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Kirchen-Show zum kommenden Luther-Jahr

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Luthers Denken wirkt bis heute nach und hat immer noch aktuelle Bezüge: die Teams vor dem "Spiel ohne Grenzen". Fotos: Habermann
Luthers Denken wirkt bis heute nach und hat immer noch aktuelle Bezüge: die Teams vor dem "Spiel ohne Grenzen". Fotos: Habermann

Schöneck. Martin Luther soll seine 95 Thesen am 31. Oktober 1517 an die Schlosskirche zu Wittenberg genagelt haben, was jedoch historisch umstritten ist. Im kommenden Jahr jährt sich zumindest die Erwähnung des Thesenanschlags. Doch wissen das auch die Kilianstädter? Die Kirchengemeinde hat hierzu eine Show mit Quiz organisiert.

Von Rainer Habermann

Natürlich, sie wissen es, und sie wissen noch viel mehr, sowohl über den Begründer der Reformation als auch über ihre eigene Ortsgeschichte, wie sich am Freitagabend im Bürgertreff herausstellte. Dort hatte die evangelische Kirchengemeinde eine Show organisiert und inszeniert, die etwas an das frühere „Spiel ohne Grenzen“ und ihre Nachfolger erinnerte. Bloß dass die Teilnehmer nicht aus ganz Europa, sondern einzig aus Kilianstädten kamen.

Die gegeneinander antretenden Teams bestanden aus Mitgliedern der Landfrauen, des Fußballvereins, der Freiwilligen Feuerwehr und des Turnvereins des Schönecker Ortsteils. Sie stellten jeweils einen Spieler, welche sich auf einem Spielfeld á la „Monopoly“ per Würfel bewegten und ansonsten an einem langen Tisch Fragen beantworteten, die ihnen von den beiden gewitzten Moderatoren Johanna Ruppert (eine von Schönecks evangelischen Pfarrerinnen) und Leon Bornemann gestellt wurden. Eine muntere Runde mit dem Titel: „Luther meets Kilian“.

Luther-QuizDie erste Frage stellte gleich hohe Anforderungen an die Schätzqualitäten der Teams. Wie viel Prozent der hessischen Bevölkerung ist eigentlich evangelisch?“ Im Bundesland sind es rund 40 Prozent, nach neuesten statistischen Erhebungen. Da lag der Turnverein mit geschätzten 37,5 Prozent am nächsten, wollten andere doch gar an 75 Prozent glauben.

Neben solch allgemeinen Fragen gab es schon speziellere, wo man gewiss über einige Ortskenntnis verfügen musste. „Wann wurde die Kirche am Kirchplatz fertig gestellt?“ Wie aus der Pistole geschossen, antworteten diesmal die Landfrauen: „1741“. Und auch Feuerwehr und Fußballer bewiesen lokalen wie historischen Sachverstand, wenn Bornemann und Ruppert beispielsweise Auskunft über ein „Ulzi“ haben wollten. Richtig: so heißt ein kleines Messer im Dialekt.

Showveranstaltung der Kirchengemeinde Kilianstädten Schließlich kam auch noch weiland Luther zu seinem Recht, indem ein in Mönchsgewand gekleideter Mime auf der Bühne ein Blatt Papier an eine Holztüre hämmerte, worauf dessen 95 Thesen zu lesen waren. Die evangelische Kirchengemeinde Kilianstädten feiert in diesem Jahr das 275. Jubiläum ihres Bestehens und hatte sich mit ihrer Showveranstaltung wirklich Mühe gegeben.

Sogar eine „Zumba“-Animatorin, Petra Schmid, „rockte“ auf der Bühne und ließ den Saal im grellen Rhythmus zu Techno-Songs tanzen. Das Publikum machte begeistert mit, auch wenn jene moderne Fitness- und Musikgymnastik ganz schön viel Puste erforderte. Da gewann der Lutherische Satz, den er angeblich vor dem Reichstag zu Worms dem Kaiser entgegen geschmettert haben soll: „Hier stehe ich und kann nicht anders“, eine völlig neue Bedeutung.

Bewegende Anekdoten und GeschichtenEine bewegende Rede hielt ein Kilianstädter Original aus dem Stegreif: Elsbeth Ramme. Unter tosendem Beifall und mit Unterstützung von Sabrina Steul vom Schauspielerteam der evangelischen Kirchengemeinde erzählte die 80-Jährige am Mikrofon Anekdoten und Geschichten aus ihrem Alltagsleben im Dorf, nach dem Motto: „Wos woar des freuer doch suu schiee, heit is alles nix mieh“ („was war das früher doch so schön, heute ist das alles nichts mehr“).

Ramme war, zusammen mit einem weiteren Mitglied der evangelischen Kirchengemeinde, im Februar mit der Maria-Magdalena-Medaille für ihr Lebenswerk in der Gemeinde von der Landeskirche ausgezeichnet worden. Fazit: Theater, Ratespiel, Anekdoten, Musik: ein heiterer, bunter Unterhaltungsabend rund um Luther und das (überwiegend) evangelische Dorf Kilianstädten.

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