Der Betrieb wird Ende Januar eingestellt: Die Thylmann Mühle in Kilianstädten schließt. Wie es mit der Immobilie und dem Gelände weitergeht, ist noch unklar. Foto: Axel Häsler

Schöneck

Die Thylmann Mühle schließt - 40 Arbeitsplätze fallen weg

Schöneck. 650 Jahre Tradition finden im Januar ein Ende: Die Thylmann Mühle in Kilianstädten wird geschlossen. Damit fällt die Mühle einer bundesweiten Entwicklung zum Opfer: Die Verarbeitung von Lebensmitteln konzentriert sich auf einige große Konzerne. Das Nachsehen haben die Mitarbeiter vor Ort.

Von Mirjam Fritzsche

Und auch die heimischen Landwirte müssen nun längere und teurere Transportwege in Kauf nehmen. Im September dieses Jahres hatte das Unternehmen Bindewald und Gutting-Verwaltungs GmbH mit Sitz in Alsleben (Sachsen-Anhalt) die bis dahin von der Familie Frese geführte Mühle übernommen und in der Kilianstädter Mühle GmbH als ein Unternehmen der Bindewald und Gutting-Verwaltungs GmbH weitergeführt.

Die neue Geschäftsleitung fackelte nicht lange: Die Roggenvermahlung wurde bereits kurz nach der Übernahme eingestellt. Ende Januar wird das Werk in Kilianstädten nun komplett geschlossen. Das bestätigt Martin Bindewald gegenüber unserer Zeitung. Als erste hatte das Fachblatt „Agrarzeitung“ über die Schließung berichtet. Als Grund nannte Bindewald strukturelle Änderungen im Markt. „Die Kunden werden künftig von unseren anderen Standorten aus versorgt“, sagt Bindewald. Eine bittere Entscheidung für die 40 Mitarbeiter, die ihre Arbeitsplätze verlieren. „Wir suchen nach Lösungen. Die Gespräche laufen“, so der Geschäftsführer.

In Schöneck wurden zuletzt rund 80 000 Tonnen Getreide verarbeitet. Damit gehörte sie zwar zu den Großen der Region. Doch die Menge ist trotzdem noch zu wenig, als dass die bundesweit agierende Mühlengruppe Interesse daran hat, den Standort zu erhalten. Sie konzentriert sich auf ihre großen Betriebe und beliefert die Kunden von dort.

Eine langzeitige Entwicklung

Eine Entwicklung, die der Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft VGMS schon sei Längerem beobachtet. „So schmerzlich die Schließung der Kilianstädter Mühle für die Mitarbeiter, aber auch für die Landwirte in der Region ist, sie bestätigt, was die Daten zum Strukturwandel in der Müllerei über die vergangenen Jahre zeigen: Weniger Mühlen verarbeiten mehr Getreide“, erklärt Geschäftsführer Dr. Peter Haarbeck.

Der Bericht zur Mühlenstruktur der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) zeige, dass die 13 größten Mühlenbetriebe in Deutschland inzwischen mehr als 40 Prozent des Marktes abdecken. Die 60 größten Mühlenbetriebe erreichen einen Anteil von knapp 90 Prozent an der Vermahlung. Hingegen kommen die nicht ganz 100 Mühlen mit einer Vermahlungskapazität von weniger als 5000 Tonnen pro Jahr zusammen auf einen Marktanteil von 2,2 Prozent.

Eine von den kleineren Mühlen ist die Philippi Mühle in Büdesheim – nun eine der letzten verbliebenen in der Region. In dem Familienbetrieb werden rund 8000 Tonnen Getreide im Jahr verarbeitet. Seitdem bekannt ist, dass die Thylmann Mühle schließt, klingelt den ganzen Tag das Telefon. „Ich könnte ohne Ende Getreide kaufen, aber mir fehlen die Abnehmer für das Mehl“, erklärt Philippi. Das Marktumfeld ist aufgrund des seit Jahren anhaltendenBäckereisterbens schwierig, der Preiskampf hart. Rechte Freude, dass der Kilianstädter Konkurrent vom Markt ist, will daher nicht aufkommen.

Momentan kein Profit

„Momentan profitiere ich nicht davon“, sagt er. Bitter ist die Schließung für die Landwirte der Region. Sie müssen sich nun neue Wege für ihr Getreide suchen – das kostet Zeit und Geld. „Die Thylmann Mühle gehörte zu den großen Betrieben, das kann keine andere Mühle in der Region auffangen“, sagt der Kilianstädter Landwirt Matthias Wacker. Aufgrund des kurzen Wegs konnte das Getreide auch im Traktorgespann zur Mühle transportiert werden. Nun müsse die Ernte von einem Fuhrunternehmen abgeholt werden. „Das ist teuer und bringt noch mehr Lastwagen auf die Straße. Umweltfreundlich ist das nicht“, sagt Wacker.

Der Hof Wacker betreibt Ackerbau, Milchviehhaltung und Bullenmast. 750 Tonnen Getreide werfen seine Felder im Jahr ab, ein Drittel ging zur Thylmann Mühle. Die Entwicklung bezeichnet Wacker als „dramatisch“. „Unsere Bullen müssen wir mittlerweile zum Schlachten bis nach Bayreuth fahren.“ Die Auflagen seien für die heimischen Metzger einfach zu hoch gewesen.

Unklar ist derzeit noch, was mit dem Gelände und den Gebäuden der Thylmann Mühle passieren soll. Sie sind weiterhin im Besitz der Familie Frese. Pläne gibt es wohl nur für die erste Etage des Verwaltungsgebäudes, dort sollen Wohnungen entstehen. „Die Gemeindeverwaltung steht natürlich unterstützend zur Seite, wenn es darum geht, das Gelände zu entwickeln“, sagt Bürgermeisterin Conny Rück.

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