HSV-Profi mit falscher Identität?

Hilfe für Bakery Jatta: Starkes Fan-Statement - „eklige Kampagne“ gegen HSV-Spieler

  • Christian Domke Seidel
    vonChristian Domke Seidel
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  • Yannick Hanke
    Yannick Hanke
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Die HSV-Fans haben ihre Unterstützung für Bakery Jatta öffentlich gemacht. Die Staatsanwaltschaft hatte dessen Wohnung durchsucht, weil der Verdacht besteht, er könnte gegen das Aufenthaltsgesetz verstoßen haben. 

  • Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Bakery Jatta*.
  • HSV*-Profi soll falsche Identität vorgetäuscht haben. Ermittler beschlagnahmen Handy und Laptop.
  • HSV-Fans stellen sich bedingungslos hinter den 22-Jährigen.

Update vom Freitag, 10. Juli 2020, 14:50 Uhr: Hamburg - Mit einem starken, öffentlichen Statement haben die HSV-Fans der Nordtribüne am Freitag, 10. Juli 2020, ihre Unterstützung für Bakery Jatta erklärt. Gleichzeitig warfen sie einige Fragen bezüglich einer möglichen Zusammenarbeit der Polizei Hamburg mit der „Bild“-Zeitung auf*. Der Hamburger SV hat sich bislang zu dem Fall noch nicht geäußert.

Fußballspieler:Bakery Jatta
Geboren:6. Juni 1998 (Alter 22 Jahre), Gambia
Größe:1,84 m
Gewicht:79 kg
Beitrittsdatum:2016 (Hamburger SV)
Aktuelle Teams:Hamburger SV (#18 / Mittelfeld), u.v.m.

Hamburger SV: HSV-Fans der Nordtribüne erklären Unterstützung für Bakery Jatta

Die Fans der Hamburger Nordtribüne haben ihre Unterstützung für Bakery Jatta erklärt: „Bakery – not matter what, we got your back!“ Also: „Bakery, was immer auch passiert, wir stehen zu dir!“ In dem Schreiben gehen die Fans sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die „Bild“-Zeitung hart an.

Bakery Jatta ist wieder Ziel der Staatsanwaltschaft. Die Fans stellen sich hinter den HSV-Spieler.

So wird die Frage aufgeworfen, wie es sein könne, dass bereits zum Startzeitpunkt der Hausdurchsuchung ein Reporter der Boulevard-Zeitung anwesend sein und sensible Daten sammeln konnte. „Allzu verwunderlich ist dieser Vorgang und die damit verbundene Einstellung nicht. Die ganze abgelaufene Saison über wurde in der BILD stets Jattas angeblich ‚richtiger‘ Name Daffeh in Verbindung mit seiner Person gebracht, wenn es um die Berichterstattung rein sportlicher Leistungen ging“, heißt es in dem Schreiben weiter.

Bakery Jatta: „Eklige Kampagne“ für Exklusivbericht - Fans der Nordtribüne des Hamburger SV solidarisieren sich mit HSV-Spieler

An die Staatsanwaltschaft wird die Frage gerichtet, „warum die Polizei einem einzelnen Pressevertreter der Zeitung, die diese eklige Kampagne überhaupt erst gestartet und dabei Menschen vorverurteilt und stigmatisiert hat, einen Exklusivbericht ermöglicht.“

Von möglichen Ergebnissen der Untersuchung zeigen sich die HSV-Fans schon im Vorhinein unbeeindruckt: „Unabhängig von der hier komplett ignorierten Unschuldsvermutung, spielt es für uns jedoch keine Rolle, ob Bakery bei seiner Flucht aus Gambia im Jahre 2015 17 Jahre alt war, oder doch bereits volljährig. Ein Mensch, der durch die Sahara und über das Mittelmeer flüchtet, tut dies garantiert nicht aus der Absicht heraus, deutsche Behörden zu überlisten und Profifußballer zu werden. Tagtäglich ertrinken Menschen mit ähnlichen Schicksalen wie dem von Bakery oder werden von Grenzbeamten misshandelt und gefoltert. Das ist der wahre Skandal.“

HSV-Hammer: Hamburger Staatsanwaltschaft stürmt Bude von Rothosen-Kicker Bakery Jatta

Erstmeldung vom Donnerstag, 2. Juli 2020, 14:34 Uhr: Hamburg – Droht HSV-Star Bakery Jatta mächtig Ärger? Am Donnerstag, 2. Juli 2020 kam es zu einer Hausdurchsuchung in den vier Wänden des 22-jährigen Fußballprofis. Der Offensivkraft der Rothosen wird vonseiten der Staatsanwaltschaft Hamburg vorgeworfen, gegen das Aufenthaltsgesetz verstoßen zu haben. Ein Fall, der die Justizbehörden seit rund einem Jahr beschäftigt und der nun neu aufgerollt werden könnte.

Hamburger SV: Hausdurchsuchung bei HSV-Profi Bakery Jatta – Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Verstößte gegen das Aufenthaltgesetz

HSV-Mittelfeldspieler Bakery Jatta im Visier der Hamburger Staatsanwaltschaft.

Nach Informationen der „Bild“-Zeitung (hinter Bezahlschranke) begann am 2. Juli 2020 um 9:20 Uhr eine Hausdurchsuchung in Jattas Wohnung in Hamburg*. Die Ermittler wollen elektronische Datenträger wie Computer und Handys als mögliche Beweismittel sichern. Dazu heißt es von Nana Frombach, Sprecherin der Staatsanwaltschaft: „Dem Beschuldigten wird ein Verstoß gegen das Aufenthaltsgesetz vorgeworfen. Es besteht der Verdacht, dass er unrichtige Angaben gemacht haben könnte, um einen Aufenthaltstitel zu erhalten. Bislang gibt es nur einen konkretisierten Anfangsverdacht, die Durchsuchung dient der weiteren Aufklärung“.

