Zeichnen und Schreiben mit einem humorvollen Blick auf seine Umwelt: Der Autor und Maler Norbert Kröger aus Büdesheim hat sein neues Buch "Äbbelwoi un Schlimmeres" vorgestellt. Foto: Mirjam Fritzsche

Schöneck

Vorsicht, Satire: Autor Norbert Kröger spießt das Leben auf

Schöneck. Norbert Kröger steht schon in der Tür. „Sie haben mich gefunden. Die Paketboten sind jahrelang an uns vorbeigefahren“, sagt der 73-Jährige schmunzelnd. Der Schönecker Autor hat auf einen Kaffee in sein Einfamilienhaus nach Büdesheim eingeladen.

Von Mirjam Fritzsche

Anlass ist sein neues Buch „Äbbelwoi un Schlimmeres“ – eine Sammlung satirischer Betrachtungen. „Ich möchte den Menschen etwas mehr Sinn für Unsinn mit auf den Weg geben“, sagt Kröger.

Seine weißen Haare fallen ihm in Wellen bis auf die Schulter. Kröger trägt ein graues Hemd und eine dunkle Hose, aus den Augen blitzt der Schalk. Wir sitzen uns gegenüber. Der Kaffee, frisch aufgebrüht, steht auf dem Tisch. „Die Bilder habe ich alle selbst gemalt“, erläutert der Schönecker und deutet auf die Wand im Esszimmer.

Es sind surrealistische Motive, mit kräftigem rot, blau und grün und verzerrten Körpern. „Die Stilrichtung passt zu meinem Weltbild, das ist auch ein bisschen schräg“, sagt Kröger. Wenn er unterwegs ist, hat er immer einen kleinen Notizblock und einen Bleistift dabei. Kröger bezeichnet sich selbst als Voyeur, beobachtet die Handlungen anderer Menschen. „Studiert man längere Zeit die gesammelten Stichworte, dann sprüht es im Gehirn von ganz allein. Die Zettelbox ist wie der beginnende Regen.“

Talent in die Wiege gelegt

Das Talent für das Schreiben und Malen wurde ihm in die Wiege gelegt. „Gezeichnet habe ich von Jugend an. Mein Onkel war Zeichenlehrer und Künstler. Meine Tante schrieb mehr als 1000 Gedichte“, erzählt er. Zu erzählen hat Norbert Kröger einiges. Aufgewachsen in der DDR erlebte der Diktatur, Bespitzelungen und Bürokratiewahnsinn. Dies verarbeitete er bereits in seinem autobiografischen Roman „Der Kartoffelsack hat keine Schuld“ – ebenfalls ein satirisches Werk. „Meine Kinder haben mich zu dem Buch motiviert. Damit das DDR-Unrecht nicht in Vergessenheit gerät.“ 1966 ist Kröger über die grüne Grenze in den Westen geflüchtet, wo bereits sein Vater lebte.

In „Äbbelwoi und Schlimmeres“ erzählt Kröger unter anderem über seine ersten Gehversuche im Westen. Seine Ankunft vor mehr als 50 Jahren am Frankfurter Bahnhof. Wie er in der Wechselstube seine letzten Ostmark umtauscht. Und ihn der Mann von der Bank in seltsamen Sätzen antwortet. „Er ist wohl der Meinung, hinter dem Eisernen Vorhang sprechen Deutsche Deutsch wie griechische Gastarbeiter“, schreibt Kröger. Aber auch der hippe Stadtteil Nordend „mit der höchsten, bildungsverliebten Bildungsdichte“ kriegt sein Fett weg.

Mit einem humorvollen Augenzwinkern blickt der Autor zudem auf die Vegan-Bewegung. „Alles sind kleine Erlebnisse, die ich kolumnenmäßig ausgeschlachtet habe“, sagt Kröger. Mittlerweile sei er am Ort aber voll „integriert“. „Schließlich bin ich seit 47 Jahren mit einer Hessin verheiratet“, sagt der Büdesheimer.

Oftmals ernste Themen

Seine Themen sind oftmals ernst. Warum verarbeitet der studierte Maschinenbauer sie ausgerechnet in satirischen Betrachtungen? „Für die Deutschen, die den tierischen Ernst erfunden haben, möchte ich den Anstoß für mehr Humor geben“, erklärt Norbert Kröger. Sein neues Buch richte sich an Leute, die bereit sind, sich auch mal an die eigene Nase zu fassen. Selbstironie ist eine wichtige Eigenschaft, sagt der 73-Jährige. Man müsse auch mal über sich selbst lachen können. Zum Beispiel beim Älterwerden. Auch darüber hat der Rentner schon geschrieben in „Theobald wird alt“.

Dass er mit seiner Art, die Welt zu sehen, auch mal aneckt, stört ihn nicht. „Satire darf alles, aber das heißt noch nicht, dass sie gleich jeder versteht.“ Zu seinen Bildern in Ausstellungen gebe er immer eine kleine Beschreibung dazu. Der Spruch „Lieber 1000 Jahre Hahn als ein Jahr Henne“ sei bei der Ausstellungsleiterin auf wenig Gegenliebe gestoßen. „Sie hielt das für sexistisch“, sagt Kröger und zuckt mit den Schultern. Er habe das Schild entfernen müssen.

Über den Prozess des Schreibens hat sich der Autor schon viele Gedanken gemacht. „Wenn ich eine Idee habe, ist alles in zehn Minuten erledigt, wenn ich aber keine habe, brauche ich mich gar nicht erst an den Schreibtisch setzen“, berichtet er. Tipps hat er sich von echten Profis geholt. Der ehemalige Unternehmer Kröger berichtet im Gespräch davon, wie er auf der Frankfurter Buchmesse mit Günter Grass und Martin Suter Schwätzchen gehalten und diese nach ihrer Herangehensweise beim Schreiben befragt hat.

Äbbelwoi un Schlimmeres“ ist im Triga-Verlag erschienen und kostet 14,80 Euro. Die ISBN lautet 978-3-95828-211-7

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