Interview während des Laufens: SSC-Neuzugang Nadja Heininger steht HA-Sportreporter Thorsten Jung Rede und Antwort.
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Interview während des Laufens: SSC-Neuzugang Nadja Heininger steht HA-Sportreporter Thorsten Jung Rede und Antwort.

SSC Hanau-Rodenbach

Allrounderin feilt an ihrem Comeback: Nadja Heininger steigt langsam wieder ins Training ein

  • Thorsten Jung
    vonThorsten Jung
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Der SSC Hanau-Rodenbach hat eine neue schnelle Frau. Eine Bayerin will für die Nummer 17 der Vereinsrangliste des Deutschen Leichtathletik-Verbandes auf Rekordjagd gehen. Auf die Jagd nach eigenen Bestzeiten und Medaillen. Nadja Heininger ist von der TSG Kleinostheim ins Hessische gewechselt. Nach langer Verletzung hat sie das Lauftraining gerade wieder aufgenommen.

Alzenau – Der HANAUER hat mit ihr eine Runde durch den Alzenauer Wald gedreht. Nadja Heininger kommt mit dem Fahrrad aus dem Stadtteil Michelbach zum Prischossstadion, wo die kleine Laufrunde samt Interview startet. Die 31-Jährige hatte ein Ödem an der linken Ferse, musste seit Dezember pausieren. Den gemeinsamen Interview-Lauf startet sie so rasant, dass sie der HA-Redakteur schon auf den ersten Metern ausbremsen muss.

Dabei erzählt sie von ihrer früheren Liebe zum Basketball. Mit fünf Jahren hat sie beim TV Michelbach angefangen und später auch für Gelnhausen gespielt. Nach einem Kreuzbandriss machte Nadja Heininger wieder weiter. Ihre zweite Sportart Turnen hat sie schon mit 14 wieder sein gelassen. Nach dem Abitur am Alzenauer Spessart-Gymnasium studierte sie Sport auf Lehramt in Frankfurt. Im zweiten Semester riss wieder das gleiche Kreuzband im rechten Knie. Das war es mit dem Basketball.

Nach Kreuzband-OP ersten Halbmarathon gelaufen

„Ich habe mich dann mit Laufen fit gehalten“, erzählt sie. Neun Monate nach der Kreuzband-Operation folgte im Sommer 2011 der Start beim Aschaffenburger Halbmarathon. „Mit meiner Zeit von 1:34 Stunden konnte ich nichts anfangen. Ich wusste nicht, ob das gut ist. Es hat einfach Spaß gemacht.“ Trotz der starken Zeit kam es ihr nicht in den Sinn, für einen Verein zu starten.

2014 überredete sie eine Freundin, an einem Laufevent zwischen Alzenau und Mömbris teilzunehmen. Der Kahlgrund-Trail hatte es in sich: 24,7 Kilometer mit 758 Höhenmetern. Nadja Heininger wurde Vierte. „Das war rückblickend ohne strukturiertes regelmäßiges Training schon riskant, weil die Strecke sehr anspruchsvoll war und natürlich total lang.“ Ihr längster Lauf zuvor waren die 21 Kilometer beim Halbmarathon, in den drei Wochen zuvor war sie kaum Laufen. Der TSG Kleinostheim blieb Nadja Heiningers Talent nicht verborgen. Hartnäckig versuchte man sie zu überreden, einmal im Training vorbei zu schauen. Irgendwann sagte sie zu, hatte Spaß und nahm nach sechs Wochen am Aschaffenburger Hypo-Lauf teil. „Das war für uns Unterfranken-Mädels immer das coolste Event“, erzählt die 31-Jährige, während der neben ihr laufende HA-Redakteur um eine Dehnpause bittet.

„Ich bin Achte in der Unterfranken-Wertung geworden und habe – für mich überraschend – gleich einen Geldpreis gewonnen. Da habe ich natürlich Blut geleckt.“ Das schlug sich auch in ihren Bestzeiten nieder. „Schon bei meinem dritten 10-Kilometer-Lauf bin ich unter 40 Minuten gelaufen“, berichtet sie.

Auch im Berufsleben steht der Sport im Mittelpunkt. Der Beruf als Lehrerin erfüllte Nadja Heininger nicht. Nach kurzer Zeit verließ sie das Großkrotzenburger Kreuzburg-Gymnasium, arbeitet nun in der Physiotherapie-Praxis ihres Freundes, die auch die Regionalliga-Fußballer von Bayern Alzenau betreut.

