Bürgermeisterin Conny Rück an ihrem Arbeitsplatz im ersten Stock des Kilianstädter Rathauses. Der HA hat mit ihr über das Alte Schloss gesprochen. Foto: Fritzsche

Interview: Conny Rück über die Bebauungspläne rund ums Schloss

Schöneck. Das Alte Schloss ist wieder einmal in aller Munde. Wie sehen die konkreten Bebauungspläne für die anliegenden Grundstücke aus? Diese Frage beschäftigt viele Bürger. Denn die Präsentation der Landesdenkmalbehörde fand im kleinen Kreis statt.

Von Mirjam Fritzsche

Unsere Zeitung berichtete am Samstag über der Redaktion vorliegende Informationen, nach denen die bevorzugte Variante nur vollständig realisiert werden kann, wenn das Sportlerheim des FC 66 Büdesheim verlegt wird. Im Gespräch mit dem HA bezieht Bürgermeisterin Conny Rück (SPD) Stellung zu dem Vorgehen rund um die Planungen fürs Schlossareal.

Frau Rück, wer kennt aktuell die Bebauungsanalyse der Behörde?„Das Landesdenkmalamt hatte im Dezember zu dieser Präsentation eingeladen und mich gebeten, den Kreis zu benennen. Gemeindevorstand und Fraktionsvorsitzende waren ohnehin vorgesehen. Um jedoch die notwendige Transparenz zu schaffen, habe ich den Kreis um den Sprecher der Bürgerinitiative, den Vorsitzenden des Vereins Rettung Altes Schloss, die Ortsvorsteherin von Büdesheim und den Investor erweitert, der Fachbereichsleiter Stadtentwicklung war ebenfalls dabei. Das Landesdenkmalamt hatte ein Architekturbüro beauftragt, eine Bebauungsanalyse für die angrenzende Fläche zu erstellen. Es wurden mehrere Varianten vorgestellt, wovon eine für die Behörde zur Weiterentwicklung in Frage kommt.“

Warum hat die Öffentlichkeit bisher noch nichts über den Inhalt erfahren?„Das Treffen war streng vertraulich, außerdem konnte das Ganze in den Fraktionen noch nicht beraten werden. Nach der Präsentation haben die Oppositionsfraktionen den Vorschlag gemacht, das Thema erstmal zu beraten, die Mittel aus dem Haushalt rauszunehmen und im Anschluss zu schauen, wie es weitergeht. Dies wurde von mir in meinen Mitteilungen in der Gemeindevertretung im Dezember auch so berichtet, und der Beschluss, die Einnahmeposition aus dem Haushalt zu streichen wurde dann gefasst.“

Auf wessen Bestreben wurde Vertraulichkeit vereinbart und warum?„Der Wunsch ging vom Denkmalamt aus, die versendeten Unterlagen waren nur für den internen Gebrauch bestimmt. Diese Vorgehensweise wurde auch von Seiten des Rathauses so weitergeleitet und begrüßt, weil Dinge noch nicht in der Öffentlichkeit präsentiert werden können, die in den Gremien noch nicht ausdiskutiert sind.“

Gibt es bei dem Wunsch nach Diskretion einen Zusammenhang mit der Bürgermeisterwahl im Februar?„Nein. Von meiner Seite aus war vollkommen klar, dass der Verkauf des Alten Schlosses aus dem Wahlkampf nicht rauszuhalten ist, hierfür bestand auch keine Notwendigkeit. Ich habe bei dem Verkauf nach wie vor ein gutes Gefühl und ein gutes Gewissen, wenn alle Forderungen der Beschlusslage erfüllt werden beziehungsweise das eine oder andere noch optimiert werden kann. Im Dezember 2013 gab es einen einstimmigen Beschluss, den Gemeindevorstand zu beauftragen, das Schloss und die angrenzende Freifläche zum Verkauf anzubieten. Natürlich wäre ich froh, wenn es eine Lösung gäbe, bei der jeder sagen könnte: 'Das kann ich mittragen'.“

Es gibt eine vom Denkmalamt bevorzugte Variante. So viel ist bekannt. Wie genau sieht diese Variante aus?„Ich möchte von meiner Seite aus die Vertraulichkeit, um die mich das Denkmalamt gebeten hat, nicht aufweichen. So viel kann ich verraten: Es gibt einen etwas anderen Flächenzuschnitt, weil die mögliche Bebauung so gestaltet werden soll, wie sie früher mal war.“

