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Debüt im Club-Tor endete schmerzhaft: Weil sich zwei andere Keeper verletzt hatten, stand Patric Klandt Ende Oktober im Pokalspiel beim 1. FC Kaiserslautern nach über einem Jahr erstmals in einem Pflichtspiel für den 1. FC Nürnberg auf dem Platz. Kurz vor dem Ende der Verlängerung verletzte sich der 36-Jährige schwer.

Torhüter kämpft sich zurück

Früherer Kesselstädter Patric Klandt will nach Achillessehnenriss zurück ins Nürnberger Tor

Patric Klandt spielte früher in der Jugend des VfR Kesselstadt, mittlerweile kann er auf über 200 Profispiele zurückblicken. Seit er beim Zweitligisten FC Nürnberg spielt, ist er allerdings vom Verletzungspech verfolgt.

Als Patric Klandt im Sommer 2018 das Angebot des 1. FC Nürnberg auf dem Tisch hatte, musste der gebürtige Frankfurter nicht lange überlegen. Er war nach 16 Jahren im Profi-Geschäft vereinslos. Beim Club suchten sie einen erfahrenen Torhüter, der sich hinter Fabian Bredlow und dessen Herausforderer Christian Mathenia anstellte, ohne zu murren. Nach einer beispiellosen Verletzungsmisere beim fränkischen Traditionsverein stieg Patric Klandt im Herbst 2019 überraschend zur Nummer eins auf – allerdings nur für 117 Spielminuten.

Unglaubliches Pech: Achillessehnenriss im Debüt

Dann riss beim 36-Jährigen am 30. Oktober 2019 im Pokalspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern in der Verlängerung die Achillessehne. „Es geht mir sehr gut, ich mache sehr gute Fortschritte“, erzählt er rund fünf Monate später: „Ich gehe schon langsam in die Belastung. Auf den Platz zurück kann ich aber noch nicht.“ Seine Rehamaßnahmen absolviert der Familienvater in der Nähe seiner Heimat.

Den Bezug zu Frankfurt lebt er. Seine Frau Jasmin brachte dort vor eineinhalb Jahren Sohn Liam zur Welt. Seinen behandelnden Physiotherapeuten, der bereits den Großauheimer Marco Russ von der Eintracht mit der selben Blessur erfolgreich zu einem Comeback verhalf, kennt er noch aus Zeiten beim FSV Frankfurt.

Beim FSV Frankfurt zur Legende geworden

Bei den Hessen genoss er Heldenstatus. Rückblickend war es wohl die erfolgreichste Zeit seiner Karriere. „Alles hatte seine schönen Seiten“, will er eigentlich keinen Verein hervorheben. Um den FSV kommt er in seinem Rückblick jedoch nicht herum. „Klar, ich war dort siebeneinhalb Jahre, war Stammtorhüter und habe 230 Spiele in der 2. Liga gemacht. Aber auch der Aufstieg mit dem SC Freiburg in die Bundesliga war eine schöne Zeit.“

Von dort war er im Sommer, nachdem sein Vertrag ausgelaufen war, kurz entschlossen nach Nürnberg gewechselt. Er sollte das Backup hinter Bredlow und Mathenia bilden. „So wurde es vereinbart. Die Rolle hatte ich so auch angenommen.“ Als sich Bredlow ein Jahr später zum Zweitligisten VfB Stuttgart verabschiedete, sei ihm in Aussicht gestellt worden, dass er zur Nummer zwei hinter Mathenia aufsteigen würde.

Nürnberg setzt Klandt weiteren Torhüter vor die Nase

Klandt verlängerte mit dieser Perspektive seinen Vertrag um zwei Jahre bis 2021. Doch es kam anders. Der Club verpflichtete überraschend Andreas Lukse als neuen Herausforderer für Mathenia, Klandt blieb doch nur die Nummer drei. „Es war sehr ärgerlich für mich. Am Ende musste ich aber damit leben.“ Wirklich verwundert, dass sich im Profigeschäft nicht immer an Absprachen gehalten wird, war Klandt nicht. Lukse war ein Wunschspieler des inzwischen wieder entlassenen Trainers Damir Canadi gewesen. Die beiden kannten sich aus gemeinsamen Zeiten in Österreich beim SCR Altach.

Obwohl es nun so schien, als würde Klandts Karriere beim Zweitligisten langsam ausklingen, erlebte sie doch noch ein paar unerwartete Wendungen. Auch weil der Club von einer beispiellosen Verletzungsmisere auf der Torhüterposition heimgesucht wurde, sich erst Mathenia, dann Lukse und nach Klandt sogar noch der kurzfristig nachverpflichtete Felix Dornebusch nach nur fünf Einsätzen schwerer verletzte.

Nach 117 Spielminuten "knallte es aus dem Nichts"

Am 30. Oktober 2019 im DFB-Pokal gegen den 1. FC Kaiserslautern schlug die Stunde von Patric Klandt. „Ich denke, ich habe ein ordentliches Spiel gemacht, und gezeigt, dass man sich auf mich auch verlassen kann“, erinnert er sich an die 117 Minuten, die ihm bleiben sollten. Dann knallte es wie aus dem Nichts. „Ich hatte plötzlich keinen Halt mehr. Ich habe zuerst gedacht, dass ich mir den Fuß gebrochen habe.“

Klandt wollte ihn vom Mannschaftsarzt tapen lassen und weiterspielen. „Doch dann konnte ich gar nicht mehr auftreten. Schmerzen hatte ich aber keine.“ Nach 16 Jahren im Profifußball stand über Nacht das Karriereende im Raum. Auch die Medien spekulierten darüber. Sämtliche Zweifel konnte auch Klandt nicht immer von sich fernhalten. Er dachte selbst ans Aufhören: „Klar, in der ersten Wochen war ich schon sehr down. Es war meine erste große Verletzung. Ich hatte sowas ja noch nie. Deshalb dachte ich in dem Moment schon auch, dass es mein Karriereende sein könnte.“ Doch nach ein paar Tagen wich die Angst der Zuversicht. „Dass sich die Leute Gedanken gemacht haben, war legitim. Aber ich habe schon noch Lust und so wie es läuft, bin ich sehr motiviert und zuversichtlich.“

Lange Jahre von Verletzungen verschont geblieben

Klandt konzentriert sich wieder ausschließlich auf sein Comeback. Die OP war gut verlaufen, die Schwellung ging schnell zurück. So wurde alles wieder positiver. „Wenn es geht, versuch's, wenn nicht, dann höre auf“, sagten ihm Freunde und Familie immer wieder. Eine Innenbanddehnung im Knie war bis dahin das Schlimmste, was Klandt erleiden musste.

Im April wird er das zweite Mal Vater. Wieder soll der Sohn in Frankfurt zur Welt kommen. Vielleicht tritt einer seiner Jungs einmal in seine Fußstapfen und findet Gefallen am Kicken. So wie Patric Klandt einst beim VfR Kesselstadt. An seine Erlebnisse in Hanau, wo er von der C-Jugend ab vier Jahre gespielt hatte, erinnert er sich gerne zurück. „Es war eine sehr erfolgreiche Zeit, wir hatten eine sehr gute Jugendmannschaft und einmal im Pokal sogar Eintracht Frankfurt geschlagen.“

Klandt will bald zurück ins Mannschaftstraining

Eine schöne Pokalerinnerung. In einem Pokalspiel auf dem Lauterer Betzenberg erlebte er nun den schlimmsten Rückschlag seiner Karriere. Klandt hat weiterhin konkrete Pläne und möchte noch auf hohem sportlichen Niveau aktiv sein. Zur Sommervorbereitung will er beim Club wieder ins Mannschaftstraining einsteigen und noch einmal angreifen.

Ein zweites Standbein als gelernter Kfz-Mechaniker hatte er sich zwar schon zu Beginn seiner Karriere aufgebaut. Doch darauf wird er in Zukunft nicht wirklich stehen können. „Ich glaube, das wäre schwierig. Heutzutage ist ja ‧alles nur noch elektronisch machbar. Repariert wird ja fast gar nichts mehr. Aber vor einer Woche habe ich bei meinem Opa eine Scheinwerferbirne gewechselt, das hat sogar Spaß gemacht.“ Nach der Karriere als Profi könnte er sich eine Karriere als Torwarttrainer vorstellen. Doch bis dahin gilt: „Wenn alles hält und alles gut läuft, werde ich noch nicht aufhören.“


Von Stefan Jablonka

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