Fußball

Aufstiegsrunde: Es gibt noch Gründe für den Aufstieg von Hanau 93

Fußball. Es war nicht der Tag des FC Hanau 93. Das Team von Trainer Michael Fink muss nach der 1:3-Niederlage in der Aufstiegsrunde zur Hessenliga am kommenden Samstag in Neuhof ein anderes Gesicht zeigen. Dass die Mannschaft auch ein anderes Gesicht hat, haben die Akteure in der zweiten Halbzeit gegen Dietkirchen gezeigt.

Von Thorsten Jung

Der Aufstiegstraum ist noch lange nicht ausgeträumt. Es gibt 9 + 3 Dinge, die Hanau 93 vor dem Rückspiel Mut machen. Neun Dinge können Spieler und Umfeld selbst beeinflussen, bei drei Dingen sind sie auf fremde Hilfe angewiesen.

  • Trainer Michael Fink scheut sich nicht vor unpopulären Entscheidungen.Unmittelbar nach seinem Amtsantritt setzte er die langjährige Nummer eins, Jens Westenberger, auf die Bank. Gegen Dietkirchen holte er den bei den Fans ebenfalls beliebten Kapitän Kahraman Damar schon nach einer guten Stunde vom Feld. „Jeder kann mal einen schlechten Tag haben, aber kein Spieler ist unantastbar. Es zählt nur die Leistung auf dem Spielfeld. Wenn die nicht stimmt, muss ich auch mal einen gestandenen Spieler rausholen. Da ist es egal, wie der Spieler heißt“, so Fink. Der Impuls kam bei der Mannschaft an. Ohne Damar nahm Vize-Kapitän Sascha Ries sein Herz in beide Hände und auch der eingewechselte Feta Suljic hatte starke Aktionen.
  • Der Glaube an die eigene Stärke ist groß.Die 93er haben schon oft große Moral bewiesen, Spiele in der Schlussphase gedreht. „Jetzt müssen wir eben in Neuhof möglichst mit drei Toren Unterschied gewinnen. Die Hoffnung lebt noch“, gibt sich Fink kämpferisch. Ebenso der Sportliche Leiter Giovanni Fallacara: „Wir lassen uns nicht kleinkriegen! Wir wollen hoch und werden am Samstag alles reinhauen!“
  • Aussetzer, wie vor zwei der drei Gegentore am Sonntag, werden sich die Youngster nicht mehr leisten.Keeper Armend Brao, der vor dem 0:2 nicht aus seinem Tor kam, und der eingewechselte Tolga Ünal, der den Ball vor dem 1:3 leichtfertig verlor, lernen aus ihren Fehlern. Das passiert ihnen in Neuhof kein zweites Mal.
  • Die Spieler konzentrieren sich mehr auf sich selbst als auf den Schiedsrichter.Als es in der ersten Halbzeit nicht lief, die 93er schwach spielten, suchten sie im Schiedsrichtergespann die Schuldigen. Als sich Tim Fließ und Co. nach der Pause auf ihr eigenes Spiel konzentrierten, wurde vieles besser.
  • Die klare Ansprache der Verantwortlichen. Fink und Fallacara nehmen kein Blatt vor den Mund.Die Kabinenansprache im Dietkrichen-Spiel hat gesessen. „Das muss in so einer Situation sein“, deutete Fink an, dass es in der Pause nicht gerade zimperlich zuging. Auch nach dem Spiel war seine Analyse schonungslos: „Der Gegner hat genau so gespielt, wie wir das im Vorfeld besprochen haben. Aber wenn man keine Leidenschaft, keinen Willen in den Zweikämpfen zeigt, keine Rückwärtsbewegung hat, keine Wege in die Tiefe macht, kann das nichts werden. Das war in der ersten Halbzeit desolat.“ Für Fallacara war die erste Hälfte einfach „erschreckend. Da haben wir kein Gesicht gezeigt.“
  • Die 93er sind nicht mehr der klare Favorit.Seit der starken Hinrunde hat die Mannschaft etwas zu verlieren. Bei neun Punkten Vorsprung im Dezember dachte kaum jemand, dass der HFC kommende Saison noch Verbandsligist sein könnte. Das scheint in der Winterpause etwas in den Köpfen der Spieler gemacht zu haben. Für viele – vor allem für die beiden Gegner – galt Hanau 93 in der Aufstiegsrunde als haushoher Favorit. Das ist jetzt anderes. Die 93er haben nichts mehr zu verlieren.
  • Fink kann nachlegen, hat eine starke Bank.Das hat die zweite Halbzeit gegen Dietkirchen gezeigt. Egal, wen der 93er-Coach in Neuhof draußen lässt, die Einwechselspieler können neuen Schwung reinbringen. „Die Spieler, die eingewechselt wurden, haben neue Impulse rein gebracht“, war Fink nach dem Dietkirchen-Spiel mit seinen Einwechslungen zufrieden.
  • Hanau 93 kann auswärts siegen.In der dieser Saison gelangen neun Siege in 16 Auswärtsspielen. Eine starke Quote. Nur Meister RW Walldorf war in der Verbandsliga Süd stärker. Gut für die 93er: Neuhof hat nur neun seiner 16 Heimspiele gewonnen. Kein besonders guter Wert.
  • Die Fans sind der zwölfte Mann.Im Gegensatz zu ihrer Mannschaft waren die Supporters des FC Hanau 93 am Sonntag schon von der ersten Minute an hellwach. Sogar noch früher. Schon beim Einlaufen begrüßten die treuesten Hanauer Fans ihre Lieblinge mit Schlachtgesängen. Für die Fahrt nach Neuhof haben die 93er zwei Busse organisiert. Anmeldungen nimmt Rico Pietsch unter der Nummer 01 63/7 73 11 80 entgegen. Die Supporters werden auch am kommenden Samstag Vollgas geben.
  • Bayern Alzenau kann den 93ern helfen.Steigen die Unterfranken morgen gegen die Stuttgarter Kickers in die Regionalliga Südwest auf, wird in der Hessenliga ein weiterer Platz frei. Dann würde dem HFC in Neuhof auf jeden Fall schon ein Sieg mit zwei Toren Vorsprung reichen.
  • Das Wetter kann Hanau 93 in die Karten spielen.Warum standen Damar und Co. gegen Dietkirchen so neben sich? War es die Kulisse, die sie an der Kastanienallee so nicht kennen? Fallacara brachte noch einen weiteren Grund ins Spiel. „Vielleicht ist am Samstag etwas kühleres Wetter,“ hofft der Sportliche Leiter auf weniger als 30 Grad.
  • 93er kann mit Fortuna im Bunde sein.Die Hessenliga heißt offiziell „Lotto Hessenliga“. Die vergangenen Wochenenden waren sportlich für den HFC kein Sechser im Lotto. Nach der Winterpause war es kaum mal ein Dreier, der am Spielende auf dem Tippschein der 93er stand. Am Samstag könnte das Glück mal wieder auf Seiten der 93er sein. Zum Aufstieg müssen es ja nicht einmal zwingend gleich sechs Richtige sein.

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