Der Ball auf dem Weg in den Korb: In der Main-Kinzig-Halle findet auch während des Lockdowns Sport statt. Die Profi-Basketballer der Ebbecke White Wings Hanau spielten am Wochenende gegen das Team Orange Academy. Bei dem Geisterspiel waren inklusive Spieler keine 50 Menschen in der Halle.
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Der Ball auf dem Weg in den Korb: In der Main-Kinzig-Halle findet auch während des Lockdowns Sport statt. Die Profi-Basketballer der Ebbecke White Wings Hanau spielten am Wochenende gegen das Team Orange Academy. Bei dem Geisterspiel waren inklusive Spieler keine 50 Menschen in der Halle.

Basketball

So sieht Profi-Basketball bei den White Wings im Lockdown aus

  • Thorsten Jung
    vonThorsten Jung
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In Hanau und der ganzen Region ruht der Wettkampfsport seit Anfang des Monats. Nur Profis dürfen trainieren und an Wettkämpfen teilnehmen. Die Handballer der HSG Hanau zählen zur Gruppe der Leistungssportler, die 3. Liga macht aber bis Jahresende Pause, sodass nur trainiert wird. Die einzige Mannschaft in Hanau, die derzeit um Punkte kämpft, sind die Ebbecke White Wings. Die Profi-Basketballer spielen in der drittklassigen ProB und haben am vergangenen Sonntag gegen das Team Orange Academy aus Ulm gespielt.

Hanau – Für die Hanauer Korbjäger war es die dritte Partie in dieser Saison. Alle drei fanden während des Lockdowns light im November statt. Der eigentliche Saisonstart im Oktober war für die White Wings ausgefallen. Das Coronavirus hatte beinahe die halbe Mannschaft getroffen. Fünf Hanauer Spieler und ein Mitarbeiter der Geschäftsstelle waren infiziert. Längst sind alle gesund, die Mannschaft ist aus der Quarantäne entlassen und Spiele können stattfinden.

Keine 50 Personen waren am Sonntag in der Main-Kinzig-Halle. Elf Spieler standen im Kader der Hanauer, zehn Akteure hatten die Gäste aus Ulm in ihrem Aufgebot. Dazu Trainer, Co-Trainer, Teambetreuer und Physiotherapeuten auf jeder Seite. Neben den beiden Schiedsrichtern ist auch ein Kampfgericht zur Durchführung der Partie nötig. Anschreiber, Anschreiber-Assistent, Zeitnehmer und Wurfuhr-Zeitnehmer sorgen für den regulären Ablauf der Partien.

In der Halle waren zudem zwei Sanitäter der Johanniter, zwei Kommentatoren und ein Kameramann für den Livestream auf sportdeutschland.tv, ein junger Mann, der den Liveticker der Liga ProB bediente, sowie der vereinseigene Fotograf, der bei Auswärtsspielen auch als Busfahrer fungiert. Ein White-Wings-Mitarbeiter begrüßte jeden, der die Halle betrat, mit einem Fieberthermometer und saß während des Spiels als Wischer am Spielfeldrand. Das Spiel auf der Tribüne verfolgten weiterhin White-Wings-Geschäftsführer Sebastian Lübeck, zwei Gesellschafter der White Wings GmbH sowie der HA-Reporter.

Neue sportliche Leitung und zahlreiche neue Spieler bei den White Wings

Das wirkt für uns eher wie ein Testspiel

23 Seiten umfasst das Hygienekonzept, das die Durchführung einer Drittliga-Basketballbegegnung überhaupt erst möglich macht. „Die Liga hat mit der Berufsgenossenschaft und Ärzten ein Grundkonzept erstellt. Das haben die Vereine bekommen. Wir haben es dann den Gegebenheiten hier in Hanau angepasst und von den Ämtern vor Ort absegnen lassen“, erklärt Sebastian Lübeck. Für ihn und sein Team waren die vergangenen Wochen nicht einfach. Nach dem Abbruch der Saison 2019/20 waren die Verträge der meisten Spieler ausgelaufen. Auch mit dem Trainer konnte man sich auf keine weitere Zusammenarbeit einigen.

Mit Headcoach Kamil Piechucki und Assistenztrainer Maciej Dudzik wurde eine neue sportliche Leitung verpflichtet. Es folgten reihenweise neue Spieler. Nur die Kapitäne Till-Joscha Jönke und Josef Eichler sind schon länger in Hanau. Als das Team beisammen war, zog sich der junge Luca Eibelshäuser einen Kreuzbandriss zu, Routinier Eichler verletzte sich am Meniskus und das aus Bruchköbel stammende Talent Calvin Schaum verabschiedete sich nur kurz nach seiner Verpflichtung wieder.

Mitte Oktober sollte die Saison endlich beginnen. Sogar ein paar Zuschauer waren zur Auftaktpartie gegen die zweite Mannschaft des Bundesligisten FC Bayern München zugelassen. Doch dann erhielt Lübeck die Nachricht: Mehrere Spieler der White Wings sind positiv auf das Coronavirus getestet worden. Fünf Akteure und ein Geschäftsstellenmitarbeiter erhielten einen positiven Befund. Die ganze Mannschaft musste in Quarantäne.

Aufbau dauert ohne Zuschauer deutlich kürzer

Anfang November, während der Amateursport im sogenannten Lockdown light verboten wurde, durften die Hanauer Basketballer endlich in die Saison 2020/21 starten. Das Heimspiel gegen Bayern München II wurde an einem Donnerstagabend nachgeholt und ging verloren, ebenso die Auswärtspartie in Speyer. Nun waren also die Gäste aus Ulm mit zwei Kleinbussen in die Brüder-Grimm-Stadt gekommen. Um 18 Uhr war Anpfiff.

Schon mittags hatten sich Lübeck und einige Helfer in der Main-Kinzig-Halle zum Aufbau getroffen. „Wir haben das in einer Stunde gemacht“, erzählt der Geschäftsführer. Wenn Zuschauer zugelassen sind, „brauchen wir vier bis fünf Stunden“. Nur eine der drei Tribünen wurde ausgefahren, ein paar Roll-ups von Sponsoren und Werbebanden werbewirksam für die Übertragung im Internet am Spielfeldrand aufgestellt. „Das wirkt für uns eher wie ein Testspiel“, meint Lübeck. Das Gefühl einer Ligapartie wollte in ihm nicht aufkommen. „Das Kribbeln fehlt ohne die Zuschauer und die Sponsoren, die wir zum Netzwerken normalerweise im VIP-Raum treffen. Ohne Hallenshow und Musik ist das schon alles sehr komisch.“

Fehlende Zuschauereinnahmen fallen bei White Wings nicht zu stark ins Gewicht

Auch während des Spiels war die Atmosphäre seltsam. Statt Fangesängen wie „Let’s Go Hanau, Let’s Go“ hörte man wild umherschreiende Spieler. Statt lautstarken Trommelschlägen der White-Wings-Supporters waren jubelnde Spieler auf den Ersatzbänken zu vernehmen. Wobei die Gäste aus Ulm klar den Ton angaben. Ob es daran lag, dass sie auch auf dem Spielfeld klar dominierten? Schrill und übertrieben laut dröhnte die Sirene, die ein Time-out oder sonstige Unterbrechungen ankündigte, durch die fast menschenleere Sporthalle. Bei mehreren Hundert Zuschauern fällt diese enorme Lautstärke der Sirene nicht so sehr auf.

Bei den Hanauer Basketball-Profis fallen die fehlenden Zuschauereinnahmen aufgrund der Geisterspiele nicht so sehr ins Gewicht, wie Lübeck versichert. Der Kader sei durch die Sponsoreneinnahmen durchfinanziert. „Wir setzen dabei nicht wie andere Vereine auf die Zuschauereinnahmen“, so Lübeck, der sich zudem über Einnahmen aus dem Internet-Livestream freut. Auf der Plattform sportdeutschland.tv werden die Partien der White Wings in voller Länge übertragen. Seit keine Zuschauer in die Halle dürfen, seien die Zahlen der Livestream-Nutzer deutlich gestiegen. Lübeck berichtet von einer dreistelligen Zahl Basketball-Fans, die sich bei Heimspielen die Partie online für fünf Euro ansehen.

In der Halle tragen alle bis auf Spieler, Trainer und Schiedsrichter Mund-Nasen-Bedeckungen. Vor dem Spiel sollen sich alle möglichst kurz in der Kabine aufhalten, erzählt Lübeck. Wird ein Spieler eingewechselt – und Wechsel kommen im Basketball recht häufig vor – muss er sich die Hände am Spielfeldrand desinfizieren. Das vermittelt dann schon den Eindruck von Profitum. Das Drumherum erinnert in der Tat eher an ein Testspiel oder eine Partie auf Kreis- oder Bezirksebene. Von Drittliga-Basketball hatte dieser Abend in der Main-Kinzig-Halle wenig. Auch nicht der sportliche Auftritt der Hanauer Lokalmatadoren, die der jungen Ulmer Mannschaft nicht gewachsen waren und mit 74:94 unterlagen.

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