Schwunghafter Handel: Ein 27-Jähriger Schönecker muss hinter Gitter, weil er über Monate in Kilianstädten und Büdesheim Marihuana und Haschisch verkauft hat. Foto: pixabay

Schöneck/Hanau

Joints per WhatsApp bestellt: Landgericht verurteilt Drogendealer

Schöneck/Hanau. „Es ist Zeit, das Leben zu ändern und von den Drogen wegzukommen.“ Mit diesen deutlichen Worten verkündet Landgerichtspräsidentin Susanne Wetzel das Urteil der 2. Großen Strafkammer gegen einen 27-jährigen Drogendealer aus Schöneck.

von Thorsten BeckerZeit für Veränderungen wird er nun haben, denn er muss für zwei Jahre und zehn Monate hinter Gitter. Außerdem ordnete die Kammer einen Drogenentzug an.

Dass er mit dem Strafmaß noch recht glimpflich davongekommen ist, dürfte daran liegen, dass er zu Beginnder eintägigen Verhandlung gleich „reinen Tisch“ gemacht und alle Vorwürfe umfassend gestanden hat.

Staatsanwältin Nina Bolowich wirft ihm vor, in den vergangenen beiden Jahren „Gewinn bringend“ und in größerem Stil mit Marihuana und Haschisch gedealt zu haben. Insgesamt hat die Anklägerin dem Gericht drei Aktenstapel vorgelegt.

Schwunghafter Handel

Vom Haus seiner Eltern aus soll A. schwunghaften Handel betrieben haben und in Kilianstädten und Büdesheim zumindest drei aktenkundige „Kunden“ gehabt haben, die per Whats-App bestellt hätten. „Er hat sich damit eine fortlaufende Einnahmequelle geschaffen“, so Bolowich.

A. scheint von dem bekannten Strafverteidiger Dr. Ulrich Endres gut beraten worden zu sein und tritt sofort die Flucht nach vorne an. Denn die Beweise, die von den Drogenfahndern der Hanauer Kripo vorgelegt worden sind, scheinen erdrückend zu sein.

In seinem Jugendzimmer finden die Beamten bei einer Hausdurchsuchung gleich zahlreiche Drogenpäckchen. Unter dem Kopfende des Bettes, auf dem Tisch und im Kleiderschrank „bunkert“ er das Rauschgift, darunter ein halbes Kilogramm Haschisch in Platten. Dazu kommen noch Feinwaage und andere Utensilien, die kaum noch Zweifel aufkommen lassen.

„Die Anklage ist vollständig richtig“, sagt Verteidiger Endres. Nur in einem Punkt relativiert er: Sein Mandant habe niemals wissentlich Drogen an Minderjährige verkauft. Denn einer der Kunden war zum Tatzeitpunkt gerade einmal 15 Jahre alt.

Begründung ohne Glauben

„Ich habe mir seinen Ausweis zeigen lassen, darauf war er bereits erwachsen“, lautet die zunächst sehr skurril anmutende Begründung von A., der eigentlich niemand so richtig Glauben schenken möchte.

Unglaublich, aber wahr: Es scheint tatsächlich so gewesen zu sein. Denn der junge Marihuana-Käufer bestätigt das als Zeuge. Er habe sich bereits im Alter von 14 Jahren einen gefälschten Schülerausweis anfertigen lassen.

„Um in die Disco zu kommen.“ Und: Ja. Der Angeklagte habe sich vor dem ersten Marihuana-‧Deal tatsächlich den Ausweis zeigen lassen und ihm erst dann den Joint verkauft. Nicht so ganz glücklich ist dagegen der „Auftritt“ eines anderen Zeugen aus Kilianstädten. Kurz nach der Belehrung behauptet er frech, den Angeklagten überhaupt nicht zu kennen und nichts mit der Sache zu tun zu haben. Dumm nur: Der Angeklagte hat ja bereits alles gestanden.

Sofort bekommt der Zeuge von der Vorsitzenden die Leviten gelesen: „Ich habe sie eben erst belehrt, dass Sie hier die Wahrheit zu sagen haben. Das erste, was Sie machen ist: Sie lügen mich rotzfrech an. Wo glauben Sie eigentlich, wo sie sind?!“ Der Zeuge, der nach der deutlichen Ansage von Wetzel gefühlt zwei Zentimeter kürzer wirkt, sagt dann doch die Wahrheit.

Kurzer Prozess mit Beigeschmack

Am Ende ist es ein kurzer Prozess. Allerdings mit einem faden Beigeschmack. A. behauptet, seit seiner Verhaftung keine Drogen mehr genommen zu haben. Die Kammer will die Probe auf Exempel und schlägt einen Screening-Test vor. Doch dann macht der 27-Jährige einen Rückzieher.

So fällt die Strafkammer ein recht salomonisches Urteil, nachdem Staatsanwältin Bolowich viereinhalb Jahre Haft ohne Drogenentzug fordert, Verteidiger Endres eine Bewährungsstrafe mit richterlich angeordnetem Entzug für A. vorgeschlagen.

Doch alle im Saal wissen, dass es für A., der bereits neun Einträge im Vorstrafenregister besitzt, noch länger als zwei Jahre und zehn Monate hinter Gittern dauern könnte. Er hat noch sechs Monate Haft auf Bewährung „offen“. Und: Gegen ihn liegt noch eine weitere Anklage vor: Er soll an einem Raub beteiligt gewesen sein.

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