DFB-Präsident Fritz Keller.
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DFB-Präsident Fritz Keller.

Auf Konferenz in Potsdam

DFB-Knall: Präsident Fritz Keller muss vors Sportgericht - Landesverbände entziehen ihm Vertrauen

  • Hannes Niemeyer
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Der Fall des DFB-Präsidenten Fritz Keller geht in die nächste Instanz. Nun soll das Sportgericht entscheiden.

Update vom 3. Mai: Der Fall des DFB-Präsidenten Fritz Keller geht in die nächste Instanz. Die Ethikkommission des DFB bringt den Fall nun vor das verbandsinterne Sportgericht. In einer Mitteilung des DFB hieß es am Montag: Die Kommission habe über Kellers „Freisler-Äußerung“ beraten und „das Ergebnis (...) dem Sportgericht zur Entscheidung vorgelegt“.

Auch zwei Anträge gegen den DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius wurden demnach beraten: „Es handelt sich dabei zum einen um die Umstände und die Verfahrensweise im Zusammenhang mit der fristlosen Kündigung des Büroleiters von Herrn Keller. Zum anderen handelt es sich um die Weitergabe eines Schreibens von Herrn Keller (...) durch Herrn Dr. Curtius an den Medienberater Kurt Diekmann.“ Die Ergebnisse seien „dem DFB als Arbeitgeber des Generalsekretärs zur Entscheidung vorgelegt“ worden.

Keller hatte den Vizepräsidenten Rainer Koch in einer Sitzung Medienberichten zufolge mit dem berüchtigten Nazi-Richter Roland Freisler verglichen.

DFB-Paukenschlag! Landesverbände entziehen Präsident Keller das Vertrauen - und fordern Rücktritt

Erstmeldung vom 2. Mai: Potsdam - Paukenschlag beim DFB*! Die Präsidenten der Landes- und Regionalverbände haben auf der außerordentlichen Konferenz am Wochenende Präsident Fritz Keller* das Vertrauen entzogen. Keller wird aufgefordert, von seinem Amt zurückzutreten. Das gab der DFB am Sonntagmittag in einer Mitteilung bekannt.

Ebenfalls hat die Konferenz dem Generalsekretär Dr. Friedrich Curtius das Vertrauen entzogen. Zudem gab der DFB bekannt, dass man sich gegen einen außerordentlichen Bundestag ausgesprochen habe. In den vergangenen Tagen war der Druck auf den DFB in der Außendarstellung besonders der Führungsetage massiv gestiegen. Keller (64) hatte Vizepräsident Rainer Koch in einer Präsidiumssitzung als „Freisler“ bezeichnet, somit einen Vergleich zu Roland Freisler, Vorsitzender des Volksgerichtshofes im Nationalsozialismus gezogen. Der Präsident hatte bereits um Verzeihung geben und kämpfte mit einem Brief um sein Amt*. Die Entscheidung der Landes- und Regionalverbände ist allerdings mehr als eindeutig.

DFB-Präsident Fritz Keller zum Rücktritt aufgefordert - deutliches Abstimmungsergebnis

„Die Konferenz der Präsidenten der Regional- und Landesverbände entzieht DFB-Präsident Fritz Keller angesichts seines Vergleichs des 1. Vizepräsidenten Dr. Rainer Koch mit dem Nazi-Richter Roland Freisler das Vertrauen. Zur Abwendung weiteren Schadens vom Verband fordert die Konferenz den Präsidenten auf, von seinem Amt zurückzutreten“, heißt es im Statement auf der DFB-Website im Wortlaut. 26 Mal sei mit ja, nur neun Mal mit nein gestimmt worden sein. Es habe zwei Enthaltungen gegeben. Vizepräsident Koch und auch Schatzmeister Stephan Osnabrügge habe man hingegen das Vertrauen in einer geheimen Abstimmung ausgesprochen.

Die Äußerung, die Keller gegenüber Koch getätigt habe, sei laut Statement „völlig inakzeptabel und macht uns fassungslos. Sie wird auf das Schärfste verurteilt“. Man stehe als DFB für eine demokratische, tolerante und vielfältige Gesellschaft. Deshalb sei der verbale Ausfall von Keller „mit den Grundsätzen und Werten der Verbände nicht vereinbar“. Keller und Curtius wollten sich nach DFB-angaben zunächst nicht unmittelbar nach der Konferenz äußern und haben um Bedenkzeit gebeten.

DFB: Ärger um Präsident Fritz Keller - massive Kritik auch aus der Bundesliga

Der Fall schlug zuletzt hohe Wellen. Wie der Spiegel berichtete, habe Generalsekretär Curtius den Vorfall gar bei der Ethikkommission des Verbandes angezeigt. Auch aus der Bundesliga* kam massive Kritik. „Ich glaube, wir sind uns alle einig, dass so etwas nicht geht. Für mich war das sehr befremdlich. Aber es passt leider ins Bild, das der Deutsche Fußball-Bund seit einiger Zeit abgibt“, sagte etwa Max Eberl, Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach* der Welt am Sonntag. Der 47-Jährige würde einen personellen Umbruch an der Verbandsspitze begrüßen. Er wünsche sich „endlich mal Ruhe“ sowie, „dass wir ein unbeflecktes Bild und Leute beim DFB hätten, die anpacken und die für Authentizität, Geradlinigkeit und Verlässlichkeit stehen, die frohen Mutes und positiv sind. Momentan können wir keinen Schritt nach vorn gehen, sondern nur nach links oder rechts, weil wir mit Makeln behaftet sind“. (han/SID) tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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