Mit einer Häsin der Rasse Rex Weiss errang Klaus Pritschkat als Bundessieger kürzlich seinen bisher größten Zuchterfolg. Foto: Thomas Seifert

Schöneck

Kaninchenzüchter Klaus Pritschkat erhält hohe Auszeichnung

Schöneck. Ein mit dem Großvater bekannter Züchter aus Bonbaden bei Wetzlar, wo die Mutter in Kur war, infizierte Klaus Pritschkat im Alter von elf Jahren mit dem Züchtervirus, indem er ihm ein Kaninchen der Rasse Rote Neuseeländer schenkte.

Von Thomas Seifert

Damit wurde der Bub in die Verantwortung für ein Tier gebracht, hatte allerdings bereits bei seinem Opa, der Kaninchen- und Brieftaubenzüchter war, schon früh Anschauungsunterricht nehmen können.

Seither hat Klaus Pritschkat, geboren 1958 in Kilianstädten, Vater von drei Töchtern und Opa eines Enkels, von Beruf Bauleiter von Mobilfunkanlagen, die Kaninchen- und Brieftaubenzucht nicht mehr losgelassen, im Gegenteil, viele Stunden seiner Freizeit hat er seinem Hobby geopfert und hat sich nicht nur als Züchter, sondern auch als Funktionär einen bundesweit guten Ruf erworben. „Das geht aber nur, wenn die Ehefrau mitspielt. Denn die Tiere verlangen 365 Tage im Jahr Pflege“, betont der Kilianstädter im Gespräch mit unserer Zeitung.

"Meister der Rassekaninchenzucht"

Dieser Tage ist nun der gelernte Technische Zeichner mit dem Titel „Meister der Rassekaninchenzucht“ auf der Tagung des Zentralverbands Deutscher Rassekaninchenzüchter – passend in Schöneck im Vogtland – ausgezeichnet worden. Das ist die zweithöchste Auszeichnung, die der Interessenverband der Kaninchenzüchter zu vergeben hat und die davon zeugt, welcher Wertschätzung sich Pritschkat in Züchterkreisen rühmen kann.

Immerhin wurde er als gerade einmal 23-Jähriger zum Vorsitzenden des Kaninchenzuchtvereins H442 Kilianstädten gewählt und hat dieses Amt bis heute inne. „Vorsitzender wird man schnell, aber nicht jeder kann dieses Amt auch so ausfüllen, wie es sein muss“, weiß Pritschkat aus Erfahrung, denn als Bei- und seit neun Jahren Vorsitzender des Ehrengerichts des Landesverbands Hessen Nassau musste er mit seinen Kollegen schon viele Fälle von eklatanten Regelverstößen verhandeln, die in menschliche Abgründe blicken ließen.

„Ich war schon von klein auf von Rassekaninchen und Brieftauben fasziniert, habe eine Zeit lang mal die Tauben etwas vernachlässigt, aber in jüngster Vergangenheit die Zucht wieder intensiviert“, stellt Pritschkat beim Besuch fest. Und so gibt es auf dem Gelände an der Büdesheimer Straße neben dem Kaninchenstall mit 40 bis 50 Tieren auch einen Taubenschlag, wo über 100 Vögel untergebracht sind. „Pro Tag muss man drei bis vier Stunden für sein Hobby reservieren“, weiß der Züchter, „und ohne die Unterstützung der Familie, die nach den Tieren sieht und sie versorgt, wenn man mal Urlaub machen will, geht das nicht.“

Die Zukunft von Kaninchen- aber auch Taubenzüchtern sieht Pritschkat sehr skeptisch, allein der Landesverband der Langohren verliert „pro Jahr ungefähr 1000 Mitglieder. Die Züchter werden nicht aussterben, aber es wird viele Vereine mangels Nachwuchs nicht mehr geben“, blickt er eher pessimistisch in die Zukunft. Das mangelnde Interesse führt der Züchter auf die Veränderungen in der Gesellschaft in Sachen Arbeitsstress, aber auch Digitalisierung zurück.

Hobby schwer auszuüben

Aber es gebe noch weitere Gründe, weshalb es immer schwieriger werde, das Hobby Tierzucht auszuüben. Ein Beispiel ist die Futterbeschaffung für die Kaninchen. „In der Landwirtschaft werden immer größere Maschinen eingesetzt. Versuchen sie mal, einen heutigen Stroh- oder Heuballen in ihren Kofferraum zu bekommen, da werden sie scheitern. Der Transport geht nur noch mit Hänger und mehrere Züchterkollegen müssen sich dann die Ballen teilen“, beschreibt Pritschkat ganz praktische Schwierigkeiten. Oder: Was tun mit dem Mist aus den Kaninchenställen? „Normaler Müll ist das nicht, Grünmüll auch nicht, also wohin damit?“, fragt sich der Züchter und kam vor einiger Zeit auf die pfiffige Lösung, bei einer Biogasanlage nachzufragen – mit Erfolg.

„Bei Kaninchen und Tauben geht es um Wettbewerb und Spaß, wenn man bei einer Schau einen Preis gewinnt oder die Vögel nach 250 Kilometer Flugstrecke alle wieder zurückkommen“, betont Pritschkat. Er, der schon fast alles gewonnen hat, was man als Kaninchenzüchter gewinnen kann, hat aber noch das eine oder andere Ziel. „Mit einer Häsin meiner Stammrasse Rex Weiss bin ich Bundessieger geworden. Mit einer Zuchtgruppe könnte ich noch einen weiteren Titel auf Bundesebene holen, das wäre schon etwas. Weil viele Züchter aus Altersgründen die Zucht aufgegeben müssen, gibt es sehr wenig Ehrenmeister im Verband, die höchste Stufe, die man erreichen kann.

Und schließlich würde es mich reizen, bei der Organisation der Bundesschau 2021 in Kassel mitarbeiten zu können. Denn die Logistik hinter einer solchen Schau mit 20 000 bis 25 000 Tieren ist schon sehr reizvoll“, verrät Pritschkat.

Fügt aber schnell hinzu, dass er eigentlich mit dem, was er bisher als Züchter und Funktionär, bei allen Höhen und Tiefen, die dabei gewesen seien, erreicht hat, sehr zufrieden ist: „Die größte Freude für einen Züchter ist immer noch, wenn er sieht, dass es seinen Tieren gut geht.“

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