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Kinder der Sterntalerschule Büdesheim lernen in der Natur die Welt des Apfels und der Insekten kennen

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Auf der Streuobstwiese von Sonja Merx basteln die Kinder der Sterntalerschule im Beisein von Obstbauexperte Werner Nussbaum Nisthilfen für Insekten. Als natürlicher Lebensraum dient der Apfelbaum mit seinen Höhlen.
Auf der Streuobstwiese von Sonja Merx basteln die Kinder der Sterntalerschule im Beisein von Obstbauexperte Werner Nussbaum Nisthilfen für Insekten. Als natürlicher Lebensraum dient der Apfelbaum mit seinen Höhlen. © Georgia Lori

Die Streuobstwiese von Sonja Merx hat am Wochenende Besuch bekommen. Zwei vierte Klassen der Sterntalerschule in Büdesheim, begleitet von den Lehrerinnen Christina Dux und Susanne Reiser, unternahmen im Rahmen des „Apfeltags“ einen Spaziergang zur von Merx gepachteten etwa 5000 Quadratmeter großen Streuobstwiese.

Schöneck – „Wir haben an der Schule jedes Halbjahr einen Projekttag zum Thema Apfel und waren schon öfter auf der Streuobstwiese. Mit Werner Nussbaum haben wir schon einmal Apfelsaft gepresst und Süßen gemacht“, berichtet Dux. Reiser ergänzt, dass sich die 32 Kinder auf die blühenden Apfelbäume und den Lebensraum Streuobstwiese freuen. In der Grundschule biete sich das Lernen mit Kopf, Herz und Hand an. Da kommt die Natur als „grünes Klassenzimmer“ gerade recht.

Der Unterschied zwischen Streuobst und Apfelplantagenanbau

Elisa (9) hat beispielsweise schon gelernt, wie ein Apfel entsteht und wie es möglich ist, seine Wunschsorte zu züchten. Erstaunlich: Es sind über 2000 Apfelsorten bekannt. Emily (10) wünscht sich mehr solcher Stunden in der Natur. Nele (10) erzählt, dass nicht nur die reifen Früchte, sondern sogar schon die Blüten des Apfelbaumes essbar sind. „Meine Lieblingssorten sind Jona Gold und Elstar“, sagt sie.

„Parallel zum Apfeltag findet nun zum zweiten Mal der europaweite Streuobst-Wiesentag statt“, sagt Merx, die den Kindern den Unterschied zwischen Streuobst und dem Apfelplantagenanbau erklärt. Der Einsatz chemischer Mittel zum Spritzen findet beispielsweise bei Äpfeln auf Streuobstwiesen nicht statt.

Um eine bestimmte Sorte zu vermehren, müsse der Baum veredelt werden. Dies bedeute, dass man einen Ast von einer Sorte, die man haben möchte auf ein Bäumchen pfropft. „So eine Veredelungsstelle haben wir uns angeschaut. Alle durften die Leiter hoch.“

Warum Bienen für Apfelbäume so wichtig sin

Auch Honigbienen des Imkers Söhnke Knop auf einer zweiten Streuobstwiese haben sich die Schüler angesehen. Doch Honig-Bienen fliegen und bestäuben die Blüten erst ab etwa 14 Grad Lufttemperatur. Für alle früher blühenden Bäume brauche man andere Bestäuber. Hier kämen die Wildbienen ins Spiel.

Dazu kann der Schönecker Apfelexperte Werner Nussbaum etwas erzählen. So soll in Kilianstädten ein Wildbienengarten entstehen. Die Ansiedlung von Mauer- und Holzbienen und vielen weiteren Arten sei geplant.

Währenddessen versammelt Merx, die beim Landschaftspflegeverband Main-Kinzig-Kreis aktuell eine Weiterbildung zur Streuobstpädagogin absolviert, die Kinder um sich und fragt, wie viele Wildbienenarten es wohl gibt. Einige Kinder melden sich, nennen Zahlen wie 150 oder 200. Etwas über 500 seien es in Deutschland, sagt Merx. Und wo wohnen die Wildbienen? „Dachritzen“, „Nester“, „Insektenhotels, die die Menschen bauen“, rufen die Kinder.

Weitere Veranstaltungen für Kindergärten und Schulklassen geplant

Mauerbienen sagt Merx, fliegen schon im März und bestäuben die Schlehenhecke und die früh blühenden Apfelbäume. Hummeln leben in Erdgängen, andere Insekten in Totholz. Auf Streuobstwiesen gebe es eine große Artenvielfalt, auch weil sie mit der Sense und mit Hilfe der Schafe gemäht werden.

Damit die Kinder auch im Schulgarten einige Wildbienen beobachten können, bauen sie an diesem Tag ihre eigenen Nisthilfen. Sie bohren mit Handbohrern unterschiedlich große Löcher in Holzscheite. Eine weitere Nisthilfe entsteht mit Bambusröhrchen und geschnittenen Brombeerranken. Denn bestimmte Bienen nutzen ausschließlich diese markgefüllten Stängel.

Zukünftig plant Merx weitere Kurzveranstaltungen für Kindergärten und Schulklassen zu unterschiedlichen Themen wie Streuobst, Apfel pressen und Apfelverkostung. „Kinder können sehr gut Aromen aus Äpfeln schmecken. Das ist für sie etwas Besonderes“, sagt Merx. Langfristig möchte sie mit Kreis und Land kooperieren, um Fördermittel zu erhalten für langfristige Projekte, wie „Schule auf der Streuobstwiese“. Viele Unterrichtsthemen des Lehrplans könnten auf der Streuobstwiese erarbeitet werden. Das Thema Apfel sei in Hessen in der zweiten Klasse fester Bestandteil des Lehrplans. Auch Apfelsaft könne auf der Streuobstwiese selbst produziert werden. Diese Selbstwirksamkeit sei für Kinder ein sehr wichtiger Entwicklungsschritt.

(Georgia Lori)

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