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Schöneck: Rechenzentrum-Betreiber stellt sich im Ausschuss vor

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Von: Mirjam Fritzsche

So ähnlich könnte das Rechenzentrum in Schöneck aussehen. Mitglieder der CDU-Fraktion haben sich vor Ort ein Bild von einem bereits bestehenden gemacht.
So ähnlich könnte das Rechenzentrum in Schöneck aussehen. Mitglieder der CDU-Fraktion haben sich vor Ort ein Bild von einem bereits bestehenden gemacht. © PM

Am Montag, 27. Juni, berät der Ausschuss für Bauen, Umwelt, Verkehr, Energie und Klimaschutz öffentlich über die Vorlage eines Bebauungsplans, der Baurecht für ein Rechenzentrum in Kilianstädten schaffen soll. Schon vor Monaten hat es hierzu Diskussionen gegeben (wir berichteten). Im Vorfeld der Sitzung haben sich Mitglieder des „Bündnisses für Boden in Schöneck“ kritisch zu Wort gemeldet. Sie fordern, „dass der Ausschuss seine Entscheidung vertagt und zunächst ausführliche öffentliche und offene Erörterungen mit Fachleuten für Natur und Energie erfolgen“.

Schöneck – Die CDU-Fraktion äußerte sich ebenfalls vorab in einer Mitteilung. Sie will an den Plänen festhalten. „Das Unternehmenskonzept überzeugt, es werden hoch qualifizierte Ausbildungs- und Arbeitsplätze in unserer Gemeinde geschaffen und mit Gewerbesteuereinnahmen in beachtlicher Höhe ist zu rechnen“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzende Carina Wacker. Gemeinsam mit Mitgliedern ihrer Fraktion hatte sie Anfang dieser Woche ein Rechenzentrum besichtigt, wie es in ähnlicher Form im Schönecker Gewerbegebiet Kilianstädten Nord II entstehen soll. „Für uns war wichtig, uns selbst einen Eindruck zu verschaffen vom Aussehen und der Dimension der Gebäude, der Funktionsweise des Kühlungssystems mit Frischluft und weiteren bautechnischen Aspekten. Außerdem haben wir aufschlussreiche Informationen über die Bedeutung von Datacentern sowie die Unternehmensphilosophie des RZ-Betreibers erhalten“, berichtete Wacker. Sie hofft, dass auch andere Fraktionen die Einladung zur Besichtigung des Rechenzentrums nutzen und sich vor Ort ein Bild machen.

Auf diesem Feld in Kilianstädten soll ein Rechenzentrum errichtet werden. Landwirte und Naturschützer protestieren dagegen.
Auf diesem Feld in Kilianstädten soll ein Rechenzentrum errichtet werden. Landwirte und Naturschützer protestieren dagegen. © PM

Die Gegner des Projekts führen verschiedene Argumente an. Der Schönecker Landwirt Matthias Wacker weist darauf hin, dass auf dem vorgesehenen Gebiet neben dem Autokontor ein Boden mit höchster Güte vorliegt. „Der Ukraine-Krieg hat uns doch allen gezeigt, wie wertvoll guter Boden ist und wie schnell Grundnahrungsmittel knapp und teuer werden können. Der Boden, der hier zerstört werden soll, wächst woanders nicht nach. Ganz im Gegenteil: Weltweit verschwinden täglich hunderte Hektar fruchtbarer Boden unwiederbringlich. Von den Daten des RZ allein werden wir nicht leben können. Daher sollte der Standort des Rechenzentrums neu geprüft werden.“

Diese Auffassung wird von Pfarrer Kaarlo Friedrich von der Andreasgemeinde Büdesheim unterstützt. Er stellt fest, „dass wir zur Bewahrung der Schöpfung verpflichtet sind und gerade auch die Existenz künftiger Generationen vom Erhalt der Umwelt abhängt“.

Naturschützer: „Abwärme besser nutzen“

Für Manfred Sattler von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz HGON und Gebietsbetreuer in Sachen Feldhamsterschutz ist der Standort des Rechenzentrums sehr schlecht gewählt. Die Eingriffsfläche sei potenzieller Lebensraum für den Feldhamster. „Dort können Landwirtschaft und Naturschutz gut zusammenwirken. Auch wenn es Ausgleichsmaßnahmen geben soll, können diese den Eingriff nicht kompensieren. Uns sind keine Ausgleichsmaßnahmen bekannt, die langfristig Erfolg gebracht hätten.“

Dr. Werner Neumann vom Landesverband des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND) befasst sich aktuell mit Rechenzentren in der Region. Ein Rechenzentrum habe eine immense Abwärme. „Es wäre eine absurde Energieverschwendung und ein Frevel gegenüber dem Klimaschutz, wenn direkt nebenan in Kilianstädten künftig weiter mit Heizöl geheizt würde.“ In den Niederlanden gebe es die Pflicht, dass neue Rechenzentren nur gebaut werden dürfen, wenn auch die Abwärme so weit wie möglich genutzt wird. Erwartungen auf hohe Gewerbesteuereinnahmen werden von Neumann relativiert. Der Steuerexperte Dr. Tilo Sekol habe bezogen auf die dritte Halle in Hammersbach gezeigt, dass aufgrund von Abschreibungen kaum Steuer anfallen und wenn, diese dann über den kommunalen Finanzausgleich deutlich reduziert würden.

Sitzung tagt öffentlich

Dennis Bernhardt von Fridays For Future Schöneck hat ebenfalls erhebliche Bedenken: „Unser letzter Klimastreik stand unter dem internationalen Motto: ‘People not Profit’ (Menschen statt Profit). Wenn also eine riesige Fläche versiegelt und die Biodiversitätskrise weiter angekurbelt wird, sind wir da natürlich erst mal kritisch. Weiterhin werden wir Landwirtschaft immer brauchen und in Zukunft mehr denn je.“

Der Hydrogeologe Guido Vero übt deutliche fachliche Kritik an dem hydrogeologischen Gutachten des Projektierers zum Bebauungsplan. „Das Gutachten fußt auf Daten und Annahmen aus den 1960er-Jahren. Es muss jedem einleuchten, dass die damaligen Rahmenbedingungen der Wasserversorgung in der Gemeinde den heutigen nicht mehr entsprechen.“ Die kumulative Wirkung mit der versiegelten Fläche des Autokontors finde keine Beachtung. Die angespannte Lage bei der Grundwasserversorgung bedingt durch Niederschlagsmangel sei mittlerweile ein europaweites Problem. Auch Schöneck könne sich zukünftig nicht auf die Wasserbereitstellung aus benachbarten Regionen wie beispielsweise dem Vogelsberg verlassen.

Der Ausschuss für Bauen, Umwelt, Verkehr, Energie und Klimaschutz tagt am Montag, 27. Juni, ab 19 Uhr im Bürgertreff Kilianstädten. Der Betreiber des geplanten Rechenzentrums ist ebenfalls zur Sitzung eingeladen, um sein Unternehmen sowie das in Schöneck geplante Projekt vorzustellen. Die Sitzung ist öffentlich.

Von Mirjam Fritzsche

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