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Kein Fußball bis Karfreitag: Für Trainer und Funktionäre im Fußballkreis Hanau ist die Unterbrechung der Saison alternativlos. Für Erlensees Trainer Tobias Heilmann sind aber manche Entscheidungen auch schwer nachzuvollziehen. Der Abteilungsleiter des FC Hanau 93, Giovanni Fallacara, fordert sogar, die Saison ganz abzusetzen.

Corona stoppt Spielbetrieb

Trainer aus der Region begrüßen die Unterbrechung der Saison und sorgen sich um Fortsetzung

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Die Coronavirus-Pandemie ist das derzeit vorherrschende Thema in den heimischen Fußballvereinen. Die Entscheidung des Hessischen Fußball-Verbandes, den Spielbetrieb bis einschließlich Karfreitag (10. April) flächendeckend im gesamten Bundesland ruhen zu lassen, löste am späten Freitagnachmittag in den Vereinen viele Diskussionen und Fragen aus.

Wie wurde die Entscheidung aufgenommen, wird die Empfehlung, auch den Trainingsbetrieb auszusetzen und vor allem, wie könnte es mit der aktuellen Saison weitergehen? Wir haben uns in den Vereinen umgehört.

Wolfram Rohleder (Trainer SG Marköbel) 

„Die Frage ist nicht, wie ich die Entscheidung finde, sondern wie erforderlich sie war. Die angeordnete Pause ist für mich total nachvollziehbar. In Bezug auf die Fortsetzung der Liga und den Saisonübergang wird es womöglich Lösungen geben, die nicht allen gerecht werden können. Hinsichtlich des ausgesetzten Trainingsbetriebs warten wir bei der SG Marköbel die weiteren Entwicklungen ab und bewerten die Lage dann neu.“

Christos Tsifnas (Trainer Germania Großkrotzenburg)

„Die Corona-Krise geht uns alle an und wir sind gefordert, damit die Verbreitung des Virus eingeschränkt wird. Der Trainingsbetrieb ist bei uns eingestellt und die Spieler sollen auch Besuche in Fitnessstudios meiden. Wie es weitergeht, ist schwer zu sagen, es gibt ja die unterschiedlichsten Prognosen. Ich bin gespannt, was sich der Hessische Fußball-Verband einfallen lässt.“

Tobias Heilmann (Trainer 1. FC Erlensee)

„In Deutschland sind viele Entscheidungen immer schwammig. Es ist schwer nachzuvollziehen, weshalb man nicht mehr in kleinen Gruppen trainieren soll, aber Kinder noch in vollbesetzten Bussen in die Schule gebracht wurden, oder Diskotheken geöffnet bleiben. Ob der Spielbetrieb weitergeführt wird, hängt von der Dynamik der Entwicklung ab. Geht es direkt an Ostern weiter, stehen viele Sportler vor einem Kaltstart. Wir verlassen uns auf die Vorgaben der Behörden und haben den Trainingsbetrieb ausgesetzt und den Spielern empfohlen, sich individuell fit zu halten.“

Claus Schäfer (Trainer SG Bruchköbel)

„Grundsätzlich habe ich diese Entscheidung erwartet. Es geht um Disziplin und Vernunft. Soziale Kontakte sollen eingedämmt werden. So wichtig kann der Fußball nicht sein. Trainer, die jetzt noch in Gruppen den Trainingsbetrieb aufrechterhalten, haben nichts verstanden.“

Patrick Falk (Trainer Spvgg. 1910 Langenselbold)

„Bei jedem Spiel in der Bundesliga oder der Champions League, das unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet, sind mehr Personen vor Ort als bei einem normalen Amateurfußballspiel. Unabhängig davon halt ich die Entscheidung des Verbands für richtig.“

Giovanni Fallacara (Abteilungsleiter FC Hanau 93)

