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Schöneckerin schult Kunstlehrer in Äthiopien

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Bettina Pfeifer inmitten ihrer „Schützlinge“. Gemeinsam haben sie nach traditioneller Art Perlenketten kreiert.  Foto: Privat
Bettina Pfeifer inmitten ihrer „Schützlinge“. Gemeinsam haben sie nach traditioneller Art Perlenketten kreiert. Foto: Privat

Schöneck. Es war bereits ihre zweite Reise zur „Wiege der Menschheit“. Und eines ist schon jetzt sicher: die Schöneckerin Bettina Pfeifer will auch 2018 wieder nach Äthiopien reisen. Als Senior Expertin schulte die 65-jährige Bildhauerin dieses Mal Kunstlehrer. Ihre Arbeitsweise soll landesweit übernommen werden.

Von Mirjam Fritzsche

„Äthiopien ist ein Land der Gegensätze. Da läuft ein Bauer mit einem Karren barfuß die Straße entlang und dann düst ein dicker SUV an ihm vorbei. Beides ist in Äthiopien möglich“, erzählt die Vorsitzende der Kunstwerkstatt Schöneck/Nidderau von ihrem vierwöchigen Aufenthalt. Beeindruckt ist Pfeifer von der Geschichte des afrikanischen Landes, schließlich gilt Äthiopien als „Wiege der Menschheit“. Hier wurden die Überreste von Frühmenschen wie „Lucy“ entdeckt, der ältesten Frau, die jemals weltweit gefunden wurde. „Das Skelett habe ich natürlich im Museum bestaunt“, berichtet die Künstlerin.Doch ihre Reise war keineswegs privater Natur. Vor zwei Jahren ist Schönecker Bildhauerin für den Rotary Club Osterholz schon einmal in Debre Marcos gewesen, einer Stadt von der Größe Hanaus. In Äthiopien gibt es eine hohe Zahl an Blinden und sehbehinderten Menschen, die ihr Augenlicht beispielsweise durch eine bakterielle Infektion verloren haben. Sie führen ein Leben in Armut.

Im Dienste des SESIn einem wohltätigen Projekt ist in dieser Stadt ein Hostel gebaut worden, in dem die Nichtsehenden auch Unterricht erhalten. Damals arbeitete Pfeifer dort für zwei Wochen mit 15 erblindeten Frauen und Männern. Dabei entstanden erstaunliche Werke, wie sie berichtete. Diesmal war die 65-Jährige für den SES Senior Experten Service unterwegs. Es ging darum, 20 Kunst- und Ästhetiklehrer aus weiterführenden Schulen zu unterrichten.„Es war für mich eine Riesenüberraschung, dass dort im Kunstunterricht nicht mit den Händen gearbeitet wird. Es gibt keine Kommunikation mit den Schülern. Frontalunterricht ist an der Tagesordnung“, so Pfeifer.Die Bildhauerin musste mit den Lehrern „praktisch bei Null anfangen“. Es gab keine Vorstellung von Farben und Formen.Die Augenbinden, mit denen sie sich auf ihre erste Reise vorbereitet hatte, war auch diesmal im Gepäck. Damit sollten die Lehrer, die auch Blinde unterrichten, intensiv erleben, wie es sich anfühlt, ohne Augenlicht künstlerisch tätig zu sein. „Die Erfahrung hat uns alle sehr weit gebracht“, sagt die Künstlerin. Gearbeitet wurde vor allem mit Ton, ein Material, das in Äthiopien reichlich vorhanden ist. Dabei entstanden unter anderem Perlenketten und Gesichter. Anders als in Deutschland landen die fertigen Werke aus Ton nicht im Brennofen, sondern werden in einem Grubenfeuer gehärtet – für Bettina Pfeifer eine neue Erfahrung.

Wunsch nach Hilfe„Tatsächlich steht für mich nicht der Wunsch zu helfen an erster Stelle. Ich finde den Austausch mit den Menschen auf Augenhöhe total spannend“, betont Bettina Pfeifer. Der Kontakt unter den Menschen sei in Äthiopien viel enger, als man es hierzulande gewohnt ist. „Alles geht über das Anfassen“, sagt Pfeifer. So sei es unter Freunden üblich, sich gegenseitig zu füttern. Ein Ausdruck menschlicher Nähe, der Bettina Pfeifer fasziniert.Andererseits seien die Äthiopier auch viel fatalistischer eingestellt. „Wenn hier etwas kaputt geht, dann wird es nicht etwa repariert. Denn es gibt kaum jemanden, der das kann. Es bleibt einfach kaputt.“Was Bettina Pfeifer besonders freut: Ihre Arbeitsweise mit den Kunstlehrern nach dem Motto „Learning by Doing“ soll nun in ganz Äthiopien etabliert werden. Bereits für 2018 wird eine Schulung in großer Runde geplant. „Wenn jeder Lehrer um die 150 Kinder unterrichtet, kann ich ganz viele Menschen erreichen“, freut sich die Schönecker Bildhauerin.

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