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Schöneck: Wichtige Vorentscheidung zu Altem Schloss ist gefallen

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Von: Mirjam Fritzsche

Das Alte (links) und das Neue Schloss in Büdesheim aus der Vogelperspektive. Im vorderen Bereich zu sehen: das Wohngebiet Im Paradiesgarten. Der Vorschlag der Grünen, zu prüfen, ob ein gemeinsames Nahwärmenetz in Frage kommt, findet im Ausschuss keine Mehrheit.
Das Alte (links) und das Neue Schloss in Büdesheim aus der Vogelperspektive. Im vorderen Bereich zu sehen: das Wohngebiet Im Paradiesgarten. Der Vorschlag der Grünen, zu prüfen, ob ein gemeinsames Nahwärmenetz in Frage kommt, findet im Ausschuss keine Mehrheit. © Axel Häsler

Schöneck – Wie könnte die Sanierung des Alten Schlosses Büdesheim in sinnvolle Bauabschnitte eingeteilt werden? In Vorbereitung auf die anstehende Entscheidung zum historischen Gebäude konkretisierte Architekt Jürgen Krieg die Angaben aus der Machbarkeitsstudie über die Nutzungsmöglichkeiten, die sein Architekturbüro bereits in einer öffentlichen Ausschusssitzung im Dezember vorgestellt hatte (wir berichteten). Am Dienstagabend führte er bei einer gemeinsamen Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses und des Bauausschusses aus, dass sich die Instandsetzung in fünf Bauabschnitte, verteilt über fünf Jahre, aufteilen lässt.

Diese Informationen sind für die Gemeindevertreter von größter Bedeutung, denn schließlich geht es am Ende darum, wie sich die geschätzten Kosten von rund drei Millionen Euro stemmen lassen. Seit fast neun Jahren wird in Schöneck darum gestritten, ob sich die Gemeinde die Immobilie überhaupt leisten kann. Nach gescheiterten Verkaufsabsichten und zahlreichen Protesten aus der Bürgerschaft ist ein gemeinsames Ziel erkennbar: endlich eine Lösung finden für die Immobilie, die zusehends verfällt.

Erster Schritt bei Sanierung: Einbau des Aufzugs

Architekt Krieg legt eine Berechnung vor. Die Gesamtfläche beträgt etwa 1373 Quadratmeter. Die Kosten beliefen sich damit auf zirka 2000 Euro pro Quadratmeter. „Ein durchaus üblicher Wert“, sagt Krieg. Sein Vorschlag: Zunächst mit dem Rohbau für den Aufzug beginnen. „Das ist ein großer Eingriff ins Gebäude und verursacht eine Menge Dreck“, erklärt der Fachmann. Die Kosten beziffert er mit 190 000 Euro.

Ein Aufzug wäre Dreh- und Angelpunkt für die spätere Nutzung des Gebäudes, das wegen seiner verschiedenen Gebäudeteile über sieben verschiedene Ebenen verfügt. Mit dem Einbau eines Aufzugs an der Schnittstelle des Mittelbaus zum Ostflügel ließen sich zwei Drittel des Gebäudes barrierefrei erschließen.

Hauptnutzer soll nach dem Konzept künftig die Gemeinde sein. Der Fachbereich 4 (Soziales, Jugend, Kultur und Seniorenbetreuung) würde vom Rathaus Büdesheim ins Schloss umziehen (wir berichteten).

Grüne schlagen Nahwärmenetz vor

Die weiteren Bauabschnitte wären in dieser Reihenfolge die Außensanierung (950 000 Euro), der Mitteltrakt und der östliche Gebäudeteil (840 000 Euro), der westliche Gebäudeteil (450 000 Euro) und zum Schluss der nördliche Treppenturm (300 000 Euro).

