dann aber doch das erwartbare Ergebnis“, sagte sie nach Abschluss der Deutschen Meisterschaften der Altersklasse 30, die am vergangenen Wochenende vom Golf Club Hanau-Wilhelmsbad ausgerichtet wurden.

Hanau – Vor 25 Jahren machte Pia Gassner auf der Anlage in Wilhelmsbad ihre Platzreife, seit elf Jahren lebt sie in München, spielt für den Bundesligisten Münchener GC und kehrte nun erstmals für ein großes Turnier in ihre Heimatstadt zurück.

„Es war superschön, mal wieder zu Hause zu spielen. Es kamen viele Leute raus und haben mich unterstützt. Dass nach so vielen Jahren, die ich nicht mehr in Hanau lebe, so viel Support da ist, ist schon toll“, strahlte die 34-Jährige, die mit ihrem Spiel nicht zufrieden war, auch wenn es dafür gute Gründe gab. Vor sieben Monaten wurde Pia Gassner Mutter. Da musste selbstredend die Golf-Liebe zurückstecken. „Es fehlen dann einfach die Trainingsstunden für ganz vorne.“

Favoriten siegen in Hanau-Wilhelmsbad

Gewonnen haben in Gassners Augen die Favoriten. Mit jeweils einem Schlag Vorsprung siegten Rachel de Heuvel (GC Olching) und Stefan Wiedergrün (Frankfurter GC). In einer wahren Hitzeschlacht setzte sich de Heuvel gegen die lange in Führung liegende Deborah Wehle (GC Hamburg-Walddörfer) durch. Wiedergrün verwies den neuen Platzrekordhalter Marian Ludwig vom GC Hof (siehe Infobox) auf Platz zwei. Wie hoch die Leistungsdichte war, zeigte sich spätestens an der Anzahl der podestplatzierten Herren. Christopher Schmitz vom Gastgeber-Verein belegte den 26. Platz.

„Im ersten Moment fühlte sich der zweite Platz eher nach verlorenem Gold an, weil ich heute nicht ganz meine Leistung abrufen konnte. Aber im zweiten Moment ist es natürlich gewonnenes Silber“, lautete Ludwigs Fazit. Auf dem Podest standen gleich sechs Herren: Hinter Wiedergrün und Ludwig gab es vier Bronzemedaillen-Gewinner.

Frankfurter Wiedergrün blickt auf „drei wilde Tage“ zurück

„Ich bin sehr erleichtert. Es waren drei wilde Tage. Ich hatte nicht immer ganz die Performance, die ich mir gewünscht habe. Ich konnte aber den Score ganz gut zusammenhalten“, musste Wiedergrün nach seinem Triumph erst einmal durchschnaufen. Für Wiedergrün ist der Mid-Amateur Pokal ein alter Bekannter: „Ich habe die Meisterschaft ja bereits 2020 gewinnen können. Im letzten Jahr habe ich dann im Stechen verloren. Aber immerhin: Jetzt ist der Pokal wieder zu Hause.“ Zu den Spielbedingungen sagte der Frankfurter: „Die Temperaturen waren extrem. Wir hatten 38 bis 39 Grad und die Luft stand an den Löchern. Es war körperlich sehr anspruchsvoll. Andererseits gilt aber auch: Wie der Platz präpariert war, das war sensationell und beeindruckend.“

Bei den Damen hatte Wehle über zwei Tage hinweg das Feld angeführt. Mit nur drei Schlagverlusten in den beiden ersten Runden war sie äußerst konzentriert unterwegs. Am Finaltag ließ die Norddeutsche ein paar Fehler mehr zu - Wehle lag aber dennoch weiter in Führung, denn auch ihre ärgste Konkurrentin Rachel de Heuvel ließ Federn.

Erst an Bahn 13 kam es zum Gleichstand. Und an Bahn 17 dann der entscheidende Fehler: Die Walddörfer Spielerin traf ihren Abschlag dünn. Der Ball prallte von einem Baum ab und landete in einem Grünbunker. Im ausgeglichenen Zweikampf der beiden Top-Spielerinnen nutzte de Heuvel die Chance. Die Olchingerin schnappte sich die Führung und ließ sich diese auch an der letzten noch zu spielenden Bahn nicht mehr nehmen.

Lob für den Hanauer Golf-Platz

„Ich bin im Moment noch ein bisschen überwältigt. Natürlich fährt man hier her, um vorne mitzuspielen. Und wenn man dann sogar noch im Leader Flight ist, möchte man tatsächlich auch gewinnen“, strahlte de Heuvel mit der Sonne um die Wette. Zu den Gastgebern des GC Hanau-Wilhelmsbad sagte sie: „Die Anlage ist super. Hanau ist der Leading Courses absolut würdig. Bei dieser Hitze hat sich die Anlage in einem wirklich erstklassigen Zustand gezeigt.“

Den dritten Platz erkämpfte sich Alena Oppenheimer vom GC Main-Taunus. So weit vorne wäre auch Pia Gassner gerne gelandet. Mit Platz 16 könne man nicht zufrieden sein, meinte sie: „Durch Schwangerschaft und Geburt waren die letzten Monate nicht von Training geprägt und so war das leider ein bisschen zu erwarten.“.

Die neuen Deutschen Meister der AK 30: Stefan Wiedergrün und Rachel de Heuvel.
Die neuen Deutschen Meister der AK 30: Stefan Wiedergrün und Rachel de Heuvel. © C&V Sport Promotion

Dabei ging es am Freitagnachmittag auf der Heimbahn für sie gut los. „Das war mit Abstand die beste meiner drei Runden“, blickt sie auf die 74 Schläge zurück. Es folgten eine 82er und eine 79er-Runde, womit sie das Turnier mit 16 Schlägen über Par beendete. Zum Vergleich: Siegerin de Heuvel, blieb mit -1 als einzige Spielerin des Feldes unter Par.

Gassner ist mit der Nationalmannschaft unterwegs

„Ich habe es leider nicht geschafft, nach einem schlechten Schlag einen Safe umzusetzen, da stand immer gleich eine schlechte Zahl auf der Scorekarte. Da merkt man die fehlende Spielpraxis“, so Gassner, die die deutsche Nationalmannschaft Ende August bei der Weltmeisterschaft in Versaille als Kapitänin anführt. Selbst spielen wird sie da nicht, als Teamcaptain übt sie eine Art Betreuerrolle auf dem Platz aus und ist Ansprechpartnerin der Spielerinnen.

Und in auf dem Golfplatz in Wilhelmsbad wird man sie auch bald wiedersehen: „Meine Eltern und mein Bruder leben hier, und wenn ich in Hanau bin, versuche ich auch immer zur Anlage zu kommen. Ich bin ja noch Mitglied und fühle mich da wohl.“ (Von Thorsten Jung)

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