Auf der Bühne des Bürgertreffs stellten sich die zwei Anwärter auf das Bürgermeister-Amt den Fragen des Publikums und der HA-Redakteurinnen Yvonne Backhaus-Arnold (links) und Mirjam Fritzsche (rechts). Foto: Bender

Schöneck

HA-Podiumsdiskussion: Amtsinhaberin punktet gegen Herausforderer

Schöneck. Bei der HA-Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl konnten die rund 300 Besucher nicht nur die Positionen der zwei Kandidaten zu Themen, die die Gemeinde bewegen, hören. Sie erfuhren auch, ob Conny Rück (SPD) und Björn-Magnus Becker (parteilos) gerne Müsli essen, Fahrrad fahren oder Helene Fischer hören.

Von Monica Bielesch

„Ich war vorher unentschlossen, aber jetzt habe ich eine Meinung“, fasste eine Besucherin am Ende der rund 90-minütigen Veranstaltung ihre Eindrücke zusammen und ergänzte: „Conny Rück hat sich bewährt.“ Eineinhalb Stunden hatten sich am Mittwochabend im Kilianstädter Bürgertreff Amtsinhaberin Cornelia (Conny) Rück und ihr Herausforderer Björn-Magnus Becker den Fragen von HA-Redakteurin Mirjam Fritzsche und der stellvertretenden HA-Chefredakteurin Yvonne Backhaus-Arnold gestellt.

Und auch rund 300 Bürger nutzten die HA-Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl, um den Kandidaten zu den Themen Finanzen, Altes Schloss, fehlende Infrastruktur in den Ortsteilen und Zukunftsvisionen für Schöneck auf den Zahn zu fühlen.

Raunen und ApplausRück sprach von einer „wegweisenden Wahl“ am 18. Februar und betonte immer wieder die Bedeutung eines ausgeglichenen Haushalts und stabiler Finanzen für die Gemeinde. Die Bürgermeisterin konnte mit viel Sachkenntnis zu den verschiedensten Themen punkten und Beifall ernten. Becker, Bauingenieur aus Büdesheim, setzte hingegen auf Kreativität: „Ich möchte beweisen, dass man mit neuen Ideen und frischem Wind viel mehr bewegen kann.“

Er forderte eine positive Einstellung und den Blick für mögliche Lösungen statt für unlösbare Probleme. Dabei blieb er jedoch konkrete Antworten schuldig und die Ideen, die er präsentierte, wurden von Rück ausgekontert. Teilweise herrschte eine gespannte Stille im aufmerksam zuhörenden Publikum. Manchmal ging ein Raunen durch die Reihen und oftmals gab es viel Applaus für Rück.

Etwa wenn Becker seine Forderung nach einem mobilen Rathaus oder einem Bürgertaxi für Senioren erläuterte. Unter Beifall erläuterte Rück, dass die Verwaltung schon heute beispielsweise Notartermine bei Bürgern zuhause anbiete und die Nachbarschaftshilfe Schöneck sich um Senioren kümmere.

Publikum diskutierte rege mitAber nicht nur die zwei Moderatorinnen stellten Fragen, auch aus dem Publikum wurden Themen angesprochen. Angelika Sturm (SPD) vom Gemeindevorstand wollte von Becker wissen: „Wie wollen Sie einen ausgeglichenen Haushalt schaffen mit all Ihrem Wunschkonzert?“ Er sei sich sicher, dass er mit den Mitarbeitern der Finanzabteilung Geld und Lösungen finden werde, so Becker.

Markus Scharf (BI Pro Altes Schloss) aus Büdesheim fragte, wie es für Rück vereinbar sei, einerseits Schulden zu vermeiden und andererseits 2,6 Millionen Euro für die neue U3-Kindertagesstätte auszugeben. Wenn die Stadt ein besseres Tagesmütter-Programm hätte, könnte Schöneck das Geld einsparen, ergänzte Becker. Und auch hier punktete Rück mit detaillierter Sachkenntnis, etwa dass die Anzahl der Tagesmütter in Schöneck von 15 auf vier zurückgegangen sei, dass diese Entwicklung in vielen anderen Kommunen ähnlich sei. Und unter lautem Jubeln des Publikums in Richtung Becker: „Sie können es ja versuchen, wenn Sie gewählt werden.“

Altes SchlossSattelfest zeigte sich Rück auch beim kontroversen Thema Altes Schloss. Die kritischen Fragen dazu aus dem Saal konnte sie mit sachlicher Darstellung der Faktenlage begegnen. Und die 61-jährige Amtsinhaberin machte keinen Hehl daraus, dass die denkmalgeschützte Immobilie von Politikern aller Colour in den vergangenen Jahrzehnten vernachlässigt worden ist.

Obwohl ihr das „Kleinod“ eine Herzensangelegenheit sei, könne sich die Gemeinde das Schloss mit seinen Folgekosten nicht leisten. Becker betonte, dass er sich als Bürgermeister bei diesem Thema an die Beschlüsse der Gemeindevertretung halten werde, aber dem Investor keine anderen Grundstücke anbieten würde. Der Herausforderer, der früher Sprecher des Vereins Rettung Altes Schloss gewesen ist, schaffte es auch bei diesem Thema nicht, überzeugend aufzutreten.

Heitere MomenteTrotz der kontroversen Diskussionen zwischen den Kandidaten, denen die Anspannung anzumerken war, gab es aber auch heitere Momente. Bei einem Bilderrätsel mussten Becker und Rück Fehler in Schöneck-Fotos finden – und das Publikum half fleißig mit.

Auch zu ihren Zukunftsvisionen für Schöneck befragten die HA-Redakteurinnen die Bürgermeister-Anwärter. Rück verwies dazu auf die Beratungen in den Gremien zum Projekt Zukunftsplanung. Das Parlament werde im Mai darüber entscheiden, danach sollen die Bürger miteingebunden werden, etwa in Bürgerversammlungen. Becker brachte seine Idee vom mobilen Rathaus vor. Und versprach die E-Mobilität zu fördern und Ladesäulen zu schaffen.

Helene Fischer oder Beethoven?Am Ende gaben die Kandidaten bei einem Wortspiel noch Privates preis. Becker entschied sich bei dem Wortpaar „Fahrrad oder Auto“ für das Fahrrad. „Weil ich jung bin und gerne im Wind stehe.“ Rück wählte bei „Bier oder Äppelwoi“ das Bier. „Weil ich gerne Bier vom Fass trinke.“ Bei „E-Mail oder Anruf“ wählte Becker die Whats-App-Nachricht und sowohl Beethoven wie auch Helene Fischer. Und Rück gestand, dass sie ein Müsli mit Joghurt oder Milch einem Nutella-Brötchen vorzieht.

Wer von den Besuchern mochte, konnte zum Abschluss im Foyer mit bunten Bällen für einen Kandidaten abstimmen. Dabei hatte Conny Rück die Nase vorn. Nun sind die Wähler am 18. Februar am Ball.

Eine Aufzeichnung der Veranstaltung ist noch zu sehen unter www.facebook.de/HanauerAnzeiger

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