An ihm ist nicht so leicht vorbei zu kommen: Makoto Hasebe(re.), hier gegen Luca Waldschmidt vom SC Freiburg. afp
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An ihm ist nicht so leicht vorbei zu kommen: Makoto Hasebe(re.), hier gegen Luca Waldschmidt vom SC Freiburg.

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Makoto Hasebe: Der Stabilisator bei Eintracht Frankfurt

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Mit der Rückkehr von Makoto Hasebe ins Team verbindet man in Frankfurt die Hoffnung auf mehr Struktur im Spiel und Halt in der Abwehr. Das ist auch dringend nötig.

  • Eintracht Frankfurt zu Gast beim VfL Wolfsburg
  • Makoto Hasebe hat in seiner langen Laufbahn viel erlebt – auch mit den Wölfen
  • In der Krise von Eintracht Frankfurt muss es der Routinier wieder richten

Frankfurt - Makoto Hasebe, der am Dienstag gegen den SC Freiburg seiner Mannschaft wenigstens einen Teil ihrer verloren gegangenen Stabilität zurückgegeben hat, hat in seiner langen Laufbahn vieles erlebt. Im Grunde alles, was ein Fußballprofi erleben kann: Er hat an (vier) Weltmeisterschaften teilgenommen, ist Deutscher Meister geworden (mit dem VfL Wolfsburg), Japanischer Meister (mit Urawa Red Diamonds) und Deutscher Pokalsieger (mit Eintracht Frankfurt). 

Er ist abgestiegen (mit dem 1. FC Nürnberg) und er hat die Relegation gewonnen (mit der Eintracht), international war er überall auf der Welt unterwegs, Champions League hat er gespielt und Europa League und in 114 Länderpartien für Nippon. Er hat im defensiven Mittelfeld gespielt, auf der Sechs, er hat den Libero gegeben und den rechten Verteidiger, und einmal stand er kurz auch im Tor (2011 war das, als der Wolfsburger Torhüter Marwin Hitz vom Platz gestellt wurde).

Makoto Hasebe wird nach seiner Karriere Markenbotschafter für Eintracht Frankfurt

Er wird nach seiner Karriere Markenbotschafter für Eintracht Frankfurt und in absehbarer Zeit der Spieler aus Asien sein, der die meisten Bundesligaspiele absolviert hat: Noch führt Bum-kun Cha, einst für die Eintracht, Bayer Leverkusen und Darmstadt 98 am Ball, diese Liste an, mit 308 Spielen. Hasebe, 36, ist ihm aber hart auf den Fersen. Der Japaner, seit 2002 Profi und seit Januar 2008 in der Bundesliga aktiv, kommt bislang auf 306 Begegnungen. In dieser Saison sind ja noch ein paar nicht ganz unwichtige Begegnungen zu absolvieren. Und womöglich 34 weitere in der nächsten Saison, der alte Hase hat ja kürzlich seinen Vertrag bei den Hessen um ein weiteres Jährchen verlängert. So ganz sicher ist das dummerweise aber nicht.

Dazu müsste Eintracht Frankfurt zwingend die Klasse halten. Das ist nach einer schon relativ lange anhaltenden Durststrecke von sechs sieglosen Bundesligapartien (bei einem Punkt und 7:21 Toren) sowie mittlerweile nur noch zwei Zählern Vorsprung auf den Relegationsplatz mittlerweile schwieriger geworden. Selbst drei Tage nach dem wilden 3:3 gegen Freiburg wissen sie in Frankfurt ja immer noch nicht, wie dieses Spiel so richtig einzuordnen ist. Ein Sieg, so viel steht allemal fest, hätte ein wenig für Ruhe sorgen können, selbst wenn er sicherlich kein „Befreiungsschlag“ (Adi Hütter) gewesen wäre.

Eintracht Frankfurt muss in 22 Tagen sieben Spiele absolvieren

Es geht weiterhin Schlag auf Schlag für Eintracht Frankfurt, in den nächsten 22 Tagen haben die Hessen sieben Spiele zu absolvieren, inklusive Nachholspiel und Pokalhalbfinale, eine Menge Holz, alle drei Tage eine Partie. Es kann also schnell nach oben und nach unten gehen, mit jedem verlorenen Punkt steigt der Druck. Am morgigen Samstag müssen die Frankfurter zum VfL Wolfsburg, ein Team, gegen das sich die Eintracht zuletzt immer schwer getan hat. Für Makoto Hasebe ist es zudem eine Rückkehr in lange zurückliegende Zeiten. Wolfsburg war seine erste Station in Europa, unter Felix Magath ist der junge Hase als rechtes Glied in einem Vierermittelfeld 2009 Deutscher Meister geworden. Und der als „Quälix“ verschrieene Coach hat über Hasebe damals lobend geurteilt, er sei ein Spieler, der „andere gut aussehen lässt“. Damals war Hasebe gerade 25 Jahre alt.

Aber gut lässt er die anderen auch heute noch aussehen, der mittlerweile 36-Jährige. Mit seiner Rückkehr ins Team und in eine Dreierkette verbindet sich die große Hoffnung, dass mit ihm wieder mehr Struktur und Klarheit ins wirre Frankfurter Spiel gelangt. Die Umstellung auf eine Viererkette, die Trainer Hütter zur Behebung der Herbstkrise initiiert hatte, hatte Hasebe den Stammplatz gekostet. Seitdem kam er meist nur von der Bank, ein Verzicht, den sich Eintracht Frankfurt im Grunde nicht leisten konnte.

In der aktuellen Krise von Eintracht Frankfurt muss es ein Routinier richten

In der aktuellen Krise soll und muss es der Routinier wieder richten. Die Fähigkeiten dazu hat er zweifellos, er ist der Stratege, der Denker, er weiß, wie kein anderer in der Mannschaft, wie das Spiel funktioniert. An ihm können sich die Mitspieler orientieren, er kann der brüchig gewordenen Abwehr Halt geben. Oft genug steht der Mann, der über so viel Erfahrung verfügt, einfach auch nur an der richtigen Stelle, und er hat das Auge für die Situation. Er koordiniert den Spielaufbau, ist der beste Passgeber. Klar, in dieser Saison spielt er nicht mehr so überragend wie in der vergangenen Spielzeiten, aber er gehört immer noch zu den deutlich besseren in einem verunsicherten Team.

In Wolfsburg, wo Eintracht Frankfurt in den letzten sechs Jahren nur einmal gewonnen hat, wird Hasebe darauf hoffen müssen, auf den zuletzt zweimal fehlenden Kapitän David Abraham setzen zu können. Sein Vertreter in der Innenverteidigung, Stefan Ilsanker, wird wegen der fünften Gelben Karte aussetzen.

Von Thomas Kilchenstein