Ein Abend, der Mut machen soll: Gastredner Dr. Bernd Schmude (links) mit Alexandra Zein (Kinderhospizverein Hanau) und Klaus Dickmanns (Deutsche Vermögensberatung). Foto: Ulrike Pongratz

Schöneck

Dr. Schmude plädiert für Optimismus auch nach der Krebsdiagnose

Schöneck. Dr. Bernd Schmude aus Frankfurt plädierte in Kilianstädten in einem aufrüttelnden Vortrag für mehr Optimismus im Leben, gerade auch bei chronischen Erkrankungen und Krebs. Anlass der Veranstaltung war das 20-jährige „Dienstjubiläum“ der Deutschen Vermögensberatung in Kilianstädten.

Von Ulrike Pongratz

Große Anteilnahme war im Publikum spürbar, als der Referent Auszüge aus dem Tagebuch eines Patienten vorlas, dessen Angst und Panik, die Verdrängung und Verleugnung, Ängste und Fragen gingen nahe. Denn, so Schmude, dies würden alle Erkrankten etwa so durchleben. Auch die belastenden Nebenwirkungen der Chemotherapie wurden nicht verschwiegen. Es sei ein Weg mit vielen Untiefen, aber es gebe mehr und mehr gute Chancen, so Schmude.

Der Vorleser offenbarte sich als Autor des Tagebuchs und zeigte ein Bild während seiner Chemotherapie. Er wollte sich nicht aufgeben, so Schmude, er hätte aber auch nur überlebt, weil eine damals neue Therapie gewirkt habe – und er sich nicht aufgeben wollte.

Schmude plädiert für eine optimistische Einstellung

Schmude verdeutlichte in seinem Vortrag, dass die Ursache von Krebs das Versagen des Immunsystems sei. Deshalb, so die Schlussfolgerung, müsse man alles tun, um das Immunsystem zu stärken. Die Psyche spiele dabei ebenso eine Rolle wie eine gesunde Ernährung oder ausreichend Bewegung. Körper, Geist und Immunsystem beeinflussen sich wechselseitig, so der Referent. Man könne vorbeugen, Stress und andere Verhaltensweisen, wie Rauchen, als Auslöser vermeiden, allerdings sei es letztendlich Zufall, ob man an Krebs erkranke.

Dennoch plädierte der Arzt vehement für eine optimistische, lebensbejahende Einstellung. „Nehmen Sie Ihr Leben in die eigene Hand!“, forderte er seine Zuhörer auf. In der Verknüpfung von grundlegendem Basiswissen und einfachen Handlungsaufforderungen lag eine der Stärken des Vortrags. „Gehen Sie jeden Tag 20 Minuten spazieren! Meiden Sie Weißmehl!“, forderte der Arzt seine Zuhörer auf. „Fangen sie einfach irgendwo an!“

Schmude rät, die Prognose nicht zu akzeptieren

Die andere lag in der Persönlichkeit des heute 67-Jährigen begründet, der authentisch und mit echter Überzeugung Patienten, Angehörigen und allen am Thema Interessierten seine Unterstützung anbietet.

Spannend, eloquent und humorvoll brachte Schmude ein nicht immer leichtes Thema zur Sprache und machte allen Mut, die es betrifft. Neben der ganzheitlichen Betrachtung von Therapieansätzen hatte der Arzt auch sehr einfache Ratschläge aus der Praxis zu bieten, wie zum Beispiel zu Gesprächen mit dem Arzt immer eine Vertrauensperson mitzunehmen. Auch eine Zweitmeinung solle man sich einholen, bevor man mit einer Therapie beginne und sich wohlüberlegt, ohne Druck, für eine Behandlung entscheiden. Schließlich riet Schmude dazu, die Diagnose zu akzeptieren, aber nicht die Prognose, und bot seine persönliche Hilfestellung an.

"Mit der richtigen Einstellung zum Leben steigen die Chancen auf Heilung"

„Mit der richtigen Einstellung zum Leben steigen die Chancen auf eine deutliche Verlängerung oder sogar Heilung einer Krebserkrankung. Krebs bedeutet heutzutage nicht mehr automatisch Tod und Leiden, sondern mit der Erkrankung möglichst gut zu leben und sie positiv aufzunehmen. Nicht bei jeder Krebserkrankung, aber bei sehr vielen, hilft Mut und Optimismus, das Leben zu verlängern, ja vielleicht sogar den Krebs zu bewältigen“, ist Bernd Schmude überzeugt.

Treff für KrebserfahreneMonika Heuser, die selbst eine 18-monatige erfolgreiche Behandlung von Brustkrebs hinter sich hat, leitet den Stammtisch für Krebserfahrene in Nidderau, der auch Betroffenen aus umliegenden Gemeinden offensteht. Was macht diese Diagnose mit dem Familienleben? Wie können Betroffene mit eventuellen beruflichen Einschränkungen umgehen? Wo kann ich Hilfe bekommen? Das sind die Fragen, die sich viele Betroffene stellen und auf die sie Antworten brauchen. Der Austausch von Erfahrungen ist hier für viele Menschen sehr wichtig. Der nächste Termin ist am Donnerstag, 21. November, um 19 Uhr im Familienzentrum am Gehrener Ring 5 in der Neuen Mitte am Nidder Forum (Eingang über den Stadtplatz).

Der Verein „Stark gegen Krebs“ und sein GründerDr. Bernd Schmude, Allgemeinarzt und Arbeitsmediziner, war 27 Jahre Leitender Betriebsarzt bei der Vacuumschmelze in Hanau. 1998 wurde bei ihm Lymphknotenkrebs diagnostiziert, eine damals schwer zu be-handelnde Erkrankung mit einer geringen Lebenserwartung. Mit Hilfe zahlreicher Therapien und Maßnahmen, aber auch dank seiner „positiven Lebenseinstellung“ ist der heute 67-Jährige gesund. Um anderen Betroffenen Mut zu machen, gründete Schmude 2013 „Stark gegen Krebs e.V.“. Er ist Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins, hält kostenlose Vorträge zum Thema. „Stark gegen Krebs“ steht Betroffenen als Ansprechpartner zur Verfügung. Kostenlose Beratungs-Hotline: 0 69/12 01 84 94. upo››

starkgegenkrebs.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema