1. Startseite
  2. Region
  3. Schöneck

Schluss mit Hickhack: Frauenkabarett-Gruppe löst sich auf

Erstellt: Aktualisiert:

Den Pflegenotstand auf die Spitze getrieben: Hickhack thematisiert auch politische Themen, wie der Ausschnitt aus einem aktuelleren Programm zeigt. (Archivfoto: Privat)
Den Pflegenotstand auf die Spitze getrieben: Hickhack thematisiert auch politische Themen, wie der Ausschnitt aus einem aktuelleren Programm zeigt. (Archivfoto: Privat)

Schöneck. Am Anfang suchten sie nach „Lösungen“, dann war wieder „Alles Müll“ – im Februar heißt es dann „Die Letzte macht das Licht aus“. Die Frauenkabarett-Gruppe Hickhack löst sich nach 25 Jahren auf. Im Februar stehen die vier Frauen zum letzten Mal gemeinsam auf die Bühne.

Von Mirjam Fritzsche

Helga Schenk (68), Birgit Winterling (57) und Ingrid Haertel (69) sitzen in einer Runde und schwelgen in alten Erinnerungen. „Guckt mal, da sahen wir noch jung und schön aus“, sagt Helga Schenk und zeigt auf eine Foto, das die Gruppe in den Anfangsjahren zeigt. Die vierte im Bunde, Johanna Voss (58) ist an diesem Abend nicht dabei, sie hat eine andere Verpflichtung. Irgendwie symptomatisch für das Ende der Gruppe – Voss ist auch diejenige, die zuerst gesagt hat, dass die aufhören möchte. Winterling erklärt: „Ich konnte mir dann nicht vorstellen, zu dritt weiterzumachen und die anderen beiden wollten nicht zu zweit weitermachen.“ So entschied „frau“ sich, ganz aufzuhören.

15 Jahre unveränderte Formation

Die Frauengruppe lebt gerade von der Unterschiedlichkeit, sagt Haertel. „Wir sind vier Frauentypen. Und mit den verschiedenen Rollen haben wir gerne gespielt.“ Auch die Aufgaben teilten sich die Frauen. „Helga und Ingrid haben die Stücke geschrieben, ich war für die Organisation zuständig und Johanna für Designfragen“, sagt Winterling.

Angefangen haben die Frauen 1992 zu siebt. Der Auftritt bei einer Wahlkampfveranstaltung in Schöneck war „getrieben von kommunalpolitischem Engagement, von grünem Sendungsbewusstsein, von mütterlicher Empörung oder von rechtschaffenem Narzissmus“, wie es in der Hickhack-Chronik heißt. Es folgte ein Engagement für ein Fest. Und weil nicht nur die Frauen, sondern auch die Zuschauer viel Spaß mit dem Frauenkabarett hatten, blieben sie dabei. Im Laufe der Jahre sind immer mehr Frauen abgesprungen. Doch die Formation blieb in den vergangenen 15 Jahren unverändert. 2003 wurde ihnen der Kulturpreis des Main-Kinzig-Kreises verliehen.

Aktuelle und persönliche Situationen aufgegriffen

Während ihrer Aufführungen in Bürgerhäusern und auf Kleinkunstbühnen der Region treten sie mit feministischer Power auf. „Wir haben immer unsere aktuelle Lebenssituation aufgegriffen und in Kabarettnummern verarbeitet. Sei es die böse Scheidung oder die Situation als berufstätige Mutter“, erzählt Haertel. Dabei legen sie den Finger dorthin, wo es wehtut. Im Programm „Spiel mit das Lied vom Abendrot“ sind die Vier Bewohnerinnen eines Altenheims. Der Pflegenotstand wird in den Sketchen auf die Spitze getrieben, der Pfleger verstirbt und die pflegebedürftigen Damen bleiben zurück. „Wir haben uns mit Tod und Abschied beschäftigt, da haben die Zuschauer tatsächlich etwas gefremdelt“, erzählt Schenk.

Fangemeinde hauptsächlich weiblich

Doch die Gruppe ist überzeugt, dass man immer was zum Lachen finden kann – auch beim Thema Älterwerden. Zur Fangemeinde der Kabarettgruppe gehören vor allem Frauen. Denn natürlich ist der Mann, in allen seinen Erscheinungsformen von Macho bis Frauenversteher Staatsfeind Nummer eins. Zu den Einfällen, über die die Vier immer noch selbst lachen können, gehört zum Beispiel die „Männerklappe“. Dort können – ähnlich der Babyklappe – nicht erwünschte Exemplare abgegeben werden.

Ein Höhepunkt, der auch im Abschlussprogramm nicht fehlen darf: Die Hick-hack-Damen haben Herbert Grönemeyers Song „Männer“ ungedichtet. Als Mannsbilder verkleidet singen sie: „Ach wären die Frauen noch Frauen, Frauen sind nicht lieb und zart, sind nur außen weich und innen hart.“ Spontan geben die Drei das Lied zum Besten.

Passende Abschiedserklärung

Die Auftritte – die werden sie wohl vermissen. Das ganze Drumherum aber nicht. „Das Fahren, das Tragen und das Aufbauen sind immer anstrengender geworden. Am liebsten hätten wir einfach nur noch gespielt“, erklärt Winterling augenzwinkernd. Etwa einmal im Monat stand Hickhack auf der Bühne, oftmals für Benefiz-Veranstaltungen.

Rückblickend hätten sie gerne öfter auf größeren Bühnen wie im Comoedienhaus Wilhelmsbad gespielt. „Häufig mussten wir uns in den Waschräumen für das Publikum schminken, weil es keine richtige Garderobe gab. Da haben wir einfach den Spiegel im Männerklo abgehängt“, erzählen sie und müssen über die Anekdote selbst schmunzeln. Für das Publikum haben sie auch schon eine passende Erklärung für das Ende von Hickhack parat: „Auch unsere Männer sind älter geworden. Wir müssen sie mehr schonen.“

Die Abschlussvorstellungen von Hickhack mit dem Titel „Die Letzte macht das Licht aus“ sind am Freitag, 2., und Samstag, 3. Februar, ab 20 Uhr im Bürgertreff Kilianstädten zu sehen. Karten gibt es im für Vorverkauf für 20 Euro, an der Abendkasse kosten sie 25 Euro. Tickets können im Rathaus Kilianstädten, in der Schönecker Bücherstube sowie in der Rathausdrogerie Büdesheim erworben werden. Reservierungen per E-Mail an ticket@schoeneck.de.

Auch interessant