Die Entscheidung auf dem Fuß: Alzenaus Salvatore Bari überlässt beim 1:1 gegen die Stuttgarter Kickers erst die Ausführung des Elfmeters seinem Sturmpartner Hedon Selishta, hat dann das 2:0 vor Augen (Foto) und traf kurz vor Abpfiff beinahe von der Mittellinie zum 2:1. Foto: TAP

Region Hanau

Aufstiegsrunde zur Regionalliga: Alzenau im Freudentaumel

Fußball. 79. Spielminute im Stadion am Prischoss. Elfmeter für Bayern Alzenau. Es steht 0:0 im entscheidenden Aufstiegsrundenspiel gegen die Stuttgarter Kickers. Ein Tor und Alzenau spielt kommende Saison in der Regionalliga Südwest.

Von Thorsten Jung

Salvatore Bari hat den Ball in der Hand. In seinem letzten Spiel für den FCB vor seinem Wechsel zu Hanau 93 will er diesen wichtigen Elfmeter schießen. Ein Kuss für den Ball. Bari legt ihn zärtlich auf den Elfmeterpunkt, und macht Platz. Torjäger Hedon Selishta übernimmt die Verantwortung. Es ist plötzlich mucksmäuschenstill. 2500 Zuschauer schauen gebannt zu, wie Selishta anläuft. Ramon Castellucci ahnt die Ecke. Stuttgarts Keeper kann den Ball aber nicht halten. Der Rest ist grenzenloser Jubel.

Nachdem der Aufstieg in den vergangenen beiden Jahren knapp verpasst wurde, schaffte es die Mannschaft von Trainer Angelo Barletta in diesem Jahr. Kommende Saison spielt sie in der Regionalliga unter anderem gegen Kickers Offenbach.

Führungsstreffer vom Elfmeterpunkt

Lange war es ein typisches 0:0-Spiel. Selishta fand vor der Pause in Castellucci seinen Meister, der vor den rund 600 mitgereisten Kickers-Fans überragend parierte. Auf der anderen Seite musste FCB-Keeper Ioannis Takidis nur bei einer wirklich gefährlichen Aktion eingreifen.

Dann die 78. Minute. Der eingewechselte Elias Niesigk wird im Strafraum gefoult. Bari hätte sich gerne als Matchwinner aus Alzenau verabschiedet, musste aber doch beim Elfmeter dem Hessenliga-Torschützenkönig den Vortritt lassen. „Ich war länger verletzt, wurde gerade erst wieder fit. Hedon hat sich sicher gefühlt, da habe ich ihn schießen gelassen“, sagte er dem HA und fügte strahlend an: „Ich bin überwältigt und so stolz.“ Und Bari hätte sich noch in die Torschützenliste eintragen können. Zwei Minuten nach dem Führungstreffer flankte Rico Kaiser den Ball butterweich von der rechten Seite in den Stuttgarter Strafraum. Bari nahm den Ball direkt, hatte viel Platz, schoss aber über das Tor.

Ausgleich ebenfalls durch Strafstoß

Zwei Minuten vor dem Ende wurde es noch einmal spannend. Ein dummes Foul im eigenen Strafraum bescherte auch den Gästen einen Elfmeter. Ilias Soultani verwandelte zum 1:1. Das knappste aller Ergebnisse, das Alzenau zum Aufstieg reichen würde, war eingetroffen.

Vier Minuten Nachspielzeit. Vier Minuten bangen. Ein Gegentreffer und die Kickers wären aufgestiegen. In der 93. Minute sah Bari, dass Castellucci weit vor seinem Tor stand. Er zog von der Mittellinie ab und hätte den Keeper beinahe düpiert. Wieder war es nichts mit Baris entscheidendem Treffer. Und im Gegenzug kam Stuttgart noch einmal bis zur Grundlinie durch. Doch Alzenau konnte klären und aufatmen.

Vorteil für Hanau 93

Etwas jubeln durfte dann auch Baris neuer Klub Hanau 93. Durch den Alzenauer Aufstieg steigen zwei Verbandsliga-Vizemeister in die Hessenliga auf. Die 93er müssen ihr Spiel am Samstag beim SV Neuhof „nur“ noch mit zwei Toren Vorsprung gewinnen, um eine Party starten zu können, wie sie in Alzenau am Mittwoch um kurz nach 21 Uhr startete. Und Bari sagte lächelnd mit einem Blick auf Hanau 93 und sein Entscheidungsspiel in Neuhof: „Vielleicht darf ich dieses Jahr zwei Aufstiege feiern!“ Aber er will seine neuen Mitspieler auch nicht zu sehr unter Druck setzen: „Wenn es nichts wird, helfe ich nächstes Jahr mit meinen Toren mit.“

Die passenden Abschlussworte fand Mittelfeldregisseur Kreso Libucic. Auf die Frage, wo es heute noch hingehen werde, antworte der Maintaler: „Nicht nach Hause!“

Alzenau: Takidis – Kaiser, Milosevic, Auer, Calabrese – Ljubicic, Wilke, Kalata (69. Niesigk) – Alessandro (60. Bari), Selishta, Konate Lueken (90. +3) Sejdovic) - Tore: 1;0 Selishta (78./FE), 1:1 Soultani (88./FE) – Schiedsrichter: Scheuermann (Worms) – Zuschauer: 2500

Das könnte Sie auch interessieren