Präsentieren voller Stolz zwei alte Lanz-Trecker aus den 30er-Jahren: Tobias und Gerhard Bock sowie Gerd Lang (von links) vom Traktorenverein Büdesheim. Foto: Thomas Seifert

Schöneck

Traktorenverein Büdesheim: Gerhard Bock blickt auf Anfänge zurück

Schöneck. Ein vom Verschrotten geretteter Trecker, mit dem Gerhard Bock, der Vorsitzende des Traktorenvereins Büdesheim, schon als Sechsjähriger herumkurven durfte, war der Anfang einer Leidenschaft, die inzwischen auch Sohn Tobias gepackt hat.

Von Thomas Seifert

Zum 25. Geburtstag des Vereins gibt es vom 8. bis 10. Juni auf dem Festplatz in Büdesheim eine Traktoren- und Landmaschinenschau.

„Ich war auf dem Weg zu einem Kunden, als vor mir der Schrotthändler mit dem Traktor auf dem Hänger herfuhr. Ich bin ihm zu seinem Betriebsgelände gefolgt und habe ihm das Fahrzeug dort sofort abgekauft. Mit dieser Aktion hat alles angefangen“, berichtet Gerhard Bock in der vereinseigenen Halle, in der rund 30 dieser landwirtschaftlichen Arbeitspferde abgestellt sind.

Auch Beifahrer mit Leidenschaft dabei

Zunächst waren die Treckerfreunde noch eine Unterabteilung des Schützenclubs, bevor sie dann im Dezember 1994 einen eigenen Verein gründeten, dem heute knapp 90 Mitglieder angehören. Nicht alle sind Besitzer eines Fahrzeugs, Gerd Lang zum Beispiel, seit 2014 Mitglied beim Traktorenverein und eine „Allzweckwaffe“ (Gerhard Bock), ist nur Beifahrer, das aber inzwischen mit Leidenschaft. „Mir hat die Kameradschaft so gut gefallen und da bin ich spontan Mitglied geworden“, berichtet der Pensionär, der erst 2012 nach Büdesheim gezogen ist.

Gerade beim Bau der vereinseigenen Halle im Jahr 2014 auf dem Betriebsgelände der Firma von Gerhard und Tobias Bock an der Kilianstädter Straße zeigte sich der Zusammenhalt der Traktorfreunde. Denn die Halle wurde bis auf die Grundkonstruktion fast in Eigenregie errichtet. „Da waren wir vor fünf Jahren in jeder freien Minute auf der Baustelle und haben gearbeitet. Das hat die aktiven Mitglieder aber noch mehr zusammengeschweißt“, so Tobias Bock.

Freundschaften entstehen

Denn auch bei der Restaurierung und der Wartung historischer Traktoren ist das Wissen aller Mitglieder gefragt, die sich jeden Samstag in unterschiedlicher Zusammensetzung an der Halle treffen.

Neben dem gemeinsamen Schrauben stehen die regelmäßigen Ausfahrten, die Besuche bei befreundeten Vereinen und die Teilnahme an Ausstellungen und Märkten ganz hoch im Kurs beim Traktorenverein. „Da haben sich im Laufe der Jahre viele Freundschaften entwickelt, die wir gerne pflegen“, betont Lang. Aber auch die inzwischen nur noch in zweijährigem Rhythmus organisierten Treffen auf dem Festplatz in Büdesheim verlangen viel Engagement.

Kostspieliges Hobby

Zu viel inzwischen, um sie jährlich stattfinden zu lassen. „Uns fehlt es an Nachwuchs, die Mitglieder werden älter, sind im Schnitt gut über 60 Jahre alt und so wird es schwieriger, diese Veranstaltung zu organisieren“, bedauert Gerhard Bock.

Ein Grund für fehlenden Nachwuchs ist nicht unbedingt mangelndes Interesse an der historischen Technik, sondern eher die Preise, die inzwischen für alte Traktoren aufgerufen werden. „Mir ist bekannt, dass ein top restaurierter Lanz schon einmal für 250 000 Euro den Besitzer gewechselt hat. Das Hobby Traktor ist zeitaufwändig und nicht gerade billig“, sagt Tobias Bock.

Mit der Leidenschaft angesteckt

Solche Summen sind zwar die absoluten Ausnahmen, aber die Anschaffung eines historischen Deutz, Fendt, Hanomag, Porsche, Land, Güldner und wie die Marken alle heißen geht ins Geld. „Wer aber einmal vom Virus angesteckt ist, den lässt die Leidenschaft nicht los“, stellt Gerhard Bock fest.

In der Halle in Büdesheim findet man deshalb auch wahre Schätze wie die beiden Lanz von 1951 und 1953, die den Bocks gehören. Oder ein Hanomag von 1945, ein Kramer von 1936 oder ein John Deere von 1935, der die Reise über den Großen Teich in einem Container gemacht hat. Auch ein weiterer Lanz gehört zum Fuhrpark, der wurde 1938 gebaut und in Belgien entdeckt.

Anstehendes Jubiläumsfest

Ein besonderes Schmuckstück ist auch der Allis-Chalmes, Baujahr 1934, den ein Mitglied und großer Fan amerikanischer Traktoren per Luftfracht aus den USA nach Büdesheim expedieren ließ. Und in einer Ecke der großen Halle steht noch eine Dreschmaschine Baujahr 1910, ein besonders rares Stück Landwirtschaftsgeschichte.

Jetzt freuen sich die Mitglieder aber auf ihr Jubiläumsfest, bei dem sie wieder viele Traktorenfreunde aus ganz Deutschland und einigen angrenzenden Ländern begrüßen können. „Manche machen mit ihren Traktoren und Wohnanhängern richtige Rundfahrten und besuchen dann Ausstellungen wie unsere“, weiß Gerhard Lang.

Mangel an Sponsoren

Aber weil es auch immer schwieriger ist, Sponsoren zu finden, um solche Veranstaltungen finanziell stemmen zu können, tun sich die Mitglieder des Traktorenvereins Büdesheim schwer, ihre Traditionsveranstaltung weiterhin organisieren zu können.

„Es wäre aber sehr schade, denn der Publikumszuspruch ist immer groß und unsere Traktoren müssen auch erhalten werden, damit die Menschen wissen, mit welchen Hilfsmitteln früher in der Landwirtschaft gearbeitet worden ist“, sagt Gerhard Bock.

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