Zum letzten Mal bringt Landwirt Matthias Wacker sein Getreide zur Kilianstädter Mühle. Der Betrieb wird Ende des Monats eingestellt. Fotos: Mirjam Fritzsche

Schöneck

Thylmann-Mühle schließt: Wir waren bei der letzten Fuhre dabei

Schöneck. Die riesigen Silos stehen unverändert an Ort und Stelle. Durch nichts ist ersichtlich, dass sich zu ihren Füßen gerade ein historischer Moment ereignet. Landwirt Matthias Wacker liefert einen Hänger mit Getreide ab – es wird der letzte in der 650-jährigen Geschichte der Thylmann-Mühle sein.

Von Mirjam Fritzsche

Ende Januar wird der Betrieb eingestellt. „Es ist schwer vorstellbar, dass jetzt Schluss ist“, sagt Matthias Wacker. Schon seit Januar sei keine neue Ware mehr angenommen worden. Doch Wacker hatte durch einen laufenden Vertrag noch die Möglichkeit erhalten, seinen Weizen am gestrigen Freitag abzuliefern.

Mühle gehört zum Ortsbild von Kilianstädten

Mit dem HA spricht er über die Folgen der Schließung. „Es ist etwas Großes, das verloren geht“, sagt er. Die Mühle habe Kilianstädten in der Landwirtschaft bekannt gemacht. Sie gehöre einfach zum Ortsbild. „Der Wind hat die Geräusche der Mühle bis zu unserem Hof getragen. Man hat gehört, wenn die Mühle gearbeitet hat“, erzählt der 34-Jährige.

Er ist auf dem elterlichen Hof im Neuen Weg in Kilianstädten aufgewachsen. Über Generationen hinweg hat die Familie Wacker ihr Getreide zur Kilianstädter Mühle gebracht. „Bis vor 30, 40 Jahren sogar ausschließlich dorthin“, erinnert sich der Vater Karl-Otto Wacker (65).

Wenig Alternativen für die Landwirte

Die Landwirte der Region müssen sich nun nach Alternativen umsehen. „Glücklicherweise haben wir eine langjährige Geschäftsbeziehung zur Philippi Mühle in Büdesheim. Sie ist unser Hauptabnehmer. Doch der kleine Betrieb kann natürlich nicht die Mengen annehmen, die in der der Thylmann-Mühle verarbeitet wurden“, erläutert Matthias Wacker, der sich auch im Vorstand des Kreisbauernverbands Main-Kinzig engagiert.

Die nächste Mühle befinde sich in Frankfurt, ein großer Lager- und Umschlagplatz für Getreide am Hafen in Hanau. „Das ist günstig für uns. Nach Hanau geht es den Berg runter“, erläutert Karl-Otto Wacker.

Hof erntet 750 Tonnen Getreide im Jahr

750 Tonnen Getreide werden auf dem Hof jährlich geerntet: 90 Prozent Winterweizen und zehn Prozent Wintergerste. „Wir nutzen unsere Hänger, die wir auch für die Ernte einsetzen, für den Transport. Das spart Geld und wir können uns den Termin so einteilen, dass es für uns günstig ist“, so Matthias Wacker.

Das Getreide wird in einer großen Scheune gelagert, um es nicht direkt während der arbeitsamen Erntezeit ausliefern zu müssen. „Das erfordert natürlich einigen Aufwand. Man braucht den Platz mit einer entsprechenden Belüftung. Zudem muss das Getreide vor Feuchtigkeit, Keimen und Schädlingen geschützt werden“, erklärt Matthias Wacker.

Kleine Betriebe haben es immer schwerer

Ein weiterer Vorteil der Lagerung: Man kann auf bessere Preise hoffen. Die Schließung der Mühle mache nachdenklich, sagt Matthias Wacker. „Wenn es schon ein Unternehmen mit 40 Mitarbeitern nicht schafft zu überleben, wie soll es da ein so kleiner Betrieb wie unserer auf Dauer schaffen?“, fragt sich der Landwirt.

Die Wackers bauen neben Getreide auch Zuckerrüben, Raps sowie Mais an. Als zweites Standbein werden auf dem dem Hof zudem 65 Milchkühe gehalten, die Milch gibt es auch im Direktvertrieb an einem Milchautomaten. Auch Mastbullen gehören zum Familienbetrieb.

„Früher gab es hier im Ort 100 Leute, die Milch geliefert haben. Heute sind nur noch wir übrig. Unglaublich, was sich in nur einer Generation verändert hat“, so Karl-Otto Wacker.

Schließung hat weitreichende Konsequenzen

Eine weitere schwierige Veränderung ist nun die Schließung der Thylmann-Mühle. 40 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz. Das ist die eine Seite. Der Wegfall des Anlaufpunkts dürfte zudem den Landwirten vor allem aus dem Büdinger Raum zu schaffen machen, befürchten Wackers.

„Sie müssen dann höhere Kosten und längere Wege in Kauf nehmen.“ Das belaste natürlich auch den Verkehr und verschmutze die Umwelt. „Deshalb wäre es schön, wenn die Thylmann-Mühle wenigstens als Lagerplatz für Getreide erhalten bliebe“, so der Kilianstädter Landwirt. Dazu gebe es aber bisher keine Aussage.

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