Müsste dafür das Sportlerheim verlegt werden?„Davon kann derzeit keine Rede sein.“

Spielt es in den Überlegungen gar keine Rolle?„Natürlich kommt das Sportlerheim in der Bebauungsanalyse vor, weil es an die Fläche angrenzt. Visionär könnte es eine Zusammenlegung der Sportanlagen geben, dies ist auch mit den Vereinen schon mal besprochen worden und war vor einiger Zeit ein Antrag der CDU-Fraktion gewesen. Wenn das mal passieren sollte, dann wäre die Verlegung ein Thema, das man weiter verfolgen könnte. Aber das dauert möglicherweise noch viele, viele Jahre. Um die bevorzugte Variante zu verwirklichen, wäre es nicht notwendig, das Vereinsheim zu verschieben. Das ist auch überhaupt nicht mein Ansinnen, denn es würde dem Verein schaden. Der FC 66 soll sein Vereinsheim und seinen Sportplatz, so wie er ist, behalten. Allerdings muss für die Parkplätze eine andere Lösung gefunden werden. Das ist aber bereits bekannt.“

Entspricht die Vorzugsvariante auch der aktuellen Beschlusslage? Reicht die im Bietverfahren ausgeschriebene Fläche aus?„Es ist genügend Grundstück vorhanden. Die Fläche würde sich sogar etwas reduzieren. Aber all das müssen wir noch rechtlich prüfen lassen. Ich habe schon im Wahlkampf angekündigt: Es wird ein weiteres Zusammentreffen mit dem Gemeindevorstand, den Fraktionsvorsitzenden und dem erweiterten Kreis geben. Da wird dann auch unser Anwalt dabei sein, der das Bietverfahren bisher begleitet hat, um rechtliche Fragen zu beantworten. Der Termin soll bald stattfinden.“

Gibt es mittlerweile eine definitive Aussage von Investor Werner Dietz, ob er das Alte Schloss und das Areal kaufen wird?„Herr Dietz hat nach wie vor sein Interesse bekundet. Er wartet die Beratungslage ab und wird in den Gesprächskreis mit den Fraktionsvorsitzenden und dem Anwalt aufgenommen, damit auch Fragen an ihn gerichtet werden können.“

Am Donnerstag (heute, Anm. d. Red.) steht ein FDP-Antrag auf der Tagesordnung des Ausschusses, bei dem es um ein Gutachten zu den Sanierungskosten für das Alte Schloss gehen soll …„Der würde interessant, wenn Herr Dietz sagen würde, er hätte kein Interesse mehr an der Immobilie. Dann müssen wir als Gemeinde natürlich überlegen, wie es weitergeht. Besser wird die Immobilie nicht, wenn nichts passiert. So ein Gutachten würde natürlich Geld kosten. Man muss beraten, ob es zum jetzigen Zeitpunkt gut wäre, den Antrag umzusetzen. Oder ob man ihn im Geschäftsgang lässt, um eine Beschlusslage herbeizuführen, wenn die Situation eine andere ist. Das wäre für mich auch ein gangbarer Weg. Wie die Ausschussmitglieder entscheiden, vermag ich aber nicht zu sagen.“

Was wünschen Sie sich für die weiteren Beratungen zum Alten Schloss?„Ich würde mir wünschen, dass bei allen Beteiligten die notwendige Ruhe einkehrt, aber auch keine Unruhe mehr verbreitet wird, um das Thema sorgfältig und vernünftig zu beraten und damit ordentlich zum Abschluss zu bringen.“

Wann wird die Öffentlichkeit Details zu den Bebauungsplänen erfahren?„Wir bewegen uns ja derzeit immer noch im Bereich der Beratungen, und es gibt noch einige Schritte, die gemacht werden müssen. Wenn das endgültige Ergebnis vorliegt, können der FC 66 und die Bürger dann auch informiert werden. Für mich ist nach wie vor wichtig, dass das Schloss endlich die notwendige Sanierung erfährt, die es verdient, dass es auf jeden Fall der Öffentlichkeit zugänglich bleibt und dass auf der zu bebauenden Fläche etwas Schönes entsteht.“

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