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Müller Volker Philippi kritisiert geplantes Umgehungsgerinne für die Nidder in Büdesheim

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Von: Mirjam Fritzsche

Das Feuchtgebiet an der Nidder in Büdesheim ist für Volker Philippi bereits ein Naturidyll. Er versteht nicht, warum es renaturiert werden soll.
Das Feuchtgebiet an der Nidder in Büdesheim ist für Volker Philippi bereits ein Naturidyll. Er versteht nicht, warum es renaturiert werden soll. © Mirjam Fritzsche

Seine Zustimmung zum Projekt hat Volker Philippi gegeben. Wenn auch zähneknirschend. Denn einverstanden ist er keineswegs damit, dass auf seinem Gelände ein Umgehungsgerinne für die Nidder entstehen soll. Seit mehr als 170 Jahren besitzt die Familie Philippi das Wasserrecht an der Mühle. Früher wurden hier zwei Mühlräder betrieben, heute wird mittels einer Turbine Strom erzeugt. Der Müllermeister fürchtet, dass diese Tage mit dem Umbau gezählt sind.

Schöneck –Denn wenn das Gefälle nicht mehr hoch genug ist, lässt sich kaum noch Strom erzeugen. „Wenn ich dem Projekt nicht zugestimmt hätte, müsste ich in zwei Jahren selbst eine Fischtreppe bauen – auf eigene Kosten“, begründet Philippi seinen Schritt. Dennoch möchte der 59-Jährige mit seiner Kritik an die Öffentlichkeit gehen. Denn das Projekt hält er keineswegs für sinnvoll.

Volker Philippi
Volker Philippi © Axel Häsler

„Da wird ein Naturidyll renaturiert – ein Wahnsinn“, sagt er gegenüber unserer Zeitung. Das Feuchtgebiet zwischen Heldenbergen, Windecken und Büdesheim sei schließlich nur durch das Aufstauen des Wassers auf dem Wehr entstanden. „Schilfrohr, Amphibien und sogar der Storch fühlen sich hier heimisch“, betont Philippi in einem Schreiben an die Gemeinde. In dem Gerinne sehe er gar „die Enteignung meines Wasserrechts“, denn es sei nirgends festgeschrieben, wie viel Wasser entnommen wird und wie man diese Entnahme bei verschiedenen Wasserständen regeln möchte. Die Einspülung von Kies erhöhe die Hochwassergefahr.

„Das Fischsterben wird nicht hier verursacht“, ist er sich zudem sicher. Seiner Meinung nach liege das an zu wenig Sauerstoff im Wasser, nicht an dem unüberwindlichen Wehr. Baubeginn für das Projekt soll laut Informationen aus dem Rathaus bereits im September sein. Das Regierungspräsidium (Obere Wasserbehörde) hat der Gemeinde die Zustimmung gegeben.

Baukosten betragen 540 000 Euro

Und das ist genau geplant: Um die Durchgängigkeit der Nidder herzustellen, wird im Bereich des Mühlenwehres ein Umgehungsgerinne (Fischtreppe) gebaut. Weiter flussaufwärts in Richtung Naturschutzgebiet werden an der Nidder etliche Renaturierungen wie Uferabflachungen, Herstellung von Inseln und Kiesschüttungen realisiert. Die Baukosten betragen 540 000 Euro. Eine Förderung erhält die Gemeinde Schöneck nach eigenen Angaben nicht.

Da ein Teil der Gesamtmaßnahme eine Ausgleichsmaßnahme ist, zu der zwei Schönecker Gewerbebetriebe verpflichtet sind, haben diese der Gemeinde Schöneck 290 000 Euro erstattet, damit wird die Ausgleichsmaßnahme realisiert, informiert Bürgermeisterin Conny Rück (SPD) auf Nachfrage unserer Zeitung.

Das Wehr an der Philippi-Mühle trieb früher zwei Wasserräder an, heute eine Turbine.
Das Wehr an der Philippi-Mühle trieb früher zwei Wasserräder an, heute eine Turbine. © Mirjam Fritzsche

Warum das alles notwendig sein soll, kann Volker Philippi nicht nachvollziehen. Die Nidder sei an dieser Stelle seit 1684 nicht verändert worden. In diesem Jahr fand die erste urkundliche nachweisbare Eichpfahl-Setzung in Büdesheim statt. 1848 hat Georg Martin Philippi das Wasserrecht erworben. Seitdem ist es im Besitz der Familie. Die Wasserräder wurden 1962 schließlich durch eine Francis-Turbine ersetzt. 15 bis 16 Kilowatt (KW) können damit erzeugt werden. Das ist zwar nur ein Bruchteil vom Bedarf. „Die Mühle verbraucht 170 KW in der Stunde“, erläutert Philippi. Doch wenn der Pegel sinkt, fällt die Bilanz möglicherweise noch schlechter aus.

Gemeinde erhält keine Ökopunkte für das Projekt

Deshalb hatte Philippi der Gemeinde angeboten, sein Wasserrecht zu verkaufen und den Flusslauf durchgängig zu machen. Die Gemeinde lehnte ab. „Leider konnte zu diesem Punkt zwischen den Parteien keine einvernehmliche, wirtschaftlich vertretbare Einigung erzielt werden“, begründet Rück.

Müller Philippi ist verstimmt. „Jetzt fahren ein Jahr lang Bagger durch die Natur“, moniert er. Seine Vermutung, dass die Gemeinde sich viele Ökopunkte von dem Umgehungsgerinne verspricht, mit dem sie neue Baugebiete erschließen kann, lässt sich jedoch nicht halten. „Die Gemeinde erhält für das Projekt keine Ökopunkte“, erklärt die Bürgermeisterin. (Mirjam Fritzsche)

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