Im originalen Spielerpass von Benno Schweizer ist auch dessen Wechsel von Alemannia Klein-Auheim zur Spvgg. Mühlheim im Jahr 1957 vermerkt. Der Mitgliedsausweis des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer (rechts): Benno Schweizer hatte die Mitgliedsnummer 220. Fotos: Nils Moock

Fußball

Alte Fotoschätze: Benno Schweizer ließ sich nicht stoppen

Fußball. Es klingt nahezu unvorstellbar: ein Trainer, knapp 50 Trainerstationen und teilweise Übungsleiter bei bis zu drei Mannschaften gleichzeitig. Benno Schweizer war über viele Jahrzehnte eine feste Trainergröße in den Kreisen Hanau, Offenbach und Gelnhausen, ehe er im Jahr 2002 verstarb.

Von Nils MoockSchweizer wurde 1933 geboren und kickte in der Jugend in Mühlheim. Mit 18 Jahren wechselte er zum FC Alemannia Klein-Auheim. In der Jugend der Klein-Auheimer sammelte er erste Trainererfahrungen. Dort merkte er schnell, dass sein Herz vor allem für das Traineramt schlug. Es ist der Beginn einer in der Region wohl beispiellosen Trainerlaufbahn.

1959 erhielt Schweizer die DFB-A-Lizenz und wurde Mitglied im Bund Deutscher Fußball-Lehrer. Es verging kaum ein Tag, an dem er nicht auf irgendeinem Fußballplatz stand und eine seiner Mannschaften coachte. Das hat auch seine Tochter Silke Kaiser nachhaltig geprägt: „Ich bin quasi auf dem Fußballplatz aufgewachsen und habe den Fußball mit in die Wiege gelegt bekommen“, erzählt sie schmunzelnd.

Missen möchte sie keinen dieser Momente auf dem Sportplatz. Ganz im Gegenteil: Viele Erinnerungen wird sie wohl nie wieder vergessen: „Mein Vater nahm mal wieder an einem der unzähligen Trainerlehrgänge des DFB teil und ich durfte ihn begleiten. Einmal fand er auf Sylt statt. Ich war damals zehn Jahre alt. Helmut Schön leitete den Lehrgang und in den Pausen spielte ich oft mit ihm Boule. Das sind Tage, die bleiben ein Leben lang in Erinnerung.“

Einen Namen gemacht

Einen Namen machte sich Benno Schweizer als Trainer bei den Kickers Viktoria Mühlheim, die er von 1965 bis 1968 erfolgreich trainierte. Innerhalb von drei Spielzeiten stieg er mit seiner Mannschaft dreimal auf und schaffte den Durchmarsch von der Bezirksklasse in die Hessenliga. Das Entscheidungsspiel um den Aufstieg in die Hessenliga fand am 17. Juni 1967 in Hanau statt und lockte knapp 5000 Zuschauer ins Stadion. Mit 3:0 setzten sich die Mühl‧heimer durch und feierten den Aufstieg mit einem Autokorso von Hanau nach Mühlheim, wie man ihn sonst nur von Fußball-Weltmeisterschaften kennt. Schweizer war damals kaum älter als seine Spieler.

Aber der Kult-Trainer hatte nicht nur in Mühlheim Erfolg. Auch mit anderen Mannschaften feierte er Meisterschaften und die damit verbundenen Aufstiege. So führte er 1969 den KSV Eichen von der B- in die A-Klasse. Warum er so erfolgreich war? Silke Kaiser meint, dass ihr Vater sehr ehrgeizig gewesen sei. Viele seiner ehemaligen Spieler beschreiben ihn als einen „harten Trainer, der uns ordentlich rangenommen hat“. Dennoch: Benno Schweizer war in der Region beliebt und seine hilfsbereite Art wurde von vielen geschätzt.

Das beweist seine Beerdigung im Jahr 2002. „Schon die Kapelle war unglaublich voll. Als wir mit dem Trauerzug aus der Kapelle gekommen sind, haben wir plötzlich nur noch schwarze Kleidung gesehen, so viele Leute waren da. Der ganze Friedhof war anschließend gefüllt. Das hat mich damals mit Stolz gefüllt“, erinnert sich Silke Kaiser.

Nichts konnte ihn abhalten

Nichts konnte den leidenschaftlichen Trainer davon abhalten, an der Seitenlinie zu stehen. Zu groß war seine Liebe zum Fußball. Sogar seine Herzprobleme, die, so vermutet Silke Kaiser, vom „Stress auf dem Fußballplatz“ kommen mussten, haben ihn nicht daran gehindert, weiterhin zu coachen. 1994 wurden ihm drei Bypässe eingesetzt: „Meine Mutter hat sich gesorgt und ihm verboten, weiter zu trainieren. Wir dachten lange, dass er sich daran hält. Doch eines Abends fuhr ich mit dem Fahrrad am Großauheimer Sportplatz vorbei und traute meinen Augen nicht. Da stand plötzlich mein Vater mit der Pfeife im Mund und trainierte. Da war dann zu Hause natürlich was los.“

Benno Schweizer war aber nicht nur Trainer vieler verschiedener Vereine, sondern auch ehrenamtlich in Vorständen unterschiedlicher Gemeinschaften oder Vereinigungen aktiv. Mehrfach wurde er für sein Engagement ausgezeichnet. Er bekam unter anderem die Sportplakette der Stadt Hanau, den Ehrenbrief des Landes Hessen und die große Verdienstnadel des Hessischen Fußball Verbandes.

Bei so viel Fußball verwundert es kaum, dass er auch hauptberuflich damit zu tun hatte. Schweizer arbeitete für das Freizeit- und Sportamt der Stadt Hanau, war unter anderem für die Vergabe der Hallen und Fußballplätze im Umkreis zuständig.

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