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Rechenzentrum ist erneut Thema im Schönecker Gemeindeparlament

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Von: Mirjam Fritzsche

Um die Veräußerung der Fläche zwischen Autokontor Bayern und Windrad im Gewerbegebiet Kilianstädten Nord II geht es morgen im Gemeindeparlament. Archiv
Um die Veräußerung der Fläche zwischen Autokontor Bayern und Windrad im Gewerbegebiet Kilianstädten Nord II geht es morgen im Gemeindeparlament. Archiv © Axel Häsler

Schönecks Grüne stellen Bedingungen für die Veräußerung eines zwölf Hektar großen Grundstücks im Gewerbegebiet Kilianstädten Nord II, auf dem die Errichtung eines Rechenzentrums geplant ist (wir berichteten). Über das Geschäft soll die Gemeindevertretung am Donnerstag, 16. Dezember, im nicht-öffentlichen Teil abstimmen.

Schöneck – Die Grünen sind zwar nicht grundsätzlich gegen die Ansiedlung, wie sie in einer Mitteilung erklären. „Wer Digitalisierung will, muss auch physische Rechenzentren akzeptieren“, sagt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Wolfgang Seifried. Aber keinesfalls so bedingungslos, wie es eine Beschlussvorlage seitens des Gemeindevorstands vorsehe. Das nun vorgesehene Grundstücksgeschäft ist der zweite Akt des Vorgangs. Bereits im Mai hatte die Gemeindevertretung die Aufstellung eines Bebauungsplans beschlossen und den Weg frei gemacht für eine Änderung des Regionalen Flächennutzungsplans. Um etwa 35 Meter nach Norden und 139 Meter nach Osten soll das ausgewiesene Gebiet wachsen, um Platz für das interessierte IT-Unternehmen zu schaffen, das in Schöneck „100 hochqualifizierte Arbeitsplätze“ schaffen will.

Hoher Strombedarf

Die Grünen hatten damals dagegen gestimmt, weil sie keine politischen Vorgaben durchsetzen konnten (wir berichteten). Deshalb wollen die Grünen nun vor einer möglichen Veräußerung über einen umfangreichen Änderungsantrag politische Bedingungen in die Diskussion einbringen.

Seifried führt mehrere Gründe auf, warum dem IT-Unternehmen Vorgaben gemacht werden sollten: „Es ist damit zu rechnen, dass der Strombedarf des Rechenzentrums den bisherigen gesamten Stromverbrauch Schönecks mehrfach übersteigen wird. Deshalb muss im Sinne des Klimaschutzes die zwangsläufig entstehende Abwärme genutzt werden. Auch der enorme Flächenbedarf für verhältnismäßig wenig Arbeitsplätze wirft Fragen auf, gerade weil Schöneck mit dem benachbarten Autokontor Bayern bereits einen sehr flächenintensiven Betrieb beherbergt. Das wertvolle Ackerland und der Lebensraum für den geschützten Feldhamster wären unwiderruflich verloren. Das geplante Gewerbegebiet wäre zudem komplett veräußert, sodass weitere Interessenten abgewiesen werden müssten oder noch weitere Äcker versiegelt werden müssten.“

Grüne wollen Bedingungen stellen

Die Grünen fordern deshalb unter anderem, dass der Strom erneuerbar hergestellt wird und die Energieeffizienz des Rechenzentrums durch ein anerkanntes Zertifikat bestätigt wird. „Aufgrund der Bedeutung für die Gemeinde darf die Entscheidung nicht hinter verschlossenen Türen stattfinden. Der als "nicht-öffentlich" geplanten Beratung werden wir widersprechen“, führt Fraktionschefin Laura Merz in der Mitteilung aus.

Die Mehrheit der Gemeindevertreter hatte in der Sitzung im Mai betont, dass man das Interesse des IT-Unternehmens begrüße. „Wir müssen diese Chance nutzen, höhere Gewerbesteuereinnahmen für die Gemeinde zu generieren“, sagte Bürgermeisterin Conny Rück (SPD). Im Vorfeld der Mai-Sitzung hatten Landwirte, Jagdpächter und Hamsterschützer jedoch ihren Unmut über die Flächenerweiterung geäußert.

Das Gemeindeparlament tagt am Donnerstag, 16. Dezember, ab 20 Uhr im Bürgertreff Kilianstädten. Auf der Tagesordnung steht außerdem die Einbringung des Haushaltsentwurfs für das Jahr 2022. (Mirjam Fritzsche)

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