Zum Hintergrund: Im August 2019 hatte die „Sport Bild“ enthüllt, dass Bakery Jatta unter einer falschen Identität für den Hamburger SV auflaufen würde. Er soll frappierende Ähnlichkeiten mit dem gambischen Fußballspieler Bakary Daffeh aufweisen, der zwei Jahre älter als der Rothosen-Kicker ist. Oder handelt es sich gar um ein und dieselbe Person? Diese Vermutung steht seit Sommer 2019 im Raum, konnte bis dato aber nicht verifiziert werden.

Getrübte Miene: HSV-Profi Bakery Jatta musste sich bereits im August 2019 vor dem DFB-Gericht aufgrund seiner vermeintlich falschen Identität verantworten. Droht nun Wiederholung? (Archivbild)

Auch die ehemaligen Trainer Jattas, Ibou Diarra und Mustapha Manneh, behaupten, dass es sich bei dem 22-Jährigen um eine gänzlich andere Person handele. Hinzukommt, dass seit Jattas Auftauchen in Deutschland Bakary Daffeh nicht mehr auffindbar ist. Weder der „Bild“ noch der „Sport Bild“ hat der Hamburger Fußballprofi Rede und Antwort stehen wollen und Aussagen hinsichtlich der Vorwürfe strikt verweigert.

Via Social Media beklagte Jatta eine „Hexenjagd“ und eine „Hetzkampagne“*. Der Hamburger SV wiederum stellte sich in Person von Trainer Dieter Hecking*, Sportvorstand Jonas Boldt und Präsident Marcell Jansen* schützend vor seinem Spieler. Vehement verwies der Verein von der Elbe* auf einen gültigen Reisepass und eine Aufenthaltsgenehmigung auf den Namen Jatta. Zudem reichte dieser einen Auszug aus dem Geburtsregister nach.

Hamburger SV: Bakery Jatta mit falscher Identität? HSV-Flügelflitzer soll regelwidrig gespielt haben

Nun werden erneut Gerüchte aufkommen, ob Kapitän Aaron Hunt*, Mittelfeld-Motor Adrian Fein*, Finnen-Bomber Joel Pohjanpalo* und Co mit einem Betrüger zusammengespielt haben. Der Kicker aus Gambia war 2015 nach Deutschland geflüchtet und fand ein neues Zuhause zunächst in der Hansestadt Bremen*. Es kam zum Probetraining beim dortigen Profiverein, dem SV Werder Bremen*. Jatta hatte sogar das Angebot für einen Vorvertrag vorliegen, lehnte diesen jedoch ab.

Der damals angeblich erst 17 Jahre alter Afrikaner hätte ein festes Arbeitsverhältnis benötigt, um einen Aufenthaltstitel zu erhalten, der mit Beginn der Volljährigkeit in Kraft tritt. Daraufhin stellte sich Jatta beim Hamburger SV vor und absolvierte ebenfalls ein Probetraining. Letztendlich konnte der Shooting-Star die HSV-Verantwortlichen von sich überzeugen, erhielt einen festen Vertrag - und durfte in Deutschland bleiben.

Durch die „Sport Bild“-Recherchen, die am 7. August 2019 veröffentlicht wurden, sahen sich Spieler und Verein einem großen medialen Druck ausgesetzt. Sowohl der 1. FC Nürnberg als auch der VfL Bochum und der Karlsruher SC legten Einspruch gegen ihre Niederlagen gegen den HSV ein. In allen drei Partien war Jatta zum Einsatz gekommen. Die Vereinsvertreter argumentierten, dass dies nicht regelkonform sei, da die Spielberechtigung des Flügelspielers aufgrund seiner unklaren Identität nicht wirksam sei.

Die Ermittlungen gegen Jatta wurden am 2. September 2019 vom Bezirksamt Hamburg-Mitte eingestellt, da aus den vorliegenden Unterlagen keine belastbaren Anhaltspunkte hervorgingen. Daraufhin zogen die genannten Klubs ihre Einsprüche zurück. Dies könnte jedoch erneut ein Thema beim Verein der Hamburger Legende Uwe Seeler* werden, wenn die Hausdurchsuchung kompromittierendes Material zu Tage fördern sollte.

Hamburger SV: Fußball-Zweitligist kommt nicht zur Ruhe – Ärger um Sponsor „Emirates“, Jatta und Investor Kühne

Gewiss ist bereits, dass der Hamburger SV weiterhin nicht zur Ruhe kommt. Nachdem die Rothosen durch eine desolate 1:5-Niederlage gegen Sandhausen* die kleine Restchance auf Relegationsplatz drei und damit auch den Aufstieg verspielt hatten, gab es auf Twitter ordentlich Dresche für den HSV*. Darüber weiß 24hamburg.de-HSV zu berichten.

Kurz darauf wurde bekannt, dass die Hansestädter ihren Hauptsponsor „Emirates" verlieren*. Zudem soll Investor Klaus-Michael Kühne vor dem Absprung stehen – außerdem flüchten diverse Söldner-Spieler, der HSV-Nachwuchs soll den Verein spielerisch retten. Nun könnte erneuter Ärger rund um den vermeintlichen Bakery Jatta hinzukommen. * 24hamburg.de, deichstube, fr.de und nordbuzz.desind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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