Andreas Thomas steht mit seinen 51 Jahren noch für die DJK Eintracht Steinheim auf dem Platz und denkt noch nicht daran, die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen.
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Andreas Thomas steht mit seinen 51 Jahren noch für die DJK Eintracht Steinheim auf dem Platz und denkt noch nicht daran, die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen.

Fußball: 51-jähriger kickt für Eintracht Steinheim

Andreas Thomas ist beinharter C-Liga-Verteidiger

  • vonLennart Nickel
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Mit 51 Jahren trotzt Andreas Thomas scheinbar den Regeln der Biologie und spielt weiter munter Fußball, welcher für ihn definitiv mehr als nur ein Hobby ist. Was sich hinter Thomas’ langer Karriere verbirgt, ist jedoch eine zu kämpferische Geschichte, als dass sie auf eine schlichte Zahl, wie die der Lebensjahre reduziert werden könnte.

Hanau – Als beinharter Verteidiger lehrt er den teils 30 Jahre jüngeren Gegnern in der Kreisliga C das Fürchten, als Fitnesscoach und selbstgelernter Physiotherapeut kümmert er sich dagegen hingebungsvoll um die erste Mannschaft der DJK Eintracht Steinheim. Der Heizungsbauer sieht sich selbst mehr als einen Praktiker denn Theoretiker – und als jemand, dem die Grundfitness in die Wiege gelegt worden sei, der aber dafür, dass er heute noch dem Ball nachjagen kann, viel kämpfen müsse.

Fit wie ein 18-Jähriger

Eintracht Steinheims Cheftrainer Stephan Masching beschreibt ihn als „immer noch so fit wie manch 18-Jährigen.“ Durchgehend Sport zu treiben, sei die Basis für seine Fitness gewesen, erzählt Thomas, dennoch: „Ich bin privat jetzt nicht joggen gegangen“, erzählt er etwa über die derzeitige Zwangspause aufgrund der Corona-Pandemie. Das gewisse Naturtalent verdanke er auch seinem Vater, der selbst ein versierter Fußballer war und ihm das Kicken von der Pike auf beigebracht habe.

„Von meinem Ehrgeiz können sich 99 Prozent was abschneiden“, behauptet der Routinier. Das klingt erst einmal hochtrabend, erfährt man aber, wie und wie oft Thomas sich nach sogar lebensbedrohenden Situationen zurückgekämpft hat, ist klar, was er damit meint. Neben drei schweren Knieverletzungen 1991, um 2000 und 2019, nach denen er recht schnell wieder auf dem Fußballplatz stand, sticht ein Ereignis hervor. Den 29. April 1997 sieht Andreas Thomas heute als seinen zweiten Geburtstag an. In Folge eines Autounfalls erlitt er schwere Verletzungen, musste von der Feuerwehr aus dem Wagen befreit und intensivmedizinisch erst in Hanau, dann in Aschaffenburg versorgt werden. „Mit einem Fuß stand ich schon oben bei Petrus“, sagt er heute. Aber aufgeben kam für ihn nie infrage. Sobald es irgendwie ging, trainierte er unentwegt und stand zum Saisonbeginn 1997/98 vor den verdutzten Mitspielern der damaligen SG Germania Steinheim, bereit, wieder zu trainieren.

Schwere Verletzung nach einem Unfall

Auch heute können sie in Steinheim auf ihn zählen. Seit mittlerweile etwa 15 Jahren bei der DJK gilt auch trotz des aus dem Unfall resultierenden „Schrottplatz in der Schulter“: „Wenn Not am Mann ist, stehe ich halt auch noch auf dem Platz – und bringe trotzdem bessere Leistungen als die Jungen!“

Thomas hält nicht zurück, was ihm auch schon hin und wieder den Beinamen des „Gestörten“ eingebracht habe, erzählt er – und ein bisschen Stolz klingt mit.

Aber in Steinheim wissen sie, was sie an ihm haben. Seine Erfahrung hilft der zweiten Mannschaft, die notorisch im Tabellenkeller der KLC steckt. Ebenso wertvoll sind seine Fitness-Einheiten mit dem A-Team sowie die „magischen Hände“, die dem „Sportplatz-Physio“ Thomas gemäß ihm selbst nachgesagt werden. Ihn verbindet eine langjährige Freundschaft mit Dieter Schäfer, ehemaliger Physiotherapeut von Kickers Offenbach, der ihn Mitte der 2000er ins OFC-Team holen wollte, obwohl der Steinheimer keine anerkannte Ausbildung genossen hat.

Rückblickend auf Andreas Thomas’ Fußballer-Vita stellt sich die Frage, was passieren muss, dass er doch die Schlappen an den Nagel hängen würde? „Keine Ahnung, wahrscheinlich muss mir ein Bein abfallen – aber dann spiele ich beim Behindertensport mit“, antwortet der rustikale Routinier und lässt vermuten, dass er sich diese Frage bisher gar nicht wirklich gestellt hatte.

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