Fußball

Der SV Altwiedermus ist auf einem sportlichen Konsolidierungskurs

Fußball. So lange ist es noch gar nicht her: Vor einem Jahr mischte der SV Altwiedermus als Aufsteiger in der Verbandsliga Süd mit und attraktive Gegner wie Rot-Weiß Frankfurt oder der FC Hanau 93 lockten mehrere hundert Zuschauer auf das Sportgelände am Fuße der Ronneburg.

Von Frank Schneider

Im Winter war das Märchen des kleinen Vereins, der auch dank dem Zutun und den Kontakten seines Sportlichen Leiters Bernd Fernau binnen fünf Jahren von der Kreisliga A bis in der zweithöchste hessische Spielklasse durchstartete, plötzlich vorbei.

Auf einem Abstiegsplatz stehend, drohende Abgänge von Spielern und Sanktionen des Verbandes in Form von Punktabzügen und Geldstrafen wegen fehlender Jugendarbeit vor Augen, zogen die Verantwortlichen die Reißleine und meldeten ihre erste Mannschaft vom Spielbetrieb ab. Wiederholt kritisierte Bernd Fernau die Vorgaben des Verbandes. „Wie soll man denn in einem Dorf mit nur 600 Einwohnern aus dem Nichts eine Jugendfußballabteilung aufbauen?“

Neustart in der Kreisliga A

Der Vorstand des SV Altwiedermus entschied sich im Jahr des 50-jährigen Vereinsbestehens für einen Neustart in der Kreisliga A Büdingen. Von den Statuten her hätte der SVA als Verbandsliga-Absteiger auch in der Gruppenliga Frankfurt Ost oder in der Kreisoberliga Büdingen starten können. „Wir haben uns bewusst für die A-Klasse entschieden, wollten neu aufbauen“, erzählt Fernau, der weiterhin die sportlichen Fäden bei den Ronneburgern in den Händen hält, auch wenn sportlich wie finanziell aktuell nicht mehr am ganzen großen Rad gedreht wird.

Nachdem im ersten Halbjahr 2019 lediglich die damalige zweite Mannschaft in der Kreisliga B1 Büdingen aktiv war, startete der SVA im Sommer mit einer Mannschaft in der A-Liga. Einen Trainerwechsel gab es nicht – B-Teamtrainer Jürgen Niedenthal ist weiterhin für das Team verantwortlich. „Er macht einen sehr guten Job, gerade wenn man bedenkt, dass er keine einfache Aufgabe übernommen hat“, sagt Fernau.

Das Gros der letztjährigen zweiten Mannschaft bildet jetzt den Kern des Kaders des A-Ligisten, dazu sind mit Viktor Schulz, Jannis Scheffler und Patrick Hillemann noch drei Akteure aus der Verbandsliga-Saison geblieben. Von Germania Großkrotzenburg kam mit Luke Schwarzer ein junger Torwart, die Routiniers Jose Estevez und Ivan Jajetic (ehemals SG Bruchköbel und FC Hochstadt) bringen genauso wie Armel Nana höherklassige Erfahrung mit.

Auch wenn am vergangenen Wochenende die zuvor gestartete Erfolgsserie mit einer 0:2-Niederlage beim Spitzenreiter VfB Höchst/Nidder gerissen ist, glaubt Fernau an einen erfolgreichen Saisonausgang. „Unsere Mannschaft hat das Zeug, am Ende einen richtig guten Platz zu belegen“, sagt der Sportliche Leiter, um wenig später das Saisonziel mit einem Rang unter den besten fünf Teams zu konkretisieren. „Der beste Rang ist Platz eins und ich will jedes Spiel gewinnen. Wenn wir dieses Ziel nicht hätten, bräuchten wir uns ja sonntags nicht zu treffen.“

Aufstieg sei kein Muss

Mit über 70 Jahren ist Bernd Fernau zwar ruhiger geworden, seinen Ehrgeiz und die markigen Sprüche hat er aber behalten. Der Aufstieg in die Kreisoberliga sei aber dennoch kein Muss. Zufrieden ist Fernau freilich nur, wenn sich der sportliche Erfolg einstellt. Nach dem abrupten Verbandsliga-Rückzug war die Option Gruppenliga kein Thema, denn auch dort wären wie in der Verbandsliga verbandseitig Punkte abgezogen worden.

Das Umfeld hat unterdessen den Neuanfang mitgetragen. Natürlich sind die Besucherzahlen gesunken, doch im Schnitt 80 Zuschauer sind für A-Ligaverhältnisse ordentlich.

„Die Leute müssen sich nach den vielen Erfolgen in den vergangenen Jahren erst wieder ans Verlieren gewöhnen“, sagt mit Fernau ausgerechnet der, der Verlieren hasst wie Pest.

Mit dem Neustart ist der langjährige Geschäftsmann zwar nicht unzufrieden, doch riesengroße Euphorie hat er keine im rund 150 Mitglieder zählenden Klub festgestellt. Sportlich ist beim SV Altwiedermus Normalität eingekehrt und nach dem zwischenzeitlichen sportlichen Höhenflug, der bis in die Verbandsliga führte, bewegt sich der SVA in etwa dort, wo er fast immer sportlich unterwegs war: auf Kreisebene.

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