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Viel Kritik an geplantem Rechenzentrum: Grüne nennen Hanau als Vorbild

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Blick in den Serverraum eines Rechenzentrums.
Blick in den Serverraum eines Rechenzentrums. © Uli Deck/dpa

Das geplante Rechenzentrum in Schöneck spaltet weiter die Gemeinde. Die Kritiker sehen den Naturschutz gefährdet. Unnötig ist der Serverpark laut der Politik aber nicht.

Schöneck – Trotz starken Winds und heftigen Regenschauern kamen gut 20 Interessierte der Einladung der Grünen zur zweiten „Ge(h)rede“ nach, diesmal zur Fläche des geplanten Rechenzentrums im künftigen Kilianstädter Gewerbegebiet II. Nicht nur Bürger der Gemeinde Schöneck waren zum Treffpunkt gekommen, auch Naturschützer aus Windecken und Mittelbuchen und ein ehrenamtlicher Feldhamsterschützer beteiligten sich an dem Spaziergang bei widrigen Bedingungen.

Fraktionsvorsitzende Laura Merz und ihr Vize Wolfgang Seifried informierten zunächst über den Stand der Planung. In einer nicht-öffentlichen Sitzung im Dezember sei beschlossen worden, das von einem IT-Unternehmen gewünschte Gelände vorbehaltlich der Zustimmung der überörtlichen Genehmigungsbehörden zu verkaufen. Die Grünen hätten darauf gedrungen, dass in den Kaufvertrag bestimmte bauliche Vorschriften wie zweistöckige Bebauung und Nutzung der Abwärme der Server aufgenommen werden sollen, hätten sich aber nicht durchsetzen können.

Geplantes Rechenzentrum in Schöneck (Main-Kinzig-Kreis): Stadt Hanau als Vorbild

So bleibe es bei der Größe von rund 13 Hektar, die dem IT-Unternehmen verkauft werden sollen und das sei gut die doppelte für die Erweiterung des Kilianstädter Gewerbegebiets vorgesehene Fläche. Nun müsse die Regionalversammlung noch dem geänderten Bebauungsplan zustimmen, damit das Projekt verwirklicht werden könne.

Wolfgang Seifried macht allerdings klar, dass den Grünen durchaus bewusst sei, das eine notwendige Digitalisierung vieler Lebensbereiche auch solche Serverparks erforderlich machen würde. Aber es gebe Beispiele, wie man solche stromfressenden Anlagen umweltverträglicher und nachhaltiger bauen könne. Die Stadt Hanau habe vorgemacht, wie durch Verhandlungen mit dem Investor bestimmte Vorgaben zur Schutze der Umwelt vertraglich fixiert werden konnten. Die Politik in der Gemeinde dagegen gehe „blauäugig“ vor und hole sich nicht einmal externe Kompetenz, um solch eine Großprojekt richtig einschätzen und dementsprechend begleiten zu können. Mit den Grünen sei der Serverpark in der geplanten Form nicht zu machen, betonte auch Merz.

Geplantes Rechenzentrum in Schöneck (Main-Kinzig-Kreis): Stromversorgung ein Kritikpunkt

Eine Teilnehmerin ging auf die von der Gemeinde erwarteten Einnahmen durch üppig fließende Gewerbesteuern ein. Ihres Wissens nach zahle eine Firma nur am Hauptsitz Gewerbesteuer, die Gemeinde komme lediglich in den Genuss einer geringen Summe, die von der Zahl der Beschäftigten am Standort Schöneck abhänge. Ein anderer Teilnehmer sprach das Problem des Stromverbrauchs eines in dieser Größe geplanten Serverparks an und fragte, an welcher Stelle denn die benötigte Energie hergestellt werden solle.

Einen breiten Raum der Gespräche auf dem Weg zum Gelände nahmen die Themen Landschaftsverbrauch und Naturschutz ein. Viele Diskutierende lehnten das Vorhaben der Gemeinde rundherum ab, denn es werde wertvoller Ackerboden für immer versiegelt und aus der Nahrungsproduktion herausgenommen. „Wenn man gesunde Lebensmittel produzieren will ohne Pestizide und unnötige Düngemittel, dann braucht man mehr Ackerfläche“, gaben Teilnehmer zu bedenken, „und hier geht man genau den gegensätzlichen Weg. Das kann ich nicht verstehen.“

Trotz äußerst widriger Wetterverhältnisse nahmen etwa 20 Teilnehmer die Einladung der Schönecker Grünen zur zweiten „Ge(h)rede“, diesmal zum geplanten Gewerbegebiet Kilianstädten II, an.
Trotz äußerst widriger Wetterverhältnisse nahmen etwa 20 Teilnehmer die Einladung der Schönecker Grünen zur zweiten „Ge(h)rede“, diesmal zum geplanten Gewerbegebiet Kilianstädten II, an. © Thomas Seifert

Geplantes Rechenzentrum in Schöneck (Main-Kinzig-Kreis): Angst vor Zerstörung des Grüngürtels

Dieser Naturschützer ist sich mit dem stellvertretenden Kreislandwirt und Kilianstädter Bauer Matthias Wacker einig, der bereits im Sommer vergangen Jahres festgestellt hat, dass die Erweiterung konventionell wie biologisch bearbeitete Ackerflächen betreffen und den Grüngürtel um Kilianstädten zerstören würde, der nicht nur wertvolle, nahezu von Nitrat unbelastete Anbaufläche sei, sondern auch Naherholungsgebiet. Ein weiterer Teilnehmer stellte fest, „da werden Solaranlagen auf Ackerböden gestellt und im gleichen Atemzug denkt man über Ackerflächen auf Dächern nach, das ist noch völlig widersinnig.“

Ein weiterer Aspekt, der kritisch betrachtet wurde, ist die biologische Diversität, die durch die Verdopplung der geplanten Fläche weiteren Schaden nehmen würde. Die Teilnehmer aus Windecken und Mittelbuchen verwiesen explizit auf den Bestand des Feldhamsters, der im Umfeld der Erweiterung nachgewiesen worden ist und der umgesiedelt werden müsste. Dadurch werde aber eine wichtige Brücke zwischen bestehenden Beständen zerstört, was sich wiederum negativ auf den notwendigen Genaustausch der Hamsterpopulationen auswirken würde.

Manfred Sattler ist seit fast 20 Jahren ehrenamtlich im Auftrag des Landes Hessen im Feldhamsterschutz tätig und ein ausgewiesener Experte für diese gefährdete Tierart. Er beobachte für den westlichen Main-Kinzig-Kreis, dass der Bestand durch Zersiedelung und Zerschneiden der Landschaft durch neue Straßen immer weiter zurückgegangen ist. Umsiedlungen steht Sattler „sehr skeptisch“ gegenüber „und Ausgleichsflächen bringen oft für Feldhamster nichts“. Ergo steht der Experte der Ausweisung und der Erweiterung des Gewerbegebiets Kilianstädten II ablehnend gegenüber. (Thomas Seifert)

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