Im Oktober 2018 lief sie in Frankfurt ihren ersten Marathon. Und das direkt unter drei Stunden. „Mein alter Trainer Wolfgang Höfer war dann der Meinung, es wäre an der Zeit, neue Wege zu gehen, um mich weiter zu entwickeln.“ Doch Nadja Heininger konnte sich einen Vereinswechsel noch nicht vorstellen, machte in Kleinost-heim weiter. „Dann habe ich immer mehr gemerkt, dass mir bei der TSG die Trainingspartner auf meinem Leistungsniveau fehlen.“ Als sie im Sommer 2020 ein paar Mal mit Constanze Paoli vom SSC Hanau-Rodenbach lief, schwärmte die ihr vom SSC-Training vor. Nun kam es zum Wechsel.

2020 lief es für Nadja Heininger auf der Laufstrecke nicht gut. „Ich hatte mehrere Infekte. Immer, wenn ich in Form gekommen bin, kam wieder ein Infekt. Und am Ende des Jahres das Ödem an der Ferse.“ Ende November verspürte sie Schmerzen. „Ich war dann mehrere Tage in Quarantäne, konnte daher nicht laufen. Als ich wieder angefangen habe, waren die Schmerzen immer noch da.“ Ein MRT brachte Gewissheit, und nach den letzten kurzen, weil schmerzhaften, Läufen im Dezember musste sie pausieren.

Nun hat ihr der Arzt grünes Licht gegeben. „Es wird ein hartes Comeback“, sagt sie, während sie ihrem Laufpartner angekündigt: „Hier siehst du deinen Endgegner.“ Dabei deutet sie nach vorne, wo in weiter Entfernung das Sportgelände des TV Wasserlos zu sehen ist.

Nach Verletzung die Belastung langsam steigern

Jeden zweiten Tag will sie am Anfang laufen gehen, zwischen fünf und acht Kilometern. Die Belastung langsam steigern. „Wenn im Sommer wieder Wettkämpfe für mich möglich wären, wäre das toll. Lieber ein bisschen langsamer planen und wenn es früher klappt, ist es schön“, meint sie. Die Monate März und April möchte sie zum Neuaufbau nutzen und dann „wieder an meine alten 1500- und 3000-Meter-Zeiten anknüpfen und diese verbessern“.

Im Alzenauer Wald ist indes der Endgegner bezwungen. „Jetzt geht es nur noch einen oder eineinhalb Kilometer bergab“, ermutigt Nadja Heininger den schnaufenden HA-Redakteur.

Ihr eigenes Ziel: Wieder solche Momente erleben wie beim ersten Marathon 2019. „Ich wollte unter drei Stunden laufen. Dann wurde ich davor krank und konnte einige Tage nicht trainieren. Am Tag war es stürmisch und kalt. Da habe ich überlegt, ob ich es vielleicht langsamer angehen sollte und eine Zeit um die 3:05 anpeilen sollte.“ Doch die frühere Basketballerin erhielt unverhoffte Motivation. „Jemand, der mich eigentlich gar nicht kannte, meinte, dass ich 3:00 Stunden nicht schaffen würde. Das hat mich so gewurmt, dem wollte ich es zeigen“, erinnert sie sich. Es lief gut, doch „irgendwann habe ich Magenprobleme bekommen, musste zwei, dreimal stehen bleiben und mich auch übergeben. Die letzten zwei Kilometer waren unschön“. Als Nadja Heininger in die Frankfurter Festhalle lief, zeigte die Uhr 2:57 Stunden. „Das war der perfekte Lauf, trotz der Schlussphase. Da war ich in so einem Flow, den man sich als Läufer erträumt“, strahlt sie.

Eine quälende Zeit hat Nadja Heininger nun erst einmal hinter sich. Nach einem Moment des Luftschnappens wird sie gefragt, was es mit ihr mache, wenn sie verletzungsbedingt nicht laufen könne? „Das ist echt harte Schule. Da muss ich lernen mit umzugehen“, gibt sie zu. „Ich hatte letzten Sommer einen Muskelfaserriss. Das war schon ein halber Weltuntergang. Mir fehlt dann einfach meine Leidenschaft. Das ist ein tägliches Auf und Ab!“

Nach einer halben Stunde und knapp vier Kilometern ist die Laufrunde beendet. „Ich merke heute schon, dass etwas noch nicht passt“, lautet das Fazit des SSC-Neuzugangs. Dennoch kündigt sie zum Abschied an. „Ich werde jetzt noch mal vier Kilometer dranhängen. Momentan versuche ich aber, alles im Wohlfühlbereich zu machen.“ Dennoch wird sie die zweite Laufrunde des Tages ohne bremsenden Begleiter deutlich schneller abgespult haben.

Denn klar ist: „Nicht laufen zu können, wirkt sich schon sehr auf meine Laune aus.“ Die Zeit ohne Lauftraining ist für Nadja Heininger nun vorbei. Schon bald will sie sich im Trikot des SSC Hanau-Rodenbach über ihre ersten Bestzeiten freuen. (Von Thorsten Jung)

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