„Ich bin beruflich voll in diesem Thema drin und wenn das Robert-Koch-Institut mitteilt, dass die Pandemie sich nicht aufhalten lässt, sondern wir nur, wie zurzeit von der Bundesregierung perfekt vorangetrieben, die Verbreitung eindämmen können, dann frage ich mich, wie es denn Mitte Mai aussieht. Die Italiener sperren ihr gesamtes Land bis Anfang April und wir tun so, als sei bei uns da alles vorbei. Nein, es geht ja erst los. Meine Meinung: Dieser Ligabetrieb kann niemals zu Ende gespielt werden. Die Vereine hängen in der Luft und bleiben auf der Strecke. Was sollen wir denn in der Zeit ohne Einnahmen machen? Die Amateurverträge laufen ja weiter, weil die Saison nicht beendet ist. Man sollte die Saison absetzen und irgendwann ohne Auf- und Absteiger neu beginnen.“ 

Jochen Breideband (Trainer Germania Niederrodenbach)

„Es ist die einzig richtige Entscheidung. Wir haben neben dem Spiel- auch den kompletten Trainingsbetrieb mit sofortiger Wirkung eingestellt. Wir haben bereits zwei bestätigte Corona-Fälle im Verein. Jeder muss sich jetzt seiner Verantwortung bewusst sein. Wir müssen alle helfen, Risikogruppen bestmöglich zu unterstützen und das Gesundheitssystem soweit es geht zu entlasten. Wer anders handelt, ist ignorant, rücksichtslos und egoistisch. Wir haben als Trainer mit unserer Mannschaft eine Videokonferenz gemacht, in der wir die Spieler informiert, sie zu verantwortungsvollem Handeln angehalten und alle aktuellen Fragen beantwortet haben. Der Verein hat ein aktuelles Schreiben an alle Mitglieder verschickt. 

Die Auswirkungen für den Vereinsfußball sind noch gar nicht in vollem Ausmaß abzusehen. Aber Fußball spielt jetzt auch nicht die Hauptrolle in einer Ausnahmesituation wie dieser. Wir alle hoffen natürlich, dass so bald wie möglich wieder Normalität einkehren kann, doch ich befürchte aufgrund der jüngsten Entwicklungen befürchte eher ein vorzeitiges Ende der Saison. Die Herausforderungen, die vor uns liegen, sind gewaltig – auch für den organisierten Sport. Umso schöner wird es sein, wenn der Ball wieder normal rollen kann.“

Andreas Jäger (Trainer Eintracht Oberrodenbach)

„Ich begrüße die Entscheidung des Verbandes ausdrücklich. Es gibt einfach Situationen im Leben, die viel wichtiger sind als Fußball. Die ganze Welt ist im Ausnahmezustand, da wäre es absurd, wenn wir so tun würden, als sei nichts geschehen und Sonntag für Sonntag Fußball spielen. Das Virus macht ja nicht vor der Anzahl der Zuschauer halt, sondern kann jeden auf dem Sportplatz treffen. Insofern volle Unterstützung für den Verband. Wie es weitergeht, hängt maßgeblich davon ab, wann der Spielbetrieb wieder aufgenommen wird. Sollte es nach Ostern weitergehen, kann ich mir eine Verlängerung der Saison in den Juni rein mit ein bis zwei englischen Wochen vorstellen. Sollte es länger dauern, macht wohl nur ein Abbruch der Saison Sinn. Die Bewertung über Auf- und Abstieg obliegt mir nicht. Wir gehen in Oberrodenbach so damit um, wie es von allen gefordert wird und halten uns an die Anweisungen. Heißt: kein Training und das Minimieren der sozialen Kontakte.“

Okan Sari (Sportlicher Leiter des SC 1960 Hanau)

„Das war abzusehen, inwieweit das die richtige Entscheidung ist, vermag ich nicht zu sagen. Wir haben am Freitag eine Vorstandssitzung, bei der wir Lösungsvorschläge besprechen werden. Wir sind als Verein gut aufgestellt, bei uns ist das Finanzielle jetzt nicht im Fokus. Uns geht es um die Gesundheit der Spieler.“

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