Hanau/Schöneck

Schönecker Dealer erhält viele Auflagen, muss aber nicht in Haft

Hanau/Schöneck. Die 2. Große Strafkammer des Hanauer Landgerichts hat in einer nur einen Vormittag währenden Verhandlung einen 25-jährigen, bereits vorbestraften Drogendealer aus Schöneck zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt.

Von Rainer Habermann

Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Jahre Haft gefordert, weil im Zuge einer Wohnungsdurchsuchung beim Angeklagten neben Haschisch, Marihuana und Amphetaminen auch Waffen sichergestellt worden waren. Der Angeklagte, der nach eigenem Bekunden seit seinem neunten Lebensjahr eine Alkohol- und Drogenkarriere hinter sich gebracht hat, zeigte sich vollumfänglich geständig, therapiewillig und gelobte in seinem letzten Wort: „Ich habe hart daran gearbeitet, vom Alkohol und den Drogen wegzukommen. Ich möchte jetzt meine begonnene Therapie fortsetzen und mein Abitur machen.“

Das von Richterin Susanne Wetzel, Kammervorsitzende und Landgerichtspräsidentin, am frühen Nachmittag verkündete Urteil beinhaltet für Manuel A. aber noch verschiedene Auflagen. Die Bewährungszeit beträgt vier Jahre, er wird einem Bewährungshelfer unterstellt, muss einmal wöchentlich zur Psychotherapie, außerdem seine begonnene Alkohol- und Drogentherapie in einer Klinik weiterführen und sich in einer Schule anmelden, die speziell ehemaligen Drogenabhängigen eine Ausbildung bis zum Abitur anbietet.

Und schließlich schwebt auch noch ein Maßregelvollzug in einer psychiatrischen Klinik über ihm, der ebenfalls zunächst zur Bewährung ausgesetzt ist. „Seien Sie sich darüber im Klaren: Das ist die allerletzte Chance für Sie“, redete Wetzel dem jungen Mann ins Gewissen. Außerdem muss er auf 1000 Euro verzichten, die bei ihm gefunden wurden und vermutlich aus Drogengeschäften stammen.

Auch die Drogen selbst, knapp 500 Gramm Haschisch in gepressten Platten, geringe Mengen von Marihuana, Amphetaminen und MBMA („Ecstasy“) fallen natürlich der Vernichtung anheim. Desgleichen eine SmithundWesson-Gaspistole mit drei Schuss im Magazin, zwei Springmesser und eine Art Elektro-Schocker, den man gut und gerne mit eine Taschenlampe verwechseln kann.

Die Kleinmengen an Drogen waren angeblich ausschließlich zum Eigenverbrauch bestimmt; das Haschisch aber, so gab es Manuel A. zu, hat er „vertickt“, damit Handel betrieben. „Aber ausschließlich außerhalb meiner Wohnung und auch nie an Minderjährige“, meinte Manuel. Was dazu zu sagen ist, sagte die Richterin: „Das kann man jetzt glauben oder auch nicht.“

Dass der Angeklagte trotzdem so glimpflich, mit einer Bewährungsstrafe, davonkam, mag verwundern. Denn immerhin saß er bereits vor einigen Jahren für längere Zeit in der JVA Rockenberg ein, verbüßte dort eine zweijährige Einheitsjugendstrafe wegen verschiedener Delikte, unter anderem einem Tankstellenüberfall. Staatsanwalt Tobias Wolf bewertete in seinem Plädoyer denn auch die Lage nicht ganz so positiv wie später die Kammer; der Strafrahmen für ein solches Delikt, Drogenhandel mit Waffen, beträgt nämlich fünf bis 15 Jahre.

Er wies auch auf die Rechtsprechung des Bundesgerichtshof (BGH) hin, dass es bei Waffen nämlich nicht darauf ankomme, ob sie auch unmittelbar beim Dealen eingesetzt würden. „Es reicht, dass sie zur Verfügung stehen“, zitierte Wolf den BGH. So wäre die Forderung der Staatsanwaltschaft auf sechs Jahre Haft neben einem sogenannten Maßregelvollzug (Unterbringung in einer Psychiatrie) wohl für diesen Fall sicher angemessen – wenn der entsprechende Paragraf des Strafgesetzbuchs (StGB) nicht einen weiteren Passus hätte.

Er lässt nämlich Minderung ausdrücklich zu. Entsprechend war auch die Reaktion des Pflichtverteidigers von Manuel A., Rechtsanwalt Dr. Ulrich Endres: „Das ist ein völlig aus dem Rahmen fallender Antrag. Sechs Jahre Haft für 500 Gramm Haschisch!“ Endres sah glasklar einen minderschweren Fall, zumal der Angeklagte ein umfassendes Geständnis abgelegt, ein forensischer Psychiater zuvor Manuel eine günstige Sozialprognose gestellt hatte; trotz einer „emotionalen Instabilität“.

Das, was der Angeklagte selbst vorhat, nämlich die Teilnahme an einer therapeutischen Wohngruppe, bewertete der Gutachter ebenfalls positiv. Und so beantragte der Verteidiger in seinem Plädoyer auch, auf einen minderschweren Fall zu erkennen und eine Bewährungsstrafe auszuurteilen. Den Handel mit Betäubungsmitteln nach dem BTMG hatte sein Mandant ja bereits zugegeben. Und die Waffen hätten „einfach so in der Wohnung herumgelegen“, wie Manuel A. das sah. Er habe in seinen „besten Zeiten“ schon mal drei Flaschen Wodka am Tag runtergekippt, von Ecstasy undamp; Co ganz zu schweigen.

Ob Staatsanwalt Wolf in Revision gegen das milde Urteil gehen wird, will er sich „in aller Ruhe überlegen“, wie er nach Prozessende gegenüber unserer Zeitung erklärte.

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