Die Idylle täuscht: Auf dem Buchwaldhof in Büdesheim ist im vergangenen September die 51-jährige Besitzerin getötet worden. Ihr ehemaliger Pferdepfleger wird sich nun wegen Mordes vor Gericht verantworten müssen. Archivfoto: Torsten Kleinerüschkamp

Schöneck

Tote auf Reiterhof: Anklage wegen Mordes aus Heimtücke

Schöneck/Hanau. Seit Ende Januar sitzt der 24-jährige J. in Untersuchungshaft. Er ist dringend tatverdächtig, am 10. September vergangenen Jahres seine Chefin auf dem Büdesheimer Buchwaldhof im Streit stranguliert zu haben.

Von Thorsten Becker

Jetzt soll J. vor Gericht gestellt und der Fall untersucht werden. Vor wenigen Tagen haben Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft die internationalen Ermittlungen abgeschlossen und die Akten an die 1. Schwurgerichtskammer am Hanauer Landgericht übergeben. Die Staatsanwaltschaft hat zudem die Anklageschrift vorgelegt, wie es gestern auf Anfrage hieß. Der Vorwurf lautet: Mord aus Heimtücke. Es ist davon auszugehen, dass die Hauptverhandlung noch im Sommer eröffnet werden könnte.

Angeklagter wollte Tat wohl als Suizid darstellen

Spektakulär ist der Fall, weil alles zunächst nach einem Suizid aussah. Allerdings nur auf den ersten Blick. Denn die Spezialisten des Kommissariats 11 der Hanauer Kripo, die für Todesursachenermittlungen zuständig sind, hatten schnell den Hinweis, dass es sich um ein Kapitalverbrechen handeln könnte. Die Ergebnisse der Obduktion der Leiche durch die Frankfurter Gerichtsmedizin verstärkten diesen Anfangsverdacht.

Die Staatsanwaltschaft Hanau geht davon aus, dass J. wegen eines Streits über sein Arbeitsverhältnis die 51-jährige Bianca H. heimtückisch stranguliert haben soll. Dann habe er versucht, die Tat zu verschleiern, denn die Leiche der Frau wurde aufgehängt entdeckt. Alles sollte wie ein Selbstmord aussehen. Die Ermittler ließen sich nicht täuschen und nahmen die Spur des Verdächtigen auf, der offenbar zunächst in sein Heimatland Rumänien geflüchtet war. Doch dann reiste er nach Österreich, um dort einen neuen Job aufzunehmen.

Ermittlungen führten Kripo bis in die Karpaten

Die Hanauer Kripo hatte ihn jedoch weiter im Visier und bat ihre Kollegen vom Landeskriminalamt Niederösterreich um Unterstützung: Am 25. Januar wurde J. unter dringendem Tatverdacht in der Nähe von Wien verhaftet und anschließend nach Hanau ausgeliefert, wo das Amtsgericht ihn in Untersuchungshaft schickte – vorläufig wegen Totschlags. Bei seiner Festnahme soll der 23-Jährige das Verbrechen eingeräumt haben. Doch die Hanauer Kriminalisten ließen danach nicht locker, um weitere Beweise zu finden.

Im März unternahmen fünf Mitarbeiter der Mordkommission einen teils abenteuerlichen Weg auf sich. Die Dienstreise galt einem kleinen Ort, rund 1500 Kilometer vom Tatort in Büdesheim entfernt – mitten in den Karpaten. Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft Hanau, Dominik Mies, vor wenigen Wochen berichtete, seien neue Spuren und Beweismittel entdeckt worden, darunter auch die Kleidung, die J. bei dem Verbrechen getragen haben soll. Diese Asservaten sollten von Experten des Landeskriminalamts in Wiesbaden untersucht werden.

Verdächtiger flüchtete zur Familie nach Rumänien

„Es war uns bekannt, dass der Verdächtige nach dem Verbrechen offenbar zunächst zu seiner Familie nach Rumänien geflüchtet ist. Erst danach ist er nach Österreich gereist, um wieder auf ein em Hof zu arbeiten“, berichtet Mies im März zu den Hintergründen der intensiven Auslandsermittlungen.

In Resita (Reschitz), einem kleinen Ort im Banater Gebirge der Westrumänischen Karpaten, wurden zahlreiche Zeugen vernommen, die zum Familien- und Bekanntenkreis von J. gehören. Nun muss die 1. Schwurgerichtskammer zunächst über die Zulassung der Anklage entscheiden und dann den Prozess terminieren. Gelingt es der Staatsanwaltschaft, J. das Mordmerkmal Heimtücke vor Gericht nachzuweisen, droht dem Mann eine lebenslange Freiheitsstrafe.

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