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Der treueste Fan des SV Kilianstädten

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Fan der ersten Stunde: Ella Wagner an der Eckfahne. Die 88-Jährige hält dem SV Kilianstädten seit vielen Jahrzehnten die Treue, verpasst kein Spiel.  Foto: PM
Fan der ersten Stunde: Ella Wagner an der Eckfahne. Die 88-Jährige hält dem SV Kilianstädten seit vielen Jahrzehnten die Treue, verpasst kein Spiel. Foto: PM

Schöneck. So lange sie denken kann, ist die 88-Jährige Ella Wagner Fan des SV Kilianstädten. Auch als Witwe und noch im hohen Alter lässt sie kein gesellschaftliches und sportliches Ereignis aus: sei es der Neujahrsempfang, die Jahreshauptversammlung oder auch der Kaffee und Kuchen beim Heimspiel.

Von Mirjam Fritzsche

Wenn es die Witterung zulässt, sitzt Ella im bequemen Stuhl am Spielfeldrand, zittert mit den Jungs, oder schimpft auch mit „ihren Buben“, wenn sie mal nicht so gut spielen. Die Spieler respektieren die rüstige Dame und zollen ihr Respekt: An Ella geht man nicht vorbei, ohne sie „abzuklatschen“ oder auch nur ein „Gude Ella“ zuzurufen. Die Dauerkarte für die kommende Saison hat die Rentnerin bereits in der Tasche und freut sich auf das erste Spiel am Sonntag.

Zweitwohnsitz Sportanlage am WaldDie Nachbarn oder Sohn Helmut fahren die betagte Dame zur Sportanlage am Wald, die so etwas wie ein Zweitwohnsitz für sie geworden ist. Sie genießt den Plausch mit alten Bekannten und verfolgt gespannt den Spielverlauf. Ob sie sich ärgert, wenn „ihre Jungs“ verlieren? „Und ob“, sagt die rüstige Rentnerin und lacht. „Da halte ich mich auch mit Kritik nicht zurück“, erklärt sie resolut. Sätze wie: „Da spielt die Reserve ja noch besser als ihr“ , kriegen die Spieler des SV Kilianstädten schon mal zu hören.

Was sie überhaupt nicht leiden kann, ist „wenn es ein Foul gibt und der Schiedsrichter nicht pfeift“. Da nimmt Ella Wagner kein Blatt vor den Mund. Auch sonst ist sie nicht gerade zimperlich.

Mitfiebern und Anfeuern ist das Größte„Ich kann mich an ein Spiel in den 50er Jahren gegen Rückingen erinnern, in dem es hoch herging. Da habe ich auch schon mal einem Herrn eins mit meinem Schirm auf den Kopf gegeben.“ Seitdem hieß es nur: „Pass auf, das kommt wieder die Ella mit dem Schirm.“ Gerade das Emotionale ist es, das die gebürtige Kilianstädterin am Fußball reizt. Das Mitfiebern und Anfeuern. Seit Ella denken kann, gehört ihr Herz den Blau-Weißen.

„Schon mein Bruder hat mich zu den Spielen mitgenommen “, sagt sie. Später ist es ihr Mann Wilhelm Wagner, mit dem sie die Leidenschaft teilt. Der gebürtige Glauburger zog Anfang des Jahres 1951 nach Kilianstädten. Als geprüfter Schiedsrichter stellte er seine Dienste dem Verein seines neuen Wohnortes zur Verfügung. Der Fußballverrückte pfiff nicht nur für den SVK, sondern bekleidete im Lauf der Jahre verschiedene Vorstandsämter. Ella und Wilhelm gaben sich am 17. August 1951 das Ja-Wort.

Familie mit Fußball-Fieber infiziertDer „Bazillus Fußball“ sprang endgültig auf Ella über und „infizierte“ schließlich auch Sohn Helmut, der als Kind selbst aktiv spielte. „Damals bin ich auch mit dem Kinderwagen zu den Heimspielen gegangen“, so Wagner. Auch die Enkelkinder sind natürlich Fußballfans. Große Turniere verfolgt die Rentnerin im Fernsehen. „Dass die Frauen bei der EM verloren haben, hat mich sehr geärgert“, sagt sie. Die Bundesliga verfolge sie nur gelegentlich. Aber wenn, dann drückt sie der Eintracht die Daumen.

Dass Ella Wagner dem Verein wichtig ist, beweist auch die Urkunde als „Edelfan“, die ihr verliehen wurde und die einen Ehrenplatz an der Wand in ihrer Wohnung an der Feldstraße gefunden hat. Genauso wie das gerahmte T-Shirt mit den Unterschriften aller Spieler, das sie zum 80. Geburtstag geschenkt bekommen hat.Was sich Ella Wagner für ihren Verein wünscht? „Dass sie gut spielen und in der Kreisoberliga bleiben.“

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