Die anschließende Diskussion drehte sich dann jedoch vorrangig um den vorgelegten Ergänzungsantrag der Grünen. Diese schlagen vor, zwei Wohnungen im Alten Schloss und eine Gewerbefläche zu verkaufen. Zudem wollen sie prüfen lassen, wie mit dem Alten Schloss als Zentrale ein auf regenerativen Energien basierendes Nahwärmenetz entwickelt werden kann. Möglicherweise hätten auch die Hausbesitzer des angrenzenden Wohngebietes Im Paradiesgarten Interesse, so die Ökopartei. Schließlich stünden dort mehr als 20 Jahre nach der Errichtung Heizungserneuerungen an.

Beide Punkte fanden keine Unterstützer bei den Ausschussmitgliedern der anderen Fraktionen. „Die Idee für ein Nahwärmenetz ist bestimmt gut. Doch es ist die falsche Stelle und die falsche Zeit, den Vorschlag vorzubringen. Wir wollen endlich einen Beschluss zum Alten Schloss“, bezieht Arthur Unkrich (FWG) Stellung. Dieser Meinung schließen sich die meisten Ausschussmitglieder an. Bürgermeisterin Conny rück (SPD) betont, dass ein Energiekonzept zwar Bestandteil der Planungen sei. Doch weitergehende Vorhaben wie das Nahwärmenetz die Kosten in die Höhe treiben würden.

Finale Entscheidung zum Alten Schloss am 3. März

Gernot Zehner (WAS) spricht sich gegen einen Verkauf von Wohnungen aus. „Das ist doch nicht nachhaltig. Verkaufen kann man nur einmal. Über die Miete bekommen wir jedes Jahr Einnahmen.“ Auch Walter Rauch (SPD) hält ein „Aufsplitten der Eigentumsverhältnisse“ für nicht förderlich. Ebenso wie Carina Wacker (CDU), die einen Verkauf „abstrus“ findet.

Es folgt ein emotionaler Appell von Anke Pfeil (FDP), die sich „normale Bürger“ als Bewohner fürs Alte Schloss wünscht. Ziel sei es doch, das Gebäude wieder mit Leben zu füllen. Was man nicht brauche, sei eine Eigentümergemeinschaft, die gegen Krach und Lärm bei Festen, Konzerten und Feiern mobil mache. Die Mitglieder beider Ausschüsse stimmen der Beschlussvorlage der Verwaltung am Ende mehrheitlich zu und empfehlen ihn damit zur Annahme: ein wichtiges Signal für die kommende Sitzung des Gemeindeparlaments. In diesem Gremium wird am Donnerstag, 3. März, die finale Entscheidung zum Alten Schloss fallen. Ein wichtiger Punkt dabei: die Finanzierung der Sanierung.

Schlossverein zufrieden mit Konzept

Bürgermeisterin Rück ist optimistisch, dass die Gemeinde den Betrag über die Jahre stemmen kann. „Nun kommt es natürlich darauf an, welche Anträge zum Haushalt noch beschlossen werden“, so Rück im Gespräch mit unserer Zeitung. Schließlich müsse der Etat genehmigungsfähig sein. Anfang kommender Woche wisse man mehr. Am heutigen Abend berät der Haupt- und Finanzausschuss im Bürgertreff Kilianstädten in zweiter Lesung über den Haushaltsentwurf für 2022. SPD-Fraktionschef Walter Rauch kündigte an, dass es einen fraktionsübergreifenden Haushaltsantrag zum Alten Schloss geben werde.

Björn-Magnus Becker, Vorsitzender des Vereins Rettung Altes Schloss Büdesheim, hat die Diskussion am Dienstagabend gespannt verfolgt. Das vorgelegte Konzept findet auch bei den Mitgliedern des Vereins Zustimmung. „Ich bin froh, dass mit der Nutzung durch die Gemeinde eine wirkliche Lösung für das Gebäude gefunden wurde“, betont Becker gegenüber unserer Zeitung.

Kritische Töne zum Konzept sind aktuell von keiner Seite zu hören. Schließlich möchte niemand, dass jetzt noch etwas die Entscheidung in zwei Wochen verzögert oder gar verhindert. (Mirjam Fritzsche)

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