Bei der Präsentation des neuen Bürgerbusses für Schöneck waren einige der insgesamt 15 Ehrenamtlichen und Bürgermeisterin Cornelia Rück (Dritte von rechts) mit dabei. Am 13. Januar soll er das erste Mal fahren. Foto: Thomas Seifert

Schöneck

Ab Mitte Januar rollt der Bürgerbus in Schöneck

Schöneck. Gut eineinhalb Jahre haben die Vorarbeiten gedauert, damit der Schönecker Bürgerbus am 13. Januar seine ersten Runden durch die Gemeinde drehen kann. Dem Team gehören derzeit 15 Ehrenamtliche als Disponenten, Fahrer und für die Wartung an, die von drei Verwaltungsmitarbeitern unterstützt werden.

Von Thomas Seifert„Es ist nicht so einfach gewesen, ein Betriebskonzept in vielen Gesprächen und Diskussionsrunden in unterschiedlicher Zusammensetzung zu erarbeiten, um den Vorgaben des Landes Hessen gerecht zu werden. Denn es müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein, damit ein solcher Bürgerbus im Rahmen des Förderprogramm der Offensive ‚Land hat Zukunft – Heimat Hessen‘ Kommunen zur Verfügung gestellt wird. Neben Schöneck fährt solch ein Bus bislang im Main-Kinzig-Kreis nur in Birstein“, berichtete Veronika Kielmann-Heine vom Fachbereich Familie undamp; Kultur der Gemeindeverwaltung.

Ausdrückliches Lob

Bürgermeisterin Cornelia Rück (SPD) lobte ausdrücklich die Bereitschaft der Ehrenamtlichen, sich beim Bürgerbusteam zu engagieren. „Es ist nicht selbstverständlich, dass Bürger die Freizeit opfern, um Mitbürger, die nicht mehr mobil sind, zu chauffieren. Allerdings gibt es in Schöneck noch mehrere Initiativen, in denen sich Bürger zugunsten des Gemeinwohls einbringen“, betonte die Rathauschefin, die in ihren Dank auch Veronika Kielmann-Heine, Mathias Laufer (Fachbereichsleiter Bürgerservice/Ordnungswesen) und Sachbearbeiter Alexander Deutschmann mit einbezog, ohne deren Hilfe und Unterstützung das Projekt noch nicht auf der Startrampe stehen würde.

Alles begann mit einer Interessenbekundung der Gemeinde beim Land mit dem Ziel, die Mobilität zu verbessern, dabei aber dem Öffentlichen Personennahverkehr keine Konkurrenz zu machen. „Wir haben zwar Buslinien und drei Bahnhöfe, aber auch eine Topografie, die vor allem für gehbehinderte Menschen große Probleme mit sich bringt. Der Bürgerbus ist einerseits als Zubringer zu Bushaltestellen und Bahnhöfe für den überörtlichen Verkehr gedacht. Andererseits sollen damit Bürger zu Ärzten, Einkaufsmärkten, zum Büdesheimer Wochenmarkt und zu Friedhöfen gebracht werden“, schilderte Kielmann-Heine das Konzept.

Im Sonderfall Oberdorfelden darf der Bürgerbus sogar über die Gemeindegrenze bis nach Niederdorfelden fahren, um Bürgern dieses Ortsteils den Besuch von Ärzten, einer Bank oder einer Apotheke zu ermöglichen, da es vor Ort nur noch einen Bäcker und einen Metzger gibt. Weiterhin wird die Essenbank in Oberdorfelden zu deren Öffnungszeiten angefahren und die Gäste der drei Seniorentreffs in den Stadtteilen können den Bus benutzen.

Federführung bei der Gemeindeverwaltung

Nachdem sich keiner der angeschriebenen Vereine bereit erklärt hatte, die Trägerschaft für das Projekt zu übernehmen, habe man sich entschlossen, die Federführung bei der Gemeindeverwaltung zu belassen und auch den Bus am Rathaus Kilianstädten zu stationieren. „Das Land Hessen stellt den nagelneuen, neunsitzigen Opel Vivaro zur Verfügung, über Spenden und vermietete Werbeflächen sollen nicht nur die Betriebskosten wie Versicherung, Sprit und Wartung bezahlt werden, sondern es soll auch eine Rückstellung erwirtschaftet werden, um nach sieben bis acht Jahren einen neuen Bus anschaffen zu können“, erläuterte Mathias Laufer das Konzept. Auch über die Vermietung das Fahrzeugs an Vereine und andere örtliche Organisationen sollen Einnahmen generiert werden. Für die Startphase sei im Etat 2020 ein Summe von 4000 Euro zusätzlich eingestellt worden, fügte Bürgermeisterin Rück hinzu.

Derzeit haben sich 15 Frauen und Männer bereit erklärt, als Disponenten, beim Telefondienst, als Fahrer und bei der Wartung des Kleinbusses mitzuarbeiten. Die Fahrer mussten sich einer Gesundheitsprüfung unterziehen und nahmen an einem Fahrsicherheitstraining der Verkehrswacht in Rüsselsheim bei Opel teil. Sie sind über die Gemeinde im Rahmen des Ehrenamts zusätzlich versichert, stellte Laufer fest.

Einer der Fahrer ist Frank Reitmaier, der zwar in Nidderau-Heldenbergen wohnt, aber „alter Büdesheimer“ ist. „Ich gehe zum Jahreswechsel in Rente und möchte weiterhin unter Leute kommen und meine Freizeit sinnvoll verbringen. Als gelernter KfZ-Mechaniker werde ich mich auch um die Wartung des Busses kümmern“, beschrieb er seine Motivation, beim Bürgerbusteam mitzuarbeiten.

Anlaufphase eingeplant

„Den Verantwortlichen und Ehrenamtlichen ist klar, dass es eine Anlaufphase geben wird, wo die Resonanz auf den Bürgerbus, der ja in der Gemeinde erst einmal bekannt gemacht werden muss, nicht so berauschend sei wird. Erfahrungen in anderen Kommunen haben gezeigt, dass Durchhaltevermögen notwendig ist, um den Bürgerbus zu einem Erfolgsmodell werden zu lassen“, betonte Veronika Kielmann-Heine. Mathias Laufer fügte hinzu, dass man sehr flexibel reagieren werde, falls es andere Routenwünsche gibt oder die Fahrzeiten angepasst werden sollen: „Es müssen erstmal Erfahrungen gesammelt werden, ob das Konzept aufgeht“.

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