Augen zu und durch: Yannik Woiwod war bei der HSG Hanau am Freitagabend im Derby gegen seinen ehemaligen Klub SG Bruchköbel die treibende Kraft der Hausherren. Am Ende jubelte aber der Underdog aus Bruchköbel. Archivfoto: TAP

Hanau

3.Liga: Hanaus Woiwod spielt gegen Ex-Klub SGB wie entfesselt

Handball. Beim über die gesamte Spieldauer mitreißenden Drittliga-Derby zwischen der HSG Hanau und der SG Bruchköbel stand Yannik Woiwod besonders im Fokus.

Von Robert Giese

Der Kreisläufer der Hanauer, der in der vergangenen Saison noch für die SGB auflief, war gerade in der zweiten Halbzeit, als sich die Partie immer mehr zuspitzte, mitten im Getümmel. Unermüdlich ackerte Woiwod gegen seine ehemaligen Teamkollegen und sorgte mit dafür, dass das Derby bis zur Schlusssekunde auf Messers Schneide stand. Der Lohn für diese starke Leistung blieb ihm jedoch versagt – wie im Hinspiel verlor die HSG denkbar knapp mit einem Tor (26:27).

Woiwod zeigte eine seiner besten Leistungen seit seinem Wechsel nach Hanau im vergangenen Sommer und hatte großen Anteil daran, dass die HSG das Spiel fast doch noch drehen konnte: Alle seine fünf Tore erzielte der Kreisläufer in der zweiten Halbzeit, holte zudem mehrere Siebenmeter heraus und war neben Yaron Pillmann der Antreiber der Hausherren. „Gegen meinen alten Verein war ich sicher noch einmal zusätzlich motiviert“, kommentierte Woiwod seine starke Leistung, „ich hatte aber nach dem Hinspiel auch das Gefühl, dass bei mir damals noch etwas gefehlt hat – das wollte ich diesmal unbedingt besser machen.“

Verbessern wollte der Kreisläufer auch seine Wurfquote, denn in den vergangenen Spielen „wurde ich mehrmals gut freigespielt, bin dann aber am gegnerischen Torwart oder mir selbst gescheitert“, zeigte sich Woiwod selbstkritisch. Das machte die Nummer 4 der HSG im Derby deutlich besser, denn er war im Angriff ein ständiger Unruheherd, kämpfte um jeden Ball und verwertete auch schwierige Zuspiele mit traumwandlerischer Sicherheit. „Der Trainer hat mir das Vertrauen geschenkt und ich bin froh, dass ich es zurückzahlen konnte“, zeigte sich Woiwod zufrieden mit seiner Leistung.

Clinch mit Pjanic

Dabei machten es ihm seine ehemaligen Teamkollegen aus Bruchköbel alles andere als leicht und bearbeiteten ihn unablässig. „Gut möglich, dass mein Trikot nach dem Spiel eine Nummer größer war“, meinte Woiwod mit Blick auf die engagierte Abwehrarbeit der SGB. Besonders deutlich spürte der HSG-Kreisläufer das sieben Minuten vor Schluss, als er sich einen Abpraller sicherte und direkt danach von Aydin Günes gefällt wurde, der dafür die Rote Karte sah. „Das sah spektakulärer aus, als es war“, gab Woiwod Entwarnung, „ich hatte einfach die bessere Position und war früher am Ball, über die Rote Karte kann man streiten.“

Als sich in der Schlussphase die Stimmung auf dem Spielfeld immer weiter hoch schaukelte, war Woiwod weiter mittendrin und lieferte sich unter anderem einen heftigen Clinch mit Edi Pjanic, der für beide Spieler allerdings keine Folgen hatte. „Solche Reibereien gehören einfach dazu und machen so ein Derby ja auch aus“, wollte Woiwod die Szene nicht dramatisieren, „Edi ist einer meiner besten Freunde, nach dem Abpfiff war das sofort vergessen.“

Nicht vergessen war nach Abpfiff allerdings die Enttäuschung über die Niederlage bei Woiwod wie auch bei seinen Teamkollegen. „Wir wollten für unsere Fans und alle anderen in der HSG die Niederlage in Gelnhausen wiedergutmachen, aber das ist uns leider nicht gelungen“, war Woiwod wegen der zweiten Derby-Pleite in Folge merklich niedergeschlagen. Auf persönlicher Ebene freue es ihn allerdings für seine Freunde in Bruchköbel, die „richtig gut gespielt haben. In der Vergangenheit haben sie sich dafür häufig nicht belohnt, diesmal schon.“

Unter dem Strich habe die SGB im Derby mehr Siegeswillen gezeigt, glaubt Woiwod. „Bei denen wollten alle, da hatte jeder Blut in den Augen. Bei uns haben vielleicht zwei oder drei Prozent Herzblut gefehlt, vielleicht haben wir uns in der Favoritenrolle auch zu sicher gefühlt“, vermutet der HSG-Kreisläufer. Bei aller Enttäuschung über die Niederlage drückt Woiwod seinem alten Team nun die Daumen, dass sie die Klasse auch halten – und den Hanauern als Derbygegner erhalten bleiben. Nach zwei Niederlagen gegen seinen alten Verein in dieser Spielzeit klappt es für Woiwod dann vielleicht in der kommenden Saison mit dem Derbysieg gegen Bruchköbel.

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