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Unkraut schmälert Ertrag: Landwirt demonstriert Pflanzenschutz

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Der direkte Vergleich macht es sichtbar: Der Maiskolben vom unbehandelten Feldabschnitt (rechts) ist kleiner als der aus dem mit Pflanzenschutzmitteln behandelten Teil. Landwirt Matthias Wacker hat an der Hohen Straße in Kilianstädten auf drei seiner Felder Schaustücke eingerichtet, um Spaziergänger aufzuklären. Fotos: Fritzsche
Der direkte Vergleich macht es sichtbar: Der Maiskolben vom unbehandelten Feldabschnitt (rechts) ist kleiner als der aus dem mit Pflanzenschutzmitteln behandelten Teil. Landwirt Matthias Wacker hat an der Hohen Straße in Kilianstädten auf drei seiner Felder Schaustücke eingerichtet, um Spaziergänger aufzuklären. Fotos: Fritzsche

Schöneck. Was passiert, wenn Landwirte ganz auf Pflanzenschutz verzichten, ist zurzeit auf drei Feldern an der Hohen Straße in Kilianstädten zu erfahren. Matthias Wacker hat drei hundert Quadratmeter Meter große Parzellen seiner Felder unbehandelt gelassen.

Von Mirjam Fritzsche

Immer mehr Verbraucher achten auf eine ökologische Produktion bei der Herstellung von Lebensmitteln. Die ein oder anderen Unkrautvernichter sind in den vergangen Jahren in die Kritik geraten – sie gelten als gesundheitsgefährdend. Wie schwer es aber ist, völlig auf chemische Mittel zu verzichten und weiterhin wirtschaftlich zu arbeiten, will Landwirt Matthias Wacker mit drei Beispielen vor Augen führen.

„Ich setze auf eine integrierte Landwirtschaft und nutze auch Pflanzenschutzmittel, aber nach dem Grundsatz: So viel wie nötig, so wenig wie möglich“, erläutert der 31-Jährige. Schließlich verursacht der Einsatz auch Kosten. Infotafeln unter der Überschrift „Ernte in Gefahr“ weisen entlang des Rad- und Wanderwegs Hohe Straße auf die Schaustücke hin. Sie erläutern den Hintergrund der Aktion und illustrieren die Ernteverluste, die ohne Pflanzenschutz entstehen können.

Es geht nicht ohne Chemie Vor allem bei den Zuckerrüben ist der Unterschied auffällig. Das Unkraut auf dem unbehandelten Teil überwuchert die Pflanzen, die kaum noch zu sehen sind. Mit einem Spaten gräbt Wacker zwei Vergleichsobjekte aus. Man sieht es sofort: Die Pflanze vom behandelten Feld ist wesentlich größer, die andere wirkt dagegen mickrig. „Das Unkraut nimmt den Zuckerrüben, Wasser, Licht und Nährstoffe weg. Wenn ich hier keine Pflanzenschutzmittel einsetze, habe ich einen totalen Ernteausfall“, betont Wacker. Die einzige Alternative, ohne Chemie auszukommen, ist, das Unkraut mit der Hand zu entfernen. Doch das kostet viel Arbeitszeit und -kraft. Die Pflanzenschutzmittel helfen aber auch gegen Pilze, die die Ernte ebenfalls gefährden können.

„Nach Abschluss meines Agrarstudiums habe ich mich ganz bewusst für den integrierten Pflanzenbau entschieden. Ein hoher Ertrag ist wichtig für die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung“, sagt der junge Landwirt, der 2012 in den elterlichen Betrieb eingestiegen ist. Denn die landschaftlichen Flächen seien in den vergangenen Jahrzehnten immer kleiner geworden. In die Qualität der Produkte habe er Vertrauen. „Bei uns in Deutschland wird sehr streng geprüft“, sagt der Kilianstädter. Zudem setzt er auf eine gute Beratung durch verschiedene Fachleute.

FruchtfolgenDer Hof Wacker baut Weizen, Gerste, Mais, Zuckerrüben und Raps an. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sei indes nur ein Baustein von vielen. Der Landwirt setzt unter anderem auf Fruchtfolgen. „So haben Schädlinge, die sich auf eine spezielle Pflanze festgelegt haben, weniger Chancen, sich dauerhaft einzunisten“, so der Schönecker Bauer. Auch beim Maisfeld ist der Unterschied zwischen behandelter und unbehandelter Fläche gut zu erkennen. Die Pflanzen auf der Fläche ohne Chemieeinsatz sind kleiner und haben eine weniger kräftige Farbe. Die Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe äußert sich zudem in der Größe der Maiskolben.

Beim Weizenfeld lässt sich erst auf den zweiten Blick erkennen, was anders ist. „Die Halme auf dem unbehandelten Teil sind etwas länger und damit natürlich weniger stabil“, erklärt Wacker. Zudem mischt sich Klette unter den Weizen, die man natürlich später nicht im Mehl haben möchte. Das gefährde die Brotqualität des Weizens, die sich Wacker wünscht. Denn hierfür erhält er das meiste Geld. Reicht die Qualität dafür nicht, wird der Weizen zu Futtermittel verarbeitet, im schlimmsten Fall wandert die Ernte in die Biogasanlage.

Schaufelder für Mais und Zuckerrüben Sorgen bereitet dem 31-Jährigen derzeit der Dauerregen der vergangenen Tage. „Der Weizen ist reif, wir haben aber erst zehn Prozent der Ernte eingebracht.“ Damit es losgehen kann, braucht es erst mal zwei Tage Sonne, damit die Ähren trocknen können. „Eine weitere Woche brauchen wir dann für die Ernte“, so Wacker. Schon ein Gewitterschauer kann das Ganze zum Stoppen bringen. Wegen der Abhängigkeit von vielen äußeren Faktoren hat sich seine Familie auf einen Mischbetrieb festgelegt, der neben Acker- und Futterbau auch Milchviehhaltung und Bullenmast betreibt.

„Bauern, die sich nur auf Weizen und Raps spezialisiert haben, könnten in diesem Sommer Schwierigkeiten bekommen“, so Wacker. Ein weiterer Vorteil der Nutztierhaltung: Der Dung und die Gülle können als organischer Dünger auf den eigenen Feldern wiederverwendet werden. Die Schaufelder für Mais und Zuckerrüben an der Hohen Straße in Kilianstädten auf Höhe der Windräder können noch bis etwa Ende September begutachtet werden. Dann beginnt die Ernte. Das Weizenfeld wird bei trockener Witterung bereits in den kommenden Tagen abgeerntet.

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