Immer wachsam: Dank ihrer starken und agilen Defensive setzten sich die Hanau White Wings um Philip Hecker (Mitte) und Omari Knox in Ulm durch.
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Immer wachsam: Dank ihrer starken und agilen Defensive setzten sich die Hanau White Wings um Philip Hecker (Mitte) und Omari Knox in Ulm durch.

White Wings schlagen Spitzenreiter

„Balldiebe der Liga“ landen einen Coup

  • Jörn Polzin
    vonJörn Polzin
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Spektakuläre Dunkings, sehenswerte Blocks über Ringniveau und ein echter Überraschungscoup: Die Partie in der 3. Basketball-Liga, Pro B, zwischen der Orange Academy Ulm und den Ebbecke White Wings Hanau hatte so einiges zu bieten und eigentlich viele Zuschauer verdient gehabt. Die mussten zwar coronabedingt draußen bleiben, doch die Stimmung bei den Gästen war nach der Schlusssirene ausgelassen. 87:78 (44:44) beim Spitzenreiter – die große Überraschung des Spieltags. Und das auch noch „absolut verdient“, wie selbst der Ulmer Marius Stoll nach 40 packenden Minuten einräumen musste.

Hanau – „Einfach nur begeistert“, zeigte sich White-Wings-Geschäftsführer Sebastian Lübeck nach dem dritten Sieg in Serie. „Die Ulmer sind schon sehr athletisch, aber das hat diesmal nicht gereicht, um unsere Teamleistung zu übertrumpfen.“ Trainer Kamil Piechucki schlug in die gleiche Kerbe: „Wir haben unser volles Potenzial abgerufen. Das Spiel haben wir mit starkem Teamgeist gewonnen“, betonte er. „Den Sieg werden wir genießen. Das haben sich die Jungs verdient.“

Zumal die Vorzeichen alles andere als günstig standen. Beim bis dato in heimischer Halle ungeschlagenen Tabellenführer mussten die White Wings drei Tage nach dem Nachholspiel gegen Erfurt ohne ihren Center Josef Eichler auskommen, der aus privaten Gründen fehlte. So fehlte die Entlastung für Michael Acosta Marte, der 36 Minuten und damit deutlich mehr als jeder andere Akteur an diesem Abend auf dem Feld stand.

Doch Acosta zeigte das, was das gesamte Team im bisherigen Saisonverlauf auszeichnet, in Ulm aber noch mal auf ein anderes Level gehoben wurde: schnelle Hände. 17 Mal klauten die White Wings dem Gegner dem Ball, forcierten insgesamt 25 Ballverluste. In dieser Kategorie führen die Hanauer die gesamte Südstaffel an. Ballgewinne – der entscheidende Unterschied zwischen beiden Mannschaften im ansonsten ausgeglichenen Spiel, das in den ersten beiden Vierteln jeweils unentschieden endete. Der Halbzeitstand diente den Gästen als zusätzliche Motivation: „In der ersten Hälfte haben wir bewiesen: Wir haben eine Chance. Das hat uns gepuscht“, sagte Piechucki.

Diese Energie brachte das Team mit einer starken Mannschaftsleistung aufs Feld und konnte sich zu Beginn des dritten Viertels erstmals deutlicher absetzen. Philipp Hecker, zuvor bereits mit einem Vier-Punkte-Spiel (Dreier plus Bonusfreiwurf) ausgefallen, knüpfte an seine gute Offensivleistung an und stellte gemeinsam mit Eduard Arquez Lopez und dem starken Justus Peuser (sieben Steals) die Weichen für den Auswärtscoup. Immer wieder gab es zwar Momente, in denen die Ulmer gefährlich nahe herankamen – auf weniger als zwei Punkte konnten sie den Rückstand allerdings nicht mehr verkürzen.

Besonders Hanaus druckvolle Verteidigung über das gesamte Spielfeld stellte die Gastgeber vor größere Probleme, bei denen auch die physisch starken Nat-Sidi Diallo (10 Punkte) und Nicolas Bretzel (6) nicht wie gewohnt zum Zuge kamen. White-Wings-Kapitän und Topscorer Till-Joscha Jönke (20) markierte mit zwei Freiwürfen den Endstand.

Hanau: Peuser (14), Stenger, Felix Hecker (3), Jönke (20), Knox (8), Marte (6), Philip Hecker (9), Dordevic, Fichtner, Lopez (15), Kudic (12)

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