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Hochadel ging ein und aus: Illustre Gäste im Neuen Schloss

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Imposante Relikte aus „goldenen Zeiten“: Wandmalereien an der Außenfassade des Neuen Schlosses in Schöneck-Büdesheim. sind noch erhalten. Foto: Erbacher
Imposante Relikte aus „goldenen Zeiten“: Wandmalereien an der Außenfassade des Neuen Schlosses in Schöneck-Büdesheim. sind noch erhalten. Foto: Erbacher

Schöneck. Königin Viktoria, die Pianistin Clara Schumann und viele mehr: Das Neue Schloss in Büdesheim hat zahlreiche illustre Gäste beherbergt. Die Gastlichkeit im Haus der Oriolas war sehr großzügig

Von Ursula Erbacher

Die Nidder fließt gemächlich im weiten Bogen um das frühere Anwesen des Grafen von Oriola. Das Neue Schloss in Büdesheim entstand im 19. Jahrhundert durch den Münchner Stararchitekten Gabriel von Seidl, der auch das Lenbachhaus, das Bayrische Nationalmuseum und das Deutsche Museum in München erbaute. Das kleine Schloss in Büdesheim kann mit einer großen Vergangenheit mit zahlreichen illustren Gästen aufwarten.

Der Graf Waldemar Lobo da Silveira von Oriola (1854 bis 1910) stammte aus einer außerehelichen Verbindung des portugiesischen Königs Alfono III. mit der bürgerlichen Marie Gil, einer Nichte des Schriftstellers Clemens von Brentano.Gräfin bewirtete oft tagelang zahlreiche GästeDer Adelstitel wurde der Familie dennoch verliehen. Zwar war der Graf nicht sehr begütert, doch Gattin brachte beachtliche finanzielle Mittel mit in die Ehe. Das erlaubte dem Aristokraten einerseits, ein steinernes Zeugnis seiner Macht zu bauen, und andererseits, als Reichstagsabgeordneter, in Berlin unabhängig zu sein. Der Schlossherr lebte seit 1880, dem Jahr seiner Eheschließung mit der verwitweten und acht Jahre älteren Marie Brena im neuen Schloss in Büdesheim.Die Gräfin bewirtete oft tagelang zahlreiche Gäste, Gästebuchaufzeichnungen künden von bekannten Namen, die gern gesehen waren und oft über Wochen in Büdesheim Station machten. Unter ihnen waren neben Verwandten, Freunden, Künstlern, vor allem bedeutende Persönlichkeiten aus dem Kreis wilhelminischer Hocharistokratie.Frauen eng verbunden Beispielsweise war die englische Königin Viktoria, die Pianistin Clara Schumann. Bill von Bismarck, der damalige Landrat von Hanau, und Fürstin Johanna von Bismarck Gast im Hause der Oriolas. Clara Schumann war häufig im Schloss zu Büdesheim. Zu der bekannten Pianistin hatte besonders die Hausherrin einen regen Austausch und freundschaftlichen Briefkontakt.Die beiden Frauen schienen sich sehr verbunden und schätzen sich gegenseitig, was aus der innigen Korrespondenz hervorgeht. So wurde auch Schumanns Tochter Luise in der evangelischen Kirche zu Büdesheim getauft, mit anschließender Tauffeier im Schloss.

Kunst und KulturDie Gastlichkeit im Haus der Oriolas war sehr großzügig und die Gräfin Marie von Oriola legte viel Wert auf Kunst und Kultur. Ganz nach dem Vorbild der Mutter des Grafen, die eine Tochter des Dichterpaares Achim und Bettina von Arnim war, wurde das Haus mehr und mehr zu einem gefragten literarischen Salon mit musikalischer und schöngeistiger Unterhaltung.Sie schrieb in ihren Lebenserinnerungen: „Büdesheim ist ein ganz herrlicher Besitz. In der fruchtbaren Wetterau gelegen, mit Ausblick auf den Taunus, mit dem schönen, von der Nidder umflossenen alten Park ist es, zumal seitdem Gabriel Seidl das imposante neue Schloss an den alten Bau angefügt hat, wirklich ein Juwel. Und als Waldemar sich dann mit Marie vermählt hatte, ist Büdesheim für mich und die Meinen zu einer neuen Heimat geworden.“Langeweile nicht zu findenEs waren private und gesellschaftliche Treffen mit Lesungen oder musikalischen Veranstaltungen. Nach historischen Zeugnissen muss auch viel diskutiert und gefeiert worden sein. Mit dem Ausbau der Eisenbahnstrecke zwischen Bad Vilbel und Stockheim ihm Jahr 1908 war die Anreise für die Gäste nicht mehr so beschwerlich.Den Gästen standen vielfache Annehmlichkeiten zur Verfügung. Langeweile ist in allen Gästebucheinträgen nicht zu finden. Das wundert nicht, schließlich standen 18 Reitpferde, ein Tennisplatz, eine Kegelbahn und ein Schießstand zur Verfügung.Heute ist das Schloss in Privatbesitz Ausritte, Kahn- oder Kutschfahrten in die Umgebung sorgten für Abwechslung. Abends musizierte die illustre Gesellschaft oder es wurde Mühle, Dame oder Halma gespielt.Der Erste Weltkrieg und die Weltwirtschaftskrise setzte dem aufwändigen gesellschaftlichen Leben im Schloss ein jähes Ende. Heute ist das Schloss in Privatbesitz und zu Eigentumswohnungen umgebaut.

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