Die Gastgeberinnen des Gourmetabends im "Confetti", Awet (links) und Amina, in Aktion. Sie bekochten ihre Gäste mit dem äthiopisch-eritreischen Traditionsessen Injera. Foto: Gabriele Reinartz

Schöneck

6. Internationaler Gourmetabend: Flüchtlinge kochen für Gäste

Schöneck. „Viele geflüchtete Frauen, die zu uns nach Schöneck gekommen sind, haben keinen Beruf erlernt oder können ihn nicht ausüben, auch weil sie noch kleine Kinder zu versorgen haben“, erzählt Helga Schenk, die den Arbeitskreis Asyl Schöneck Ende 2012 gründete. 

Von Gabriele Reinartz

So entstand die Idee, solchen Frauen eine andere Möglichkeit zu bieten, sich gesellschaftlich einzubringen, und zwar über das Kochen. „Kochen können die geflüchteten Frauen in der Regel alle ziemlich gut. Manche haben sich und ihre Familie während ihrer jahrelangen Flucht durch zig Länder mit Kochen für Fremde über Wasser gehalten.“ 

Der internationale Gourmetabend im ehemaligen Kilianstädter „Confetti“ an der Frankfurter Straße 16, der am vergangenen Freitag bereits zum sechsten Mal stattfand, bietet daher den Frauen die Möglichkeit, sich als Caterer auszuprobieren, sprich für eine größere Gesellschaft zu kochen. Einen Kontakt zu einem Catering-Unternehmen hat Schenk bereits herstellen können. „Ich hoffe sehr, dass die Frauen aus diesem Projekt so viel Mut schöpfen, dass sie entweder ein Cateringunternehmen gründen oder zumindest regelmäßig Gäste bekochen“, formuliert Schenk ihren Herzenswunsch.

Äthiopisch-eritreisches Traditionsessen

An diesem Abend sind Awet Kidana und Amina Abu aus Eritrea an der Reihe. Sie servierten rund 60 Schöneckern in einem stilvollen Ambiente das äthiopisch-eritreische Traditionsessen Injera, ein leicht gesäuerter Fladen aus Teffmehl, dazu würzige Fleisch- und Gemüsebeilagen, die man in Eritrea Wots nennt. „Während ihrer Flucht haben Awet und Amina auch arabisch kochen gelernt. Das zeigen sie mit ihrer leckeren Vorspeise, einem lybischen Kartoffel-Geflügel-Auflauf“, fährt Schenk fort. 

Awet und Amina leben schon länger in Deutschland, sprechen die deutsche Sprache und fühlen sich integriert. Awets Flucht dauerte neun Jahre. Dreimal versuchte sie, das Mittelmeer zu überqueren. Ihr ältester Sohn wurde in Libyen im Gefängnis geboren, ihr Jüngster in Deutschland. „Awet hatte sogar schon mal einen Ausbildungsplatz als Lehrerin bekommen, aber ihre Kinder waren einfach noch zu klein. Die Familie kommt erst jetzt langsam zur Ruhe“, sagt Schenk.

Das Gourmetessen findet immer am letzten Freitag im Monat statt. „Das heutige Buffet kostet 15 Euro pro Person. Von den 900 Euro, die wir einnehmen werden, gehen 600 Euro an die zwei Frauen. Die restlichen 300 Euro brauchten wir für den Einkauf“, berichtet Schenk. Die Eigentümer der ehemaligen Szenekneipe „Confetti“ stellen die Räumlichkeiten kostenfrei zur Verfügung.

Mitglieder des Arbeitskreises Asyl Schöneck

Bisher kommen zum Gourmetabend fast ausschließlich die Mitglieder des Arbeitskreises Asyl Schöneck, so auch Marina Geisler, die an diesem Abend ihre Freundin Andrea Scharlach mitbrachte. „Ich finde diese Abende immer sehr gelungen, das Essen ist sehr lecker. Man lernt hier mal andere Esskulturen kennen“, schwärmt Geisler. 

Noch sind die Gourmetabende in Schöneck und Umgebung nicht bekannt. Das soll sich baldmöglichst ändern. „Ich spreche in der Gemeinde die Menschen immer an und mache sie auf den Abend aufmerksam. Doch es wäre schön, wenn sich die Gästeliste langsam mal erweitern würde“, betont Schenk. 

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