Werben für die Kindertagespflege (von links): Britta Farr vom Kindertagespflegebüro, Bürgermeister Klaus Büttner, Tagesmutter Hedwig Gawlitt, Bürgermeisterin Conny Rück, die Tagesmütter Karolin Huhn und Swetlana Janz. Foto: Fritzsche

Schöneck/Niederdorfelden

Tagesmütter dringend gesucht: Initiative gestartet

Schöneck/Niederdorfelden. Die Anzahl ist überschaubar: Nur noch drei Tagesmütter stehen derzeit für die Betreuung von Kleinkindern in Schöneck und Niederdorfelden zur Verfügung. Das wollen die beiden Gemeinden ändern. Sie haben die Bedingungen verbessert und rühren nun kräftig die Werbetrommel.

Von Mirjam Fritzsche

Hedwig Gawlitt ist das „Urgestein“ unter den Tagesmüttern. Seit 22 Jahren betreut sie Mädchen und Jungen bis zum Kindergartenalter. „Gerade wenn man selbst Kinder hat, ist die Betreuung zu Hause eine gute Möglichkeit, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen“, sagt die erfahrene Tagesmutter. Sie finde es schön, die Kinder in ihrer Entwicklung zu begleiten.

Während sie sich daran erinnern kann, dass zu ihren Anfangszeiten bis zu 45 Tagesmütter mit zwei bis drei betreuten Kindern in Schöneck aktiv waren, ist die Zahl heute eklatant geschrumpft. Gerade mal drei sind geblieben. Das hat Gründe. „Um eine Pflegeerlaubnis zu erhalten, müssen heute 300 Stunden Grundqualifizierung absolviert werden.

Wenn ich den interessierten Müttern sage, dass es mehrere Monate dauert, bis sie mit der Tätigkeit starten können – die Kurse finden nur zweimal im Jahr statt – endet es meistens damit, dass die Frauen eine Anmeldung für eine U3-Betreuung ihres eigenen Kindes abgeben und in ihren alten Job zurückkehren“, erläutert Britta Farr das Dilemma.

Farr ist zuständig für das gemeinsame Kindertagespflegebüro der beiden Gemeinden und kennt die Schwierigkeiten bei der Suche nach neuen Tagesmüttern. Viele junge Familien, die nach Schöneck oder Niederdorfelden ziehen, haben sich Eigentum zugelegt und müssen die Raten für ihr Häuschen abbezahlen.

Selbst wenn sie sich für eine Tätigkeit als Tagespflegeperson interessieren: Sie können es sich nicht leisten, mehrere Monate auf ein Gehalt zu verzichten. „Die Einstiegshürde ist hoch“, bestätigt Schönecks Bürgermeisterin Conny Rück. Gemeinsam mit ihrem Amtskollegen Klaus Büttner aus Niederdorfelden hat sie ins Kilianstädter Rathaus eingeladen, um über die Anstrengungen der beiden Kommunen zu informieren, die Kindertagespflege wieder attraktiver zu machen.

Der Wunsch nach einer Betreuung im familiären Rahmen ist bei vielen Eltern gegeben. Sie würden ihre Kinder gerne bei Tageseltern untergebracht wissen. Die Betreuung dort gilt als individueller und flexibler. Beide Kommunen haben in den vergangenen Jahren zwar ihre Kapazitäten an U3-Plätzen in Einrichtungen ausgebaut. In Schöneck soll noch in diesem Jahr eine neue U3-Kita in Büdesheim eröffnet werden. Doch auf Tagesmütter möchten die Kommunen auch langfristig nicht verzichten.

Das liegt nicht nur daran, dass die Betreuung in Familien für die Gemeinden günstiger ist. Denn einen Großteil der Bezahlung übernimmt der Main-Kinzig-Kreis, während die Kindertagesstätten und deren Personal von den Gemeinden finanziert werden müssen. „Die Eltern haben ein Wahlrecht und das wollen wir erhalten“, betonen Rück und Büttner.

Neue Flyer machen Werbung

Deshalb hat man gemeinsam mit den verbliebenen Tagesmüttern überlegt, welche Verbesserungen den Job wieder interessanter machen könnten. Natürlich ohne die Kommunen übermäßig finanziell zu belasten. Die Änderung der Förderrichtlinien ist bereits von beiden Parlamenten abgesegnet worden und greift rückwirkend zum 1. Juni dieses Jahres. Seit 2010 zahlen die Gemeinden schon einen Aufschlag auf das Gehalt vom Kreis. Aktuell einen Euro pro Stunde pro betreutem Kind.

„Man kommt auf ein normales Gehalt, das mit dem von Erziehern vergleichbar ist, wenn man vier Kinder betreut“, erklärt Farr. Da liegt allerdings auch ein Knackpunkt. Das „volle“ Gehalt gibt es nur, wenn alle Plätze belegt sind. Die Tagespflegepersonen werden nach der Anzahl der Kinder und den gebuchten Stundenpaketen bezahlt. Bis zu fünf Kinder dürfen sie parallel betreuen. Diese Schwankungen abzufedern, ist eine der Maßnahmen der Gemeinden zur Unterstützung der Tagesmütter. Bis zu drei Monate erhalten sie nun pauschal 100 Euro für einen nicht belegten Platz.

Lage in Niederdorfelden wird sich zuspitzen

Eine weitere Maßnahme: Vor und Nachbereitungszeiten werden pro Kind pauschal mit 20 Euro im Monat vergütet. Zudem übernimmt die Gemeinde für zehn Tage im Jahr die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Bisher ist es so, dass die Tagesmütter das Geld an ihre Vertretung abgeben müssen.

Gerade in Niederdorfelden wird sich die Lage im kommenden Jahr noch zuspitzen, wenn sich niemand Neues findet. Swetlana Janz, einzige Tagesmutter im Ort, wird im kommenden Jahr mit ihrer Familie in ein anderes Bundesland ziehen.

Mit frisch gedruckten Flyern wollen beide Kommunen nun um neue Tagesmütter werben. Auf dem Werbezettel ist ein Knirps zu sehen, der erwartungsvoll in die Kamera schaut. „Kannst du meine Tagesmutter werden?“ steht darüber.

Wer sich für die Tätigkeit als Tagesmutter oder -vater interessiert, kann sich im Kindertagespflegebüro der Gemeinden Schöneck und Niederdorfelden unter Telefon 0 61 87/9 56 24 02 weiter beraten lassen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema