Der Basotho-Hut ist dem Qiloane-Berg bei Thaba Bosiu nachempfunden und gilt als nationales Symbol. Foto: PM

Schöneck

Schönecker Bildhauerin schult Kunstlehrer in Lesotho

Schöneck/Maseru. Die landestypischen Basotho-Hüte stehen als Erinnerung im Wohnzimmer von Bettina Pfeifer. Die aus Stroh geflochtenen Kopfbedeckungen sind Abschiedsgeschenke. Zusammen mit ihrem Mann war die 66-Jährige erneut als Senior Expertin in Afrika unterwegs.

Von Mirjam Fritzsche

Dieses Mal schulte die Bildhauerin Kunstlehrer in Lesotho, einem kleinen Königreich im Süden des Kontinents.

„Aufsetzen würde ich die Hüte hier nicht. Das sähe komisch aus. Aber einfach weglegen möchte ich sie auch nicht“, sagt Pfeifer. Erst kürzlich kehrte sie von ihrem fünfwöchigen Aufenthalt in Lesotho zurück – und hat die überaus freundlichen Menschen dort kennen und schätzen gelernt. Lesotho war nicht ihr erster Einsatz als Senior Expertin. Bereits zweimal schulte die Schöneckerin Kunstlehrer in Äthiopien, im Herbst will sie wieder hinfahren.

Begegnung auf AugenhöheAuf Bitten der Organisation Senior Experten Service (SES) hatte sie sich im Februar erstmals auf den Weg nach Maseru gemacht, der Hauptstadt des kleinen Landes Lesotho. Ihr Mann Günther, Naturwissenschaftler und Elektroniker, fuhr ebenfalls mit, um als SES-Experte Schulungen im Bereich Physik vorzunehmen. „Früher waren wir oft aus beruflichen Gründen getrennt, da ist es schön, dass wir heute zusammen unterwegs sein können“, so die Schönecker Künstlerin.

Ihr Einsatzgebiet war die St. Catherine's High School – eine katholische Mädchenschule in Maseru. „Wir sind in einer uralten Rundhütte auf dem Schulgelände untergekommen“, erzählt Pfeifer. Das Gebäude sei als Gästehaus für den Bischof errichtet worden. Wenn auch weit entfernt vom Standard, den man in Europa gewöhnt ist, seien sie mit ihrer Unterkunft recht zufrieden gewesen. „Wir haben viel draußen gesessen und so auch guten Kontakt zu den Schülern des Internats bekommen“, sagt die Bildhauerin. Eine Begegnung auf Augenhöhe ist der ehrenamtlichen Entwicklungshelferin wichtig.

„Auch Kreativität will gelernt sein“Zu ihren Schülerinnen gehörten 25 junge Frauen einer Designklasse, die Kunstlehrerinnen werden möchten. Der Vorteil, wenn man Lehrer schult, sei, dass man einen viel größeren Kreis erreichen könne. Sie geben das Gelernte vielfach weiter. Pfeifer sagt, sie habe schnell gemerkt: In Lesotho fehlt es weniger an Finanzen als an Know-How. „Auch Kreativität will gelernt sein“, so die Künstlerin.

„Die jungen Frauen hatten noch nie eine Skizze gemacht“. Also vermittelte sie grundlegende Techniken: Proportionslehre, Zeichnen mit Bleistift und Arbeiten mit Ton und Sandstein.

Viel zusammen gelachtPlatz war ausreichend vorhanden. Jede Klasse hat ein eigenes Häuschen aus rotem Sandstein. „Die erste Woche war etwas schwierig. Ich wollte mit dem Unterricht um 8 Uhr beginnen. Die erste Schülerin erschien gegen 8.20 Uhr“, erzählt Bettina Pfeifer. Doch nachdem das Thema Pünktlichkeit geklärt war, hätten sie wunderbar zusammen gearbeitet. „Die jungen Frauen waren sehr fleißig und Fehler haben sie mit Humor genommen. Wir haben viel zusammen gelacht“, sagt Pfeifer. Die Verständigung lief auf Englisch. In der ehemaligen britischen Kolonie wird es landesweit gesprochen.

Da die künftigen Lehrerinnen auch Blinde unterrichten werden, haben sie die ersten zwei Tage mit Schlafbrillen gearbeitet. Sie sollten ein Gefühl dafür entwickeln, wie es ist, ohne diesen Sinn künstlerisch tätig zu sein. So wurden zum Beispiel Äpfel aus Ton geformt – mit verbundenen Augen. „Das hat uns weit gebracht“, zieht Pfeifer eine Bilanz. Für sie sei es eine unglaubliche Befreiung gewesen, mit Menschen zu arbeiten, die manche Dinge zwar nicht können, sie aber unbedingt lernen wollen.

Tolle ZeitNeben dem Unterricht gab es auch die Gelegenheit, das Land besser kennzulernen. „Lesotho ist touristisch kaum erschlossen. Dabei ist die Landschaft traumhaft schön“, berichtet Pfeifer. Es erinnere sie mit den vielen Bergen ein wenig an die Schweiz. „Es gab auch Kühe mit Glocken um den Hals“, so Pfeifer. Vor allem der Maletsunyane-Wasserfall habe es ihr angetan. Mit 192 Metern ist er der höchste ununterbrochene Wasserfall im südlichen Afrika und eine beliebte Touristenattraktion.

Dauerhaft im Gedächtnis bleiben werden ihr aber die vielen strahlenden Gesichter, die ihr während ihres Aufenthalts begegnet sind. „Die Menschen sind unglaublich freundlich. Es war eine wirklich tolle Zeit“, sagt die Oberdorfelderin.

Der Senior Experten Service (SES)

Der SES ist die führende deutsche Entsendeorganisation für ehrenamtliche Fach- und Führungskräfte im Ruhestand oder in einer beruflichen Auszeit. Seit 1983 gibt der SES weltweit Hilfe zur Selbsthilfe – in allen Branchen und Sektoren. Zurzeit stellen dem SES mehr als 12 000 Experten aus allen beruflichen Richtungen ihr Wissen und ihre Erfahrung zur Verfügung. 2017 hat der SES in mehr als 80 Ländern über 6500 ehrenamtliche Einsätze durchgeführt. Die Organisation ist stets auf der Suche nach neuen Experten. Weitere Informationen zur Registrierung unter www.ses-bonn.de.

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