Besucher der evangelischen Kirche in Kilianstädten dürfen auf eine ungewohnte Sicht- und Darstellungsweisen bei "Vernissage Passion" gespannt sein. Foto: Seifert

Schöneck

Regisseur bricht bewusst mit dem klassischen Passionsspiel

Schöneck.„Niemand weiß, wie Jesus ausgesehen hat, alle Künstler, [...] ließen ihrer Fantasie freien Lauf. Darauf basiert das Stück über die Passion“, beschreibt Leon Bornemann seinen Ansatz für das Stück „Vernissage Passion“, das am Karfreitag in der evangelischen Kirche in Kilianstädten vom „UThe-Projekt“ aufgeführt wird.

Von Thomas Seifert

Keimzelle des „UThe“-Projekts ist die Kinder- und Jugendarbeit der evangelischen Kirchengemeinde Kilianstädten/Oberdorfelden unter Leitung von Gemeindereferentin Elisabeth Stüve. Im Jahr 2016 inszenierte der inzwischen 19-jährige Bornemann ein Stück zum Lutherjahr. Der Kern der damaligen Darsteller aus Jugendlichen und Erwachsenen hat sich nun wieder zusammengefunden, um das jüngste Projekt des künftigen Studenten der Theaterwissenschaften umzusetzen.

„Vernissage Passion“ bricht dabei mit den tradierten Vorstellungen eines Passionsspiels, ist eine „Bilderfolge“, bei der jeder der zwölf Darsteller einmal Jesus in verschiedenen Gemütszuständen darstellt. Bornemann selbst spielt den „Künstler“, der Protagonist einer Art Rahmenhandlung.

Moderne Darstellungsmethoden„Im Mittelalter waren Passionsspiele Werkzeuge der Missionierung“, stellte der Autor und Regisseur Leon Bornemann im Gespräch mit dem HA fest, „wir wollen das Thema der Passion Jesu mit modernen Methoden darstellen, allerdings basierend auf den Texten der Bibel.“

„Postdramatik“ ist das Stichwort, unter dem der 19-Jährige sein Stück einordnet. Wobei die Gruppendynamik das ursprüngliche Skript während der bislang acht jeweils dreistündigen Proben schon verändert hat. „Spannend ist, wie sich alle Darsteller – das Alter reicht von 13 bis über 60 Jahre – in die Weiterentwicklung des Stücks einbringen“, freut sich Bornemann. Denn die inhaltliche Konzeption sei natürlich nicht in Stein gemeißelt, durch das Annehmen der Rolle würden Prozesse frei, die unerwartete und neue Blicke auf die Passion und die Person Jesu zuließen.

Die Darstellung unterschiedlichster Emotionen und Gefühlszustände verlange den Akteuren viel Einfühlungsvermögen ab, trage aber auch dazu bei, den Spannungsbogen des Stücks hoch zu halten, betont der Autor.

Darstellerwechsel als Stilmittel„'Vernissage Passion' greift die Stereotypisierung der Gestalt Jesu auf, versucht wie bei einer Bilderausstellung verschiedene Blickwinkel auf die Person zuzulassen“, stellt Bornemann fest. Erreicht werde der Blickwechsel durch den Darstellerwechsel und den Wechsel von Utensilien. Unterstützt von moderner kirchlicher Musik, entstehe so ein maximal 90-minütiger Bilderbogen im Altarraum, aber auch im Kirchenschiff.

Dazu werde auch ein Teil des Innern der Kirche umgestaltet, fügt der Regisseur hinzu, der zurzeit auch an den Städtischen Bühnen in Frankfurt an Projekten beteiligt ist.

„Wir Akteure sind Teil einer unfertigen Leinwand, die sich nach und nach verändert. Wir nehmen immer neue Formen bis zur Kreuzigung an, stellen die verschiedenen Gemütsverfassungen von Jesus in ihrer gesamten Bandbreite dar“, erläutert Elisabeth Stüve, die selbst Teil des Stücks „Vernissage Passion“ ist, in dem natürlich auch die Jünger eine große Rolle spielen. „Das Stück ist teilweise irritierend, teilweise berührend“, verrät die Gemeindereferentin, will aber genauso wie Bornemann nicht zu viele Details im Vorfeld offenlegen. „Die Besucher sollen unvoreingenommen in die Kirche kommen und ein Teil eines Passionsspiels werden, wie sie es noch nie gesehen haben“, so Bornemann.

Am Karfreitag, 30. März, um 17 und um 19.30 Uhr präsentiert das „UThe Projekt“ unter der Regie von Leon Bornemann in der evangelischen Kirche in Kilianstädten das Passionsspiel „Vernissage Passion“. Der Eintritt zu beiden Aufführungen ist frei, man benötigt aber eine Einlasskarte und um eine Spende wird gebeten. Einlasskarten sind erhältlich über die Bücherstube Schöneck, das Landfrauencafé Oberdorfelden, nach den Gottesdiensten in Kilianstädten und Oberdorfelden sowie über uthe.einlasskarten@kirche-in-schoeneck.de.Restkarten sind vor den Aufführungen erhältlich. Die „UThe“-Gruppe spricht eine Altersempfehlung von zwölf Jahren